Irak-Krieg Wieczorek-Zeul wirft Washington Täuschung vor

Gerade erst hatte sich das deutsch-amerikanische Verhältnis beruhigt. Doch zum Jahrestag des Irak-Krieges droht neuer Ärger: Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul wirft der US-Regierung vor, die Welt getäuscht zu haben.


Wieczorek-Zeul: "Es geht mir nicht um Rechthaben"
DPA

Wieczorek-Zeul: "Es geht mir nicht um Rechthaben"

Berlin/Hamburg - "Tatsache ist, dass jeder Vorwand gesucht worden ist und teilweise Dokumente verwendet worden sind, von denen man wusste, dass sie falsch waren", sagte Wieczorek-Zeul dem Berliner "Tagesspiegel". Für viele der Gründe, die genannt worden seien, hätten sich in der Realität keinerlei Belege gefunden. Dies gelte auch für Massenvernichtungswaffen.

"Es geht mir nicht um Rechthaben und schon gar nicht um Genugtuung", sagte die Ministerin. "Aber gerade wenn man verlangt, dass global Rechtsstaatlichkeit geschaffen wird, muss die Wahrheit gesagt werden. Es muss offen gelegt werden, was an den Vorwürfen dran war."

Einen Einsatz der Bundeswehr im Irak schloss die SPD-Politikerin aus. "Es wird weder vor, noch nach einem Uno-Beschluss deutsche Soldaten im Irak geben", sagte die SPD-Politikerin.

Nach Ansicht des ehemaligen Vorsitzenden des Nato-Militärausschusses, General Klaus Naumann, war der Irak-Krieg dagegen richtig. "Sonst wäre der Despot Saddam noch an der Macht und könnte die Uno zum Narren halten", sagte Naumann der "Bild"-Zeitung. Die Vereinigten Staaten hätten jedoch einen hohen Preis gezahlt: "Die USA haben ihre Glaubwürdigkeit verloren, die Geheimdienste nahezu aller Nationen Vertrauen verspielt und das Ziel - Stabilität im Irak - liegt noch in weiter Ferne."

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, rief dazu auf, schnellstmöglich eine Ordnung im Irak herzustellen. "Auch wer den Krieg für ungerecht hielt, muss jetzt alles dafür tun, dass im Irak ein gerechter Friede entsteht."

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.