Syrien BND will offenbar enger mit Assad kooperieren

Der deutsche Auslandsgeheimdienst will dauerhaft einen Mitarbeiter nach Damaskus entsenden. Die Zusammenarbeit mit Baschar al-Assads Regime soll laut einem Zeitungsbericht intensiviert werden.

Syriens Baschar al-Assad im Oktober in Moskau: Der BND will laut einem Zeitungsbericht wieder enger mit ihm zusammenarbeiten
AFP

Syriens Baschar al-Assad im Oktober in Moskau: Der BND will laut einem Zeitungsbericht wieder enger mit ihm zusammenarbeiten


Der Bundesnachrichtendienst (BND) will schnellstmöglich eine sogenannte Residentur in Damaskus eröffnen, also dauerhaft einen Mitarbeiter dort stationieren. Dies berichtet die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf anonyme Quellen. Derzeit laufen demnach bereits die Vorbereitungen: Der Geheimdienstler könnte in die derzeit geschlossene deutsche Botschaft in Damaskus ziehen. Endgültig wolle die Bundesregierung darüber Anfang 2016 entscheiden. Offiziell hat sie sich dazu bisher nicht geäußert.

Der deutsche Auslandsgeheimdienst und die syrischen Dienste können auf eine lange, enge Kooperation zurückblicken. Damaskus gilt als wichtiger Partner bei der Bekämpfung von radikalen Islamisten. Allerdings war die Zusammenarbeit schon immer politisch heikel, denn den Syrern werden systematische Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Besonders problematisch wurde sie mit dem Ausbruch der Gewalt in Syrien 2011: Seitdem wurden mehrere tausend Zivilisten und politische Gefangene von den Geheimdienstlern ermordet.

Aus Protest gegen die brutale staatliche Repression hatte 2012 der damalige Außenminister Guido Westerwelle (FDP) den syrischen Botschafter aus Deutschland ausgewiesen. Die deutsche Botschaft in Damaskus wurde aus Sicherheitsgründen geschlossen.

Zumindest auf Geheimdienstebene seien jedoch schon seit einiger Zeit die Kontakte wieder intensiviert worden, berichtet die "Bild"-Zeitung: Deutsche Geheimdienstler würden regelmäßig nach Damaskus fahren, um sich mit ihren syrischen Kollegen auszutauschen.

Es gehe auch darum, einen Gesprächskanal zum syrischen Regime aufzubauen etwa für den Fall, dass ein deutscher Bundeswehrpilot über Syrien abstürze oder abgeschossen werde. Die Bundesregierung beteiligt sich seit Dezember an dem US-geführten Militäreinsatz in Syrien gegen den "Islamischen Staat" (IS).

ras

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Feldjaeger 18.12.2015
1. Es ist nun mal so,
das man an Assad nicht vorbeikommt, nur er und die Russen sind gewillt am Boden gegen den IS vorzugehen. Und machen wir uns nichts vor, Gadafi, Mubarak, Ben Ali und Hussein hatten es im Griff diese ganze Bande im Zaum zu halten. Es ist einfach unmöglich unsere Werte mit dem Islam der "dort" gelebt wird zu vereinbaren. Man redet ja auch mit Putin und Erdogan, wenn es der eigenen Sache nützt. Selbst mit Ägypten sitzen wir in einem Boot.
Freidenker10 18.12.2015
2.
Der BND bzw. Deutschland ist sich mittlerweile für nichts mehr zu schade! Bei diesem "Konakt" gehts doch wohl eher um die knüpfung von Wirtschaftsbeziehungen nach dem Krieg! Ein paar nette Aufträge für den Wiederaufbau lohnen sich bestimmt! Wie wärs noch mit einem Geburtstagsständchen im Bundestag für den König von Saudi Arabien?
HansGnodtke 18.12.2015
3. Hoffentlich stimmts wenigstens zum Teil
Der BND wäre ein Dilettantenclub, wenn er solche Nachrichtenkommentieren würde. Hoffentlich ist mehr dran, als man nach dem Anti-Assad Gezetere, auch beim SPON zu hoffen wagt. Klar ist: Wer unsere Jungen Soldaten zur Bekämpfung des IS in das Kriegsgebiet entsendet, hat natürlich die Pflicht, mit allen, die das gleiche Ziel verfolgen und dort operativ tätig sind engsten Kontakt zu halten. Dass die Assad Armee genauso brutal zurückschlägt, wie ihre Gegner angreifen, kann dabei keine Rolle spielen, denn Assads Leute, das sind die Alawiten, Christen, Drusen und andere Minderheiten, die von den sunnitischen Extremisten physisch vernichtet werden und die schlagen natürlich brutal zurück, was denn sonst? Diese Spirale von Mord und Bestialität hat aber nicht Assad in Gang gesetzt, sondern die sogenannten moderaten Rebellen, die überall auf der Welt sich als Menschenrechtler gerieren, tatsächlich aber mit den IS und Qaida Halsabschneidern sympathisieren und noch etwas mehr. Hoffentlich behält die Vernunft in Berlin die Oberhand und neutralisiert die masslos einseitige Fassbomben/ Giftgas Primitivpropaganda.
schmuella 18.12.2015
4. Widersprüchlich
Vor einigen Tagen konnte man noch lesen, dass Frau Merkel die Absetzung von Assad forderte. Nun will der BND mit ihm dauerhaft zusammenarbeiten. Man muss davon ausgehen, dass die Regierung von diesen Plänen weiß. Daher stellt sich nun die Frage: Entweder ist die deutsche Politik widersprüchlich oder die öffentlichen Bekundungen sind nur Theater.
maxmaxweber 18.12.2015
5. Assad bedroht die deutsche Sicherheit nicht
Natürlich sollte der BND eng mit Assad zusammenarbeiten. Von der syrischen Armee geht keinerlei Gefahr für Deutschland aus. Von syrischen Islamisten droht uns dagegen eine sehr reale Gefahr. Da die wichtigsten Gegner von Assad die religiösen Fanatiker sind, haben wir hier gemeinsame Interessen. Und die Aufgabe des BND ist es nicht im Kampf zwischen Suniten und Schiiten eine der beiden Seiten zu unterstützten, sondern die Einreise und das aktiv werden von fanatischen Islamisten in unserem Land zu verhindern. Sollte Assads Geheimdienst auch die Namen von nicht religiös fanatischen Regierungsgegnern an den BND weitergeben, so lässt sich dies sicher überprüfen. Aber es wäre fahrlässig, wenn wir das Wissen zur Unterscheidung von Kriegsflüchtlingen und verdeckten Kriegern nicht nutzen würden.
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