"Irma"-Einsatz der Bundeswehr A400M blieb bei Hilfsaktion wegen Panne liegen

Der neue Transportflieger der Bundeswehr kommt nicht aus den Negativ-Schlagzeilen. Nach SPIEGEL-Informationen blieb nun ein Airbus A400M bei einer Rettungsaktion in der Karibik liegen.

Airbus A400M
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Airbus A400M

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Beim Rettungseinsatz der Bundeswehr nach dem Wirbelsturm "Irma" sind erneut massive technische Probleme mit dem neuen A400M-Transportflieger aufgetreten. Durch die Panne eines der Luftwaffen-Flieger verzögerte sich Anfang der Woche sogar die hektisch geplante Evakuierung von deutschen und EU-Bürgern aus der vom Wirbelsturm betroffenen Region in der Karibik.

Nach SPIEGEL-Informationen blieb einer der riesigen A400M-Flieger bereits beim Flug in die Karibik auf den Azoren liegen. Dort sollte er eigentlich nur auf dem Weg nach Curaçao auftanken. Stattdessen mussten die Piloten am Montag melden, dass sie wegen einer Panne nicht weiterfliegen können.

Die Probleme waren durch Warnmeldungen aufgefallen, wenig später fanden die Techniker Metallspäne in den Tanks des A400M, diese hätten beim Flug Schäden anrichten können. Mittlerweile ist der Defekt behoben.

Die technischen Probleme brachten den geplanten Rettungseinsatz der Bundeswehr in der "Irma"-Katastrophenregion ziemlich durcheinander, da der Pannen-A400M eigentlich umgehend weiterfliegen und mit der Evakuierung von auf der Karibikinsel Saint-Martin gestrandeten Urlaubern beginnen sollte.

Stattdessen musste spontan aus Deutschland ein zweiter A400M losgeschickt werden, an Bord waren neben einem Technikerteam der Luftwaffe auch weitere Hilfsgüter für die Karibik. Nachdem die Experten auf den Azoren ausgestiegen waren, machte er sich auf den Weg nach Curaçao.

69 Urlauber wurden ausgeflogen

Die Bundesregierung hatte am Sonntag im Krisenstab des Auswärtigen Amts (AA) entschieden, dass die Bundeswehr die internationale Hilfe nach dem verheerenden Wirbelsturm unterstützen sollte. Deswegen wurden auch zwei weitere Luftwaffen-Jets für die Krisengebiete in den USA mobilisiert.

Die Karibikmission war trotz der Verzögerungen erfolgreich. So lud der später losgeschickte A400M am Mittwoch zwölf Tonnen Hilfsgüter auf Saint-Martin ab, danach wurden 69 gestrandete Urlauber aus Deutschland, Holland, Frankreich, und einigen anderen EU-Ländern nach Guadeloupe ausgeflogen.

Die Transportflieger der Luftwaffe halten sich nun weiter in der Region in Bereitschaft, vor allem die Karibikinsel Saint-Martin wird wohl noch weiter Hilfe aus der Luft brauchen. Erste Fernsehbilder zeigen, dass die Trauminsel völlig verwüstet ist, Strom und Wasserversorgung sind stark eingeschränkt.

Nur wenige A400M in Betrieb

Die aktuelle Panne unterstreicht erneut die Anfälligkeit des riesigen Transportfliegers A400M. Vor Jahren als europäisches Projekt gestartet, steht der Name mittlerweile fast nur noch für negative Begriffe wie Verspätung, massive Kostensteigerung und lausige Qualität.

Bei der Bundeswehr sollte der A400M eigentlich die altersschwache Transportflieger-Flotte der "Transalls" ablösen. Da Airbus allerdings die vereinbarten Liefertermine immer wieder versäumte und die ausgelieferten Flieger viele Mängel aufwiesen, sind nur wenige A400M in Betrieb.

In den letzten Monaten hatte der A400M immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Als Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen zum Beispiel im Februar medienwirksam mit einem der Transport-Flieger nach Litauen reiste, blieb dieser nach dem Hinflug dort mit einer Panne liegen.

Korrektur: In einer früheren Version hieß es, die Urlauber seien zur Insel Guadalupe ausgeflogen worden.



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