Kämpfe im Nordirak Röttgen fordert Neubewertung des Bundeswehreinsatzes

Nach einer kurzen Unterbrechung bildet die Bundeswehr im Nordirak wieder kurdische Peschmerga-Kämpfer aus. Angesichts der Lage in der Region will CDU-Außenexperte Röttgen den Einsatz überprüfen lassen.

Kurdische Peschmerga-Kämper in Koya
AFP

Kurdische Peschmerga-Kämper in Koya


Angesichts der Kämpfe im Nordirak hat der CDU-Außenexperte Norbert Röttgen eine Neubewertung des dortigen Ausbildungseinsatzes der Bundeswehr gefordert. Es reiche nicht aus "zu sagen, wir machen das einfach weiter", sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag am Sonntagabend in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin". "Bei diesem Mandat ist ganz sicher eine Neubewertung notwendig."

Die Bundeswehr hatte kürzlich die Ausbildung kurdischer Peschmerga-Kämpfer nach wenigen Tagen Unterbrechung wieder aufgenommen. Wegen des Konflikts zwischen den irakischen Kurden und der Zentralregierung in Bagdad war die Ausbildung der Peschmerga am 13. Oktober ausgesetzt worden.

Röttgen äußerte in der ARD die Befürchtung, die Bundeswehr sei durch die Zusammenarbeit mit den Kurden längst Teil eines innerirakischen Konflikts geworden. Er schlug vor, das Einsatzmandat für die Bundeswehr im Nordirak zunächst nur um drei Monate zu verlängern, bis eine neue Regierungskoalition in Berlin im Amt ist. In dieser Zeit müsse diskutiert werden, ob das weitere Engagement der Bundeswehr dort noch sinnvoll sei.

Die Lage im Nordirak habe sich in den vergangenen Tagen "grundlegend geändert", sagte Röttgen. Zum einen sei die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in der Region nun "militärisch besiegt", weswegen nun die Zeit für "ein politisches Konzept" jenseits von Militäreinsätzen gekommen sei. Zum anderen hätten die Kurden im Nordirak den "historischen Fehler" begangen, ein Unabhängigkeitsreferendum abzuhalten und damit eine Krise mit der irakischen Zentralregierung in Bagdad heraufzubeschwören.

Mehr als 30 Tote binnen einer Woche

Bei Gefechten zwischen den irakischen Einheiten und kurdischen Kämpfern im Nordirak sind nach Angaben beider Seiten innerhalb einer Woche mehr als 30 Menschen getötet worden. Bei den Kämpfen um die ländliche Region Altun Kupri seien zwei Soldaten der Regierungstruppen getötet worden, meldete das gemeinsame Einsatzkommando der irakischen Streitkräfte (JOC) am Sonntag.

Demnach gerieten die Regierungstruppen dort auch unter Beschuss deutscher Panzerabwehrraketen, mit denen die Bundesregierung die Kurden für den Kampf gegen den IS ausgerüstet hatte.

Ein Sprecher der Haschd-al-Tschaabi-Einheiten nannte die Zahl von drei getöteten Kämpfern. Die kurdische Seite hatte bereits in der vergangenen Woche von 26 getöteten und 67 verletzten Kämpfern berichtet.

aar/dpa/AFP



insgesamt 7 Beiträge
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auge2 23.10.2017
1. will CDU-Außenexperte Röttgen den Einsatz überprüfen lassen.
Entschuldigung was macht Röttgen zum Außenexperten????
spiegkom 23.10.2017
2. Endlich mal eine gute Röttgen-Idee, nach gefühlten 30 Jahren
Ich fordere eine Neubewertung von - Energiewende inkl. Umlage - Elterngeld - Heizungsverordnung - Benzinsteuern - Steuererklärung-Bürokratie - und von ca. 20 anderen Regelungen auch.
tuedelich 23.10.2017
3. Aus der Versenkung
Huch, wo kommt denn mit einem Mal der Röttgen wieder her? Und hat er seine Äußerungen mit irgendwem abgesprochen? Wenn er denn meint, die deutschen Soldaten aus dem Irak abziehen zu wollen, dann bitte auch aus Afghanistan, Albanien div. Afrika-Einsätzen usw. usw. Dann könnte ich Herrn Röttgen vielleicht ernst nehmen.
kobold17 23.10.2017
4. Na so was..
Zwischen 2 Fronten zu operieren sind für Soldaten schon Stunden zuviel. Rückzug wäre kein Zeichen von Schwäche sondern ein Zeichen der Vernunft und Verantwortung. Röttgen sollte solche Aufgaben den Spezialisten überlassen und nicht noch 3 Monate aus irgendwelchen Gründen hinauszögern. In diesem Fall vermisse ich allerdings eine ausreichende Stellungsnahme des Verteidigungsministeriums.
m.gu 23.10.2017
5. Herr Röttgen vertritt die Politik der CDU, ungerecht gegenüber den
Kurden im Irak. Jeder versetze sich in die Lage vor 3 - 5 Jahren. Der IS eroberte einen Großteil des Iraks, die irakische Armee überließ Millionen von Irakern teilweise kampflos, wie in Mossul und anderswo, den Massenmördern des IS. Die Kurden waren in der Folge, trotz schlechterer Bewaffnung, wie gegenüber der nationalen Minderheit den Jesiden im Irak die Kämpfer, die ein Großteil der Bevölkerung ohne Unterstützung der Luftwaffe der Amerikaner diejenigen, die viele Menschen aus der Knechtschaft des IS befreiten. Dieses Volk der Kurden, geschätzte ca. 35 Millionen Menschen, ohne Land werden jetzt vom Westen fallen gelassen. Abscheulich die Politik der USA und auch der EU Staaten, auch der CDU/CSU in Deutschland. Anstatt sich für dieses Volk ohne Land einzusetzen, will auch die CDU die Unterstützung für die Kurden abbrechen. Unmenschlich und unfair, sie haben die Hauptlast des Kampfes gegen den IS getragen und 10 000de Menschenleben geopfert. Es bewahrheitet sich siehe Quelle: "Amerika ist verantwortlich für diese Katastrophe." Sie haben unter dem Vorwand, erlogen eindeutig, Saddam Hussein besitzt Chemiewaffen den sicheren Staat Irak zerstört und ca. 600 000 Irakern in diesem ungerechten Krieg getötet. Sie haben danach ihre Truppen aus dem Irak abgezogen und einer korrupten irakischen Regierung unterstützt bis heute. Leider auch die EU Staaten, allein bei der Rückeroberung von Mossul durch die Amerikaner , der irakischen Armee und sogenannter Milizeneinheiten fanden geschätzte ca. 18 000 Zivilisten den Tod.
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