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Irak-Krieg: Bush rechnet mit Schröder ab

George W. Bush geht mit Gerhard Schröder hart ins Gericht. In seinen Memoiren wirft der Ex-US-Präsident dem früheren Bundeskanzler Täuschung vor: Der Deutsche habe ihm Unterstützung für den Irak-Krieg zugesagt - aber das Versprechen dann nicht gehalten.

Bush (l.) und Schröder (2005 im Weißen Haus): "Am schwierigsten zu durchschauen" Zur Großansicht
AP

Bush (l.) und Schröder (2005 im Weißen Haus): "Am schwierigsten zu durchschauen"

Washington - So viel steht fest: Freunde werden George W. Bush und Gerhard Schröder nicht mehr. Der SPD-Politiker sei "einer der am schwierigsten zu durchschauenden Staatsmänner" gewesen, mit denen er zu tun hatte, schreibt der ehemalige US-Präsident in seinen Memoiren.

Was den Amerikaner besonders empört, ist die Haltung des Deutschen zum Irak-Krieg. Er, Bush, habe sich im Vorfeld des Irak-Kriegs von Schröder getäuscht und von Mitgliedern der Bundesregierung beleidigt gefühlt, heißt es in Bushs am Dienstag veröffentlichten Buch "Decision Points" ("Entscheidungspunkte"). Das Zerwürfnis über den Irak-Krieg habe sein Verhältnis zu Schröder zerrüttet.

"Ich schätze persönliche Diplomatie und lege viel Wert auf Vertrauen", schreibt Bush - und fährt mit Blick auf Schröder fort: "Als dieses Vertrauen verletzt wurde, war es schwierig, noch einmal eine konstruktive Beziehung zu unterhalten."

Bush schreibt in seinem Buch, Schröder habe ihm bei einem Treffen im kleinen Kreis im Weißen Haus am 31. Januar 2002 die volle Unterstützung für die Irak-Politik zugesagt. Er selbst habe dem Kanzler bei dem Gespräch klargemacht, dass er als letzte Option auch mit militärischer Gewalt gegen Iraks Machthaber Saddam Hussein vorgehen würde.

Schröder habe daraufhin geantwortet: "Was für Afghanistan richtig ist, ist auch für den Irak richtig. Nationen, die den Terrorismus unterstützen, müssen mit Konsequenzen rechnen. Wenn Sie es schnell und entschieden erledigen, dann bin ich mit Ihnen." Bush fährt fort: "Dies habe ich als Erklärung der Unterstützung aufgenommen."

"Ich war schockiert und wütend"

Bush wirft dem damaligen Kanzler vor, einige Monate später im deutschen Bundestagswahlkampf von der Zusage abgerückt zu sein. "Als die Wahlen in Deutschland bevorstanden, hatte Schröder plötzlich einen anderen Dreh", schreibt Bush. Schröder habe öffentlich gegen eine Invasion im Irak mobil gemacht.

Besonders beleidigend seien Äußerungen der damaligen Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) gewesen, die Bush im Wahlkampf in die Nähe von Hitler gerückt hatte. "Ich war schockiert und wütend", erinnert sich Bush. "Man kann sich kaum etwas Beleidigenderes vorstellen, als von einem deutschen Regierungsvertreter mit Hitler verglichen zu werden." Danach habe er seine Kontakte zu Schröder auf das Nötigste reduziert.

Der frühere US-Präsident wirft Schröder außerdem vor, gemeinsam mit dem damaligen französischen Staatschef Jacques Chirac und Russlands Präsident Wladimir Putin eine Achse gebildet zu haben, "um dem Einfluss Amerikas entgegenzuwirken". Als Gegenleistung hätten Schröder und Chirac dann Putins zunehmend autoritäre Machtausübung verteidigt.

Bei einem G-8-Gipfeltreffen in St. Petersburg habe Chirac bei einem Abendessen der Staats- und Regierungschefs Putin gegen Kritik in Schutz genommen. "Und das war noch nichts im Vergleich zu dem, was Schröder gemacht hat", fährt Bush fort. "Kurz nach seinem Ausscheiden aus dem Amt wurde der deutsche Bundeskanzler Chef eines Unternehmens, das dem staatlichen russischen Energie-Giganten Gazprom gehört", kritisiert Bush. Schröder ist Aufsichtsratschef des Betreiber-Konsortiums der geplanten Unterwasser-Pipeline durch die Ostsee von Russland nach Deutschland.

Völlig anders bewertet Bush Schröders Nachfolgerin Angela Merkel (CDU). "Angela war vertrauenswürdig, engagiert und warmherzig", erinnert sich Bush. "Sie wurde schnell zu einem meiner engsten Freunde auf der Weltbühne."

als/AFP

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1. Gerhard war und ist ok
Ernst Robert, 09.11.2010
Zitat von sysopGeorge W. Bush geht mit Gerhard Schröder hart ins Gericht. In seinen Memoiren wirft der Ex-US-Präsident*dem früheren Bundeskanzler Täuschung vor: Der Deutsche habe ihm Unterstützung für den*Irak-Krieg zugesagt - aber das Versprechen dann nicht gehalten. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,728163,00.html
Hat er doch gut gemacht. Ich hätte ihn gern wieder als Kanzler. Das werden sehr bald auch andere so sehen.
2. tss
Stampler 09.11.2010
na der muss grad seinen mund aufmachen. lächerlich.
3. Wm- Titel
hermanngaul 09.11.2010
Blöd für Bush, gut für uns. 2 Dinge, die Schröder im gewichtigen Maße mitentschieden hat, sind nachhaltig positiv für Deutschland ausgefallen. Die Agenda 2010 und das Zurückhalten bei Irakkrieg. Auch wenn GWB jetzt wie ein beleidigtes Kind mit den Armen fuchtelt.
4. Antwort
Klaschfr 09.11.2010
Das kann nur Schröder beantworten. Das mindert aber in keiner Weise Bushs Verbrechen gegen Menschen- und Völkerrecht! Mag es den US-Bürgern egal sein, ob so jemand sich der Gerechtigkeit entziehen kann, uns kann es nicht egal sein.
5. Die Herren von der SPD
suum.cuique 09.11.2010
Zitat von sysopGeorge W. Bush geht mit Gerhard Schröder hart ins Gericht. In seinen Memoiren wirft der Ex-US-Präsident*dem früheren Bundeskanzler Täuschung vor: Der Deutsche habe ihm Unterstützung für den*Irak-Krieg zugesagt - aber das Versprechen dann nicht gehalten. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,728163,00.html
Ja, so sind sie, diese vaterlandslosen Gesellen von der SPD. Heute hueh, morgen hott. Schroeder hat Bush fuer die Bundestagswahl fallen lassen. Was waere gewesen, wenn Sch. die Wahl gerade hinter sich gebracht haette? DAS waere interssant.
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