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Irans Botschafter im Interview: "Wir sind an Sanktionen gewöhnt"

Eine Attacke auf britische Diplomaten in Teheran, Anschlagspläne auf US-Einrichtungen in Deutschland: Der iranische Botschafter in Berlin, Ali Resa Scheich Attar, nennt die Vorwürfe im Interview "eigenartig" und einen "Witz". Und: Auch Sanktionen würden sein Land nicht vom Kurs abbringen.

Ali Resa Scheich Attar: "Durch den Boykott wird der Ölpreis steigen" Zur Großansicht
DPA

Ali Resa Scheich Attar: "Durch den Boykott wird der Ölpreis steigen"

SPIEGEL ONLINE: Herr Botschafter, was wissen Sie über den iranischen Anschlagsplan auf US-Einrichtungen in Deutschland, über den zuletzt berichtet wurde?

Attar: Wir haben darüber keine Informationen. Was wir kennen, sind die Presseberichte. Weder wurden wir vom Außenministerium informiert noch von der Staatsanwaltschaft oder der Polizei. Ehrlich gesagt: Wir sind ganz schön perplex.

SPIEGEL ONLINE: Warum?

Attar: Niemand in der iranischen Botschaft oder unseren drei Konsulaten kennt die Person, um die es geht, oder die durchsuchte Firma. Nachdem die "Bild" darüber berichtet hatte, haben wir selbst im Internet recherchiert. Nach unseren Kenntnissen handelt es sich um ein Unternehmen, das von ehemaligen Bundeswehrsoldaten geführt wird. Das finden wir ziemlich eigenartig.

SPIEGEL ONLINE: Die Rede ist von konspirativen Kontakten eines Mitarbeiters dieser Firma zur iranischen Botschaft.

Attar: Die gibt es nicht. Das Ganze sieht für uns aus wie ein Witz. Auch aus einem weiteren Grund: Wenn die Amerikaner uns angreifen, haben wir es nicht nötig, Anschläge in Deutschland zu verüben. Wir sind stark genug, uns in unseren eigenen Grenzen zu verteidigen. Die Amerikaner sind überall bei uns in der Region, im Irak, in Afghanistan, in Bahrain. Wir müssen nicht 5000 Kilometer weit fahren, um die USA zu treffen.

SPIEGEL ONLINE: In der Vergangenheit haben Sie das doch auch getan. 1992 haben iranische Agenten im Berliner Restaurant Mykonos vier Kurden erschossen. Noch vor wenigen Wochen haben die USA einen Anschlagsplan veröffentlicht, der vorsieht, den saudi-arabischen Botschafter in Washington umzubringen?

Attar: Das ist genauso ein Witz wie die Sache hier in Deutschland. Das sind Gerüchte, die in die Welt gesetzt werden, um uns unter Druck zu setzen. Wir haben die USA mehrfach gebeten, uns ihre Beweise zu geben. Wir haben nichts bekommen. Und Mykonos war nicht unsere Sache, das war eine Auseinandersetzung zwischen zwei kurdischen Gruppen. Mit dem iranischen Staat hatte das nichts zu tun.

SPIEGEL ONLINE: Das behaupten Sie. Deutsche Gerichte haben ermittelt, dass es iranische Agenten waren. Haben Sie auch heute Agenten in Deutschland? Vielleicht sogar solche, die Anschläge gegen US-Einrichtungen verüben könnten?

Attar: Wir haben einen Beamten unseres Informationsministeriums, der hier ansässig ist, so wie der BND einen Beamten in Teheran hat. Das ist offiziell und normal. Alles andere ist Unsinn! Wenn wir wollten, könnten wir die Amerikaner bei uns in der Region treffen, mit all den Waffen, die wir mittlerweile haben.

SPIEGEL ONLINE: Sie können ausschließen, dass es bei einer Eskalation Anschläge von Iran in Deutschland geben wird?

Attar: Hundertprozentig.

SPIEGEL ONLINE: Sie bestreiten alle Vorwürfe. Was Sie nicht bestreiten können, ist, dass die deutsch-iranischen Beziehungen auf einem Tiefpunkt angekommen sind.

Attar: Tiefen und Höhen gab es immer. Und so schlimm ist es nicht, wir haben Beziehungen auf Botschafterebene. Unsere beiden Minister telefonieren miteinander. Es kann sein, dass unser Außenminister zur Afghanistan-Konferenz nach Bonn kommt. Und Herr Westerwelle hat um ein Treffen der beiden Minister gebeten. Auch wirtschaftlich geht es gut. 2010 haben wir mehr Geschäfte miteinander gemacht als 2009.

SPIEGEL ONLINE: Das wird aber nicht so bleiben. Gestern hat die EU eine neue Verschärfung der Sanktionen angekündigt. Es soll nun auch ein Ölembargo geben. Knapp 20 Prozent seiner Öl-Exporte liefert Iran nach Europa. Wie lange können Sie Ihrer Bevölkerung noch zumuten, diese Sanktionen zu ertragen?

Attar: Seit 33 Jahren gibt es Sanktionen. Wir sind daran gewöhnt. Es hat uns nichts ausgemacht. Wir sind sogar mächtiger geworden. 20 Prozent sind nicht schlimm. Sie müssen sich nur überlegen, wie Sie das Ihren Firmen erklären. Wir haben Ersatz für Ihre Produkte.

SPIEGEL ONLINE: Sie behaupten ernsthaft, die iranische Wirtschaft, die jetzt schon unter dem Druck der Sanktionen ächzt, könnte das einfach so wegstecken?

Attar: Durch den Boykott wird der Ölpreis steigen. Dann nehmen wir das Geld an anderer Stelle ein.

SPIEGEL ONLINE: Unser Gefühl ist dennoch, dass es eine große Nervosität in der iranischen Bevölkerung gibt. Das zeigen auch die Ereignisse in der britischen Botschaft. Wie erklären Sie, dass es dazu gekommen ist?

Attar: Die iranische Regierung hat diesen Vorfall bedauert und verurteilt. Etliche der Leute sind auch verhaftet worden...

SPIEGEL ONLINE: ...und nach einem Tag schon wieder freigekommen.

Attar: Das stimmt nicht. Sie sind noch im Gefängnis. Aber diese Wut gegenüber den Engländern und auch Amerikanern gibt es. Sie hat eine lange Geschichte.

SPIEGEL ONLINE: Sind Sie nicht gegenüber Ihrer Bevölkerung verpflichtet einzulenken?

Attar: Es sind doch die Briten, die die Beziehungen abgebrochen haben. Es ist nicht normal, dass Diplomaten aufgefordert werden, das Land innerhalb von 48 Stunden zu verlassen. Wir haben 40.000 bis 50.000 Iraner, die in Großbritannien leben und konsularisch betreut werden müssen.

SPIEGEL ONLINE: Erwarten Sie von Großbritannien Untätigkeit, wenn Iran nicht die Sicherheit der Botschaft gewährleisten kann?

Attar: Wir werden die Sicherheit gewährleisten. Wenn die Polizei nicht eingegriffen hätte, können Sie sicher sein, dass das ganze Gebäude eingenommen worden wäre. So kamen sie nur auf das Gelände. Keinem einzigen Diplomaten wurde ein Finger gekrümmt. Einige Polizisten sind sogar verletzt worden.

SPIEGEL ONLINE: Diplomaten haben gesagt, dass das keine spontane Aktion gewesen sein kann, sondern koordiniert war.

Attar: Das müssen wir nicht ernst nehmen. Das waren Studenten.

SPIEGEL ONLINE: Großbritannien hat den iranischen Botschafter ausgewiesen. Auch der deutsche Botschafter in Teheran wurde zurückbestellt nach Berlin, ein starkes politisches Zeichen der Bundesregierung. Befürchten Sie, dass Sie auch bald nach Hause geschickt werden?

Attar: Der deutsche Botschafter wurde zu Konsultationen zurückbeordert. Das ist ganz normal. Es gibt keine Herabstufung der diplomatischen Beziehungen. Wir hoffen, dass die anderen europäischen Staaten nicht dem Beispiel der Briten folgen. Die gelten in Europa doch auch in anderen Fragen nicht gerade als Vorbild.

Das Interview führten Bastian Berbner und Florian Gathmann

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1. Dann ist ja alles paletti !
ZiehblankButzemann 02.12.2011
Wir dachten schon Ihr müsst darunter leiden. Dann müssen wir auch kein schlechtes Gewissen haben. Ob es ihnen ihr Volk dankt wenn sie als Privilegierter für alle Ihre Bürger sprechen. Vielleicht holt Sie ja irgendwann mal so ein Interview ein. Da Ihr ja sowieso kein Nikolaus feiert, bleibt auch diesmal der Stiefel leer.
2. Keine Macht dem Titel!
Mac_Beth 02.12.2011
Auf Seiten des Spiegels höre ich irgendwie die ganze Zeit immer nur den selben Satz: "Wir möchten ihnen gerne Dreck am stecken nachweisen, warum machen sie uns das so schwer?" Nichts für ungut, kritische Berichterstattung ist richtig und wichtig, aber der Spiegel lässt sich in seiner Wahrnehmung und insofern auch Fragestellung sehr leicht vom momentanen Mainstream beeinflussen. Sehr schade.... Was die Antworten des iranischen Botschafters angeht. Natürlich ist das eine oder andere sicherlich 'beschönt'. Allerdings unterliegt vieles von dem was er sagt auch einer gewissen Konsistenz. Stellen wir uns mal vor es wird gegen Iran tatsächlich ein Ölembargo ausgesprochen. Dann liefern die einfach verstärkt woanders hin, wahrscheinlich sogar zu gestiegenen Preisen. Moralische Überlegenheit != Effizienter Sanktionen Wobei man über die Phrase der moralischen Überlegenheit selbstverständlich streiten könnte. Ich bin sicher, man sieht, dass ich das eher exemplarisch meinte.
3. .
Spiegel-ohne-Leine 02.12.2011
Herr Westerwelle, bitte schicken sie Herrn Ali Resa Scheich Attar auch nach Hause. Wir brauchen keine Diplomaten, die Terrorakte des iranischen Staates wie die Mykonosaffäre trotz amtlichen Gerichtsurteils als internen Streit von Kurden kaschieren wollen. Die iranische Diplomatie zeigt so, dass sie immer noch mit den Verbrechern von damals unter einer Decke steckt.
4. -_-
Spiegeluniversum 02.12.2011
Zitat von sysopEine Attacke auf britische Diplomaten in Teheran, Anschlagspläne auf US-Einrichtungen in Deutschland: Der iranische Botschafter in Berlin, Ali Resa Scheich Attar, nennt die Vorwürfe im*Interview "eigenartig" und einen "Witz". Und: Auch Sanktionen würden sein Land nicht vom Kurs abbringen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,801342,00.html
Der Journalist hätte mal vor dem Interview Spiegel Online lesen sollen: *Keine Indizien für iranische Anschlagspläne* Die Bundesanwaltschaft sieht derzeit keine Hinweise darauf, dass Irans Regime Anschläge auf US-Einrichtungen in Deutschland für den Fall eines US-Angriffs plant. Eine entsprechende Meldung hatte zuvor Wirbel ausgelöst. (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,801145,00.html)
5. was für ein gestelltes Interview
Growling Mad Scientist 02.12.2011
Zitat von sysopEine Attacke auf britische Diplomaten in Teheran, Anschlagspläne auf US-Einrichtungen in Deutschland: Der iranische Botschafter in Berlin, Ali Resa Scheich Attar, nennt die Vorwürfe im*Interview "eigenartig" und einen "Witz". Und: Auch Sanktionen würden sein Land nicht vom Kurs abbringen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,801342,00.html
Bei dem ganzen Interview liegt der Unterton in der Luft, dass der Spiegelreporter, dem Botschafter irgendetwas in die Schuhe schieben möchte. Die Antworten des Botschafters klingen plausibel, die Fragen wirken gekünstelt. Also echt... früher habt ihr Eure Propaganda besser hinbekommen, heute kann ich nur noch drüber lachen. Ich würde mir mal wünschen, dass einem amerikanischen Botschafter fragen mit solchem Biss und solchem Nachdruck gestellt werden... aber dafür fehlt Euch ja der Schneid und die politische Linie.
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Zur Person
  • DPA
    Ali Resa Scheich Attar, ist seit Oktober 2008 Botschafter der Islamischen Republik Iran in Deutschland. Zuvor war der 59-Jährige unter anderem Chefredakteur der Tageszeitung "Hamshahri" und Vize-Außenminister.

Fläche: 1.648.195 km²

Bevölkerung: 79,476 Mio.

Hauptstadt: Teheran

Staatsoberhaupt und Religionsführer:
Ajatollah Ali Chamenei

Staats- und Regierungschef:
Hassan Rohani

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Fotostrecke
Sturm auf britische Botschaft: Brennende Flagge, kaputte Scheiben

Republik Iran
Land
REUTERS
Die Islamische Republik Iran ist mit einer Fläche von rund 1,7 Millionen Quadratkilometern fünfmal so groß wie Deutschland. Das Land besitzt nach Russland die zweitgrößten Erdgasreserven der Welt, beim Erdöl steht Iran auf Platz drei und ist derzeit nach Saudi-Arabien der größte Produzent innerhalb der Opec.
Politik
dpa
Seit der Islamischen Revolution von 1979 haben der Revolutionsführer, aktuell Ajatollah Ali Chamenei (Bild), und der Wächterrat die größte Macht im Staat. Der Wächterrat kontrolliert die Kandidaten für Wahlen. Der Regierungschef ist der gewählte Präsident - seit August 2013 Hassan Rohani.
Leute
Corbis
Iran hat rund 75 Millionen Einwohner. Auf dem Uno-Index menschlicher Entwicklung (HDI) für 179 Staaten belegt Iran Platz 76 (Deutschland ist auf Platz 5). Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 73 Jahren (zum Vergleich: Die Lebenserwartung in Deutschland liegt bei 80 Jahren).
Wirtschaft
REUTERS
Die Wirtschaftsleistung pro Kopf betrug 2008 laut einer Schätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) rund 5200 Dollar. Begünstigt vom hohen Ölpreis wuchs die Wirtschaft zuletzt um etwa sechs Prozent. Neben der Arbeitslosenquote, die laut inoffiziellen Schätzungen bei etwa 30 Prozent liegt, ist die Inflation eines der größten wirtschaftlichen Probleme. 2008 soll sie bei fast 30 Prozent gelegen haben, für 2009 rechnet der IWF mit 25 Prozent. Im Jahr 2005 machten Teherans Ausgaben für das Militär laut Uno-Statistiken 5,8 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung aus (Deutschland: 1,4 Prozent).
Menschenrechte
REUTERS
Nach China ist Iran das Land, in dem die meisten Todesurteile vollstreckt werden. Laut Amnesty International wurden 2009 mindestens 388 Menschen hingerichtet, das waren 42 Hinrichtungen mehr als im Vorjahr. Der Uno zufolge saßen 2007 pro 100.000 Einwohner 214 Menschen im Gefängnis (in Deutschland sind es 95). Korruption ist in Iran weit verbreitet. Auf dem weltweiten Index von Transparency International nimmt Iran 2009 bei 180 beobachteten Staaten den 168. Rang ein (Deutschland: 14).
Chronik
Aufstieg von Mohammed Resa
AFP
Im Zweiten Weltkrieg gilt der monarchische Staat Iran als Freund der Achsenmächte. Britische und sowjetische Truppen besetzen daher 1941 das Land. Resa Schah muss abdanken. Die Alliierten inthronisieren seinen Sohn Mohammed Resa . Wegen seiner proamerikanischen Reformpolitik gerät der Schah erstmals 1963 in die Kritik von Ajatollah Ruhollah Chomeini, einem damals hochrangigen religiösen Führer, den die Regierung ein Jahr später in die Türkei abschiebt. Chomeini geht schließlich in den Irak. Dort bleibt er 13 Jahre und entwickelt er das Staatsmodell des islamischen Staates. Mit seiner repressiven Politik und seinem dekadenten Herrschaftsstil bringt der Schah eine wachsende Opposition aus sehr unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Schichten gegen sich auf.
Ajatollah Chomeini und die islamische Revolution
Getty Images
1978 mobilisieren Liberale und Konservative, Säkulare und Religiöse, Linke und Rechte Massenproteste gegen den Schah. Zur Leitfigur des Protests wird Ajatollah Chomeini. Den landesweiten Streiks und Massendemonstrationen in Teheran schließen sich Hunderttausende an. Armee und Polizei gehen teilweise brutal gegen die Demonstranten vor. Dennoch enden die Proteste mit dem Sturz des Schahs am 16. Januar 1979. Nach Chomeinis Rückkehr aus dem Exil in Frankreich, wohin er 1978 gedrängt worden war, spricht sich die Bevölkerung in einem Referendum für die Islamische Republik aus, deren oberster Führer der Großajatollah selbst wird.

Die Außenpolitik Chomeinis wendet sich vor allem gegen die USA und Israel. Am 4. November 1979 besetzen islamische Kräfte die amerikanische Botschaft und nehmen mehr als 50 Geiseln, die erst nach 444 Tagen wieder freikommen. Chomeini billigt die Aktion. Die Beziehungen zu den USA erreichen ihren Tiefpunkt. Unterstützt von den USA überfällt der Nachbarstaat Irak am 22. September 1980 Iran. In dem folgenden acht Jahre langen Krieg zwischen den beiden Ländern sterben etwa eine Million Menschen.
Phase der Islamisierung
REUTERS
Im Laufe des Kriegs treibt die Regierung die Islamisierung des Landes voran. Für Frauen gilt eine strenge Kleiderordnung, in öffentlichen Verkehrsmitteln die Geschlechtertrennung. Chomeini lässt linksgerichtete politische Häftlinge ermorden, vor allem Anhänger der Volksmudschahidin, die noch während der Revolution auf Seiten Chomeinis standen.

1989 stirbt der religiöse Führer. Der Expertenrat, ein Gremium aus höchsten religiösen Sachverständigen, ernennt Ajatollah Ali Chamenei zum Nachfolger. In den Folgejahren hat Iran stark unter zunehmender Korruption zu leiden. Die Liberalisierung der Wirtschaft bleibt weitgehend wirkungslos. Bereits 1995 verhängen die USA erste wirtschaftliche Sanktionen, weil Iran nach US-Auffassung den internationalen Terrorismus unterstützt.
Vom Reformer Chatami zum Hardliner Ahmadinedschad
AFP
Der als liberaler Geistlicher geltende Mohammed Chatami gewinnt 1997 die Präsidentschaftswahl. Seine innenpolitischen Reformbemühungen geraten allerdings ins Stocken, da er versucht, zu viele politische Lager zusammenzubringen, und die nach wie vor einflussreichen konservativen Hardliner erheblichen Widerstand leisten. Im Juni 2005 erobert der frühere Bürgermeister Teherans und konservative Hardliner Mahmud Ahmadinedschad das Amt des Präsidenten. Außenpolitisch sorgt er vor allem durch Vorantreiben eines Atomprogramms und harsche verbale Angriffe gegen Israel für Ärger. Infolge seiner Wiederwahl als Präsident im Sommer 2009 kam es wegen Unregelmäßigkeiten zu wochenlangen Massenprotesten, die teils brutal niedergeschlagen wurden. Zahlreiche Demonstranten wurden getötet, Hunderte Menschen verhaftet.
Entspannung gegenüber dem Westen
Bei der neuerlichen Präsidentenwahl im Sommer 2013 durfte Ahmadinedschad nach zwei Amtszeiten nicht erneut antreten. Es siegte der als gemäßigt geltende Kandidat Hassan Rohani, der seitdem mildere Töne nach außen anstimmt. Der Westen und Iran einigen sich im November auf einen "Gemeinsamen Aktionsplan" im Streit um das iranische Atomprogramm.


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