Richard Grenell verteidigt umstrittenen Tweet US-Botschafter in Deutschland will weiter "Klartext" reden

Deutsche Unternehmen sollten Geschäfte mit dem Iran sofort unterbinden. Das hatte der neue deutsche US-Botschafter gefordert - und viel Kritik geerntet. Nun hat er seine Aussage verteidigt.

US-Botschafter für Deutschland Richard Allen Grenell
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US-Botschafter für Deutschland Richard Allen Grenell


Der neue US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, hat seine viel kritisierte Forderung, deutsche Unternehmen sollten ihre Geschäfte im Iran "sofort runterfahren", verteidigt. Er habe "einen anderen Stil", sagte Grenell den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Da will ich ganz ehrlich sein." Er sagte weiter: "Die Diplomatie, die im Gruppendenken verhaftet ist, hat großen Schaden angerichtet: Nordkorea ist auf dem Weg zur Atommacht - und in Syrien findet seit Jahren ein Völkermord statt. Ich bin gegen Gruppendenken in der Diplomatie."

Grenell fügte in den Funke-Zeitungen hinzu: "Wenn man Krieg vermeiden will, verfügt man besser über Diplomaten, die bereit sind, hart zu sein." Diplomat zu sein, bedeute für ihn, Klartext zu sprechen - gerade gegenüber Freunden. Auf die Frage, was mit deutschen Firmen geschehen solle, die weiter Geschäfte mit dem Iran machten, sagte Grenell: "Diese Frage muss die deutsche Regierung beantworten, nicht wir."

US-Präsident Donald Trump hatte am Dienstag den Ausstieg seines Landes aus dem Atomabkommen mit dem Iran und die Wiedereinsetzung von Sanktionen gegen das Land angekündigt. Grenell teilte seine Forderung anschließend via Twitter mit. Er war nur wenige Stunden zuvor von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier akkreditiert worden.

SPD-Chefin Andrea Nahles sagte dazu, es sei zwar nicht ihre Aufgabe, Diplomatie zu lehren. "Aber ein bisschen Nachhilfe scheint er (Grenell) zu gebrauchen." Die Linke forderte die Einbestellung Grenells ins Auswärtige Amt. Der Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, riet Grenell auf Twitter, die Politik seines Landes zu erklären, aber niemals dem Gastland zu sagen, was es zu tun habe.

ans/dpa



insgesamt 116 Beiträge
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JerryKraut 10.05.2018
1. Liebes Deutschland,
wirtschaftlich stark und militärisch schwach geht nicht. Wirtschaftlich schwach und militärisch stark dagegen schon - siehe Nordkorea. Falls die USA jemals einen Botschafter nach Nordkorea entsenden sollten, wird es bestimmt kein Mann wie Grenell sein. Deutschland bleibt halt nur Protest und dann Schwanz einziehen.
edhomme 10.05.2018
2. Nein
Die Bundesregierung muss das zurückweisen. Es wird zwar schwer, aber besser jetzt als zu spät. Und nur ein starkes Europa kann den USA Einhalt gebieten.
vaikl 10.05.2018
3. "Ich bin gegen Gruppendenken in der Diplomatie"
Und ich bin gegen vorgebliche Diplomaten, die keinen blassen Schimmer von Diplomatie haben. Warum geht das Großmaul nicht direkt zum Militär und drückt dort rote Knöpfe? Sollte er intellektuell grad noch so hinbekommen...
stefan.martens.75 10.05.2018
4. Genau der richtige Botschafter in Zeiten Trumps
Die USA sagt was Sache ist und der Rest kann sehen, ob er sich anschließt oder die Konsequenzen tragen will. Europa sollte sich hier ganz genau überlegen ob es eine eigenständige Außen und Sicherheitspolitik will. Das wird teuer und folgenreich sein, denn wir treten mit einer eigenständigen Meinung und Politik den USA direkt auf Füße. Das erste was dann direkt in Frage gestellt werden muss, ist das amerikanische Selbstverständnis, dass deren Gesetze und Sanktionen von jedem Anderen eingehalten werden müssen. Das Vorrecht werden die aber nicht ohne Kampf aufgeben. Führen oder Folgen, was soll es sein?
zippo2012 10.05.2018
5. schickt den Yankee wieder nach Hause
Leute wie Grenell und auch sein Chef sollten merken wenn man ihnen ans Schienbein tritt! Es gibt in Amerika sicherlich versiertere Diplomaten, die ihr Land in Deutschland vertreten können. Von zweit- oder drittklassigen Cowboys sollten wir uns nicht reinreden lassen.
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