Kampf gegen IS Roth wirft Türkei "dreckige Politik" vor

Claudia Roth hat Ankara für sein Verhalten gegenüber dem "Islamischen Staat" scharf kritisiert. Die Milizen erhielten Waffen über die Türkei, Kämpfer würden dort ausgebildet. Die Grüne sieht darin gezielte Politik gegen die Kurden.


Hamburg - Die Grünen-Abgeordnete Claudia Roth hat sich mit deutlichen Worten gegen die Strategie der Türkei gegenüber dem "Islamischen Staat" (IS) gewandt. "Ich habe überhaupt kein Verständnis für die Politik der Türkei", sagte Roth am Mittwoch im ARD-"Morgenmagazin". Ankara betreibe eine "uneindeutige Politik" gegenüber den Dschihadisten, die sogar Waffen aus der Türkei erhielten. Ganz offensichtlich wolle der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan "die Kurden schwächen in ihrer Selbstständigkeit", indem er die Dschihadisten gewähren lasse, kritisierte die Bundestagsvizepräsidentin.

IS-Kämpfer würden in türkischen Krankenhäusern behandelt, über türkisches Gebiet würden Waffen an die Dschihadistenmilizen geliefert, und es gebe "mehr und mehr" IS-Trainingscamps in der Türkei, sagte Roth. Dies könne die Nato bei einem Mitgliedstaat nicht zulassen. "Da muss die Nato einmal auf den Tisch hauen", sagte Roth. "Es kann nicht sein, dass der Nato-Partner Türkei eine solche dreckige Politik macht." Ankara gehe es in Syrien offenbar vor allem um den Kampf gegen den syrischen Staatschef Baschar al-Assad, nicht um den Kampf gegen die Dschihadisten.

Das Parlament in Ankara billigte zwar den Einsatz der Armee in Syrien, Ministerpräsident Ahmet Davutoglu ließ bisher aber nur Truppen an der Grenze zusammenziehen und unternahm keine Schritte zu einer Intervention. Am Dienstag gingen in der ganzen Türkei tausende Kurden auf die Straßen, um gegen die Tatenlosigkeit Ankaras in Kobane zu protestieren. Bei Zusammenstößen mit der Polizei und Islamisten wurden dabei mindestens 14 Menschen getötet.

1,5 Millionen Flüchtlinge in der Türkei

Roth forderte im ARD-"Morgenmagazin" eine deutliche Verstärkung der humanitären Hilfe für Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak in der Türkei. Es sei nicht akzeptabel, dass die Welt der Tragödie in Syrien tatenlos zuschaue. Etwa 200.000 Menschen flohen bislang allein aus der Region um Kobane über die Grenze in die Türkei. Insgesamt nahm das Land etwa 1,5 Millionen Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien auf, was dort vermehrt zu Spannungen führt.

Monatelang lehnte Ankara es ab, den IS als Terrororganisation zu bezeichnen, weil 46 türkische Staatsbürger, darunter Diplomaten, dessen Geiseln waren.

Staatspräsident Erdogan erklärte selbst, er sehe keinen Unterschied zwischen PKK und IS. Dutzende Panzer, die die Türkei an der Grenze auffahren ließ, stehen seither dort und greifen nicht ein. Am Dienstag erklärte Erdogan jedoch, die Türkei sei zu einer Bodenoffensive gegen IS bereit.

ler/AFP/dpa

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insgesamt 65 Beiträge
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iltoscano 08.10.2014
1.
Das inzwischen sogar C.Roth Erdogan durchschaut,sollte allen Politikern zu denken geben.Die Türkeipolitik sollte endlich geändert werden.Erdogan sollte deutlich in die Schranken gewiesen werden.
Waudel 08.10.2014
2. Lernfähig
Vor einigen Jahren kämpfte Frau Roth für die Aufnahme der Türkei in die EU. Sie hielt die Türkei für so vorbildlich demokratisch, dass sie sogar dorthin auswandern wollte. Die NATO, so forderten die Grünen einst, sollte aufgelöst werden. Frau Roth ist offensichtlich lernfähig. Aber, man stelle sich vor, Deutschland wäre immer den Forderungen der Grünen , bzw. von Frau Roth gefolgt.
georg67 08.10.2014
3. Die Roth soll sich mal entscheiden,was sie will.
Im August wehrte sie sich noch gegen Waffenlieferungen oder gar Kampfeinsätze und propagierte den Vorrang humanitärer Hilfen (vgl. http://www.spiegel.de/politik/ausland/nordirak-kurden-flehen-deutschland-um-hilfe-an-a-986019.html), die von der Türkei millionenfach durch die Aufnahme von Flüchtlingen geleistet wird. Jetzt fordert sie von der Türkei die militärische Intervention, die dann anschließend von Herrn Özdemir & Co. sicher sofort als kurdenfeindlich gegeißelt wird. Die heutigen Äusserungen Roths entspringen wohl mehr ihrem Erdogantrauma als einem durch Argumente gestützten Sinneswandel gegenüber ihrer eigenen Haltung im August des Jahres.
mka1983 08.10.2014
4. Der personifizierten Empörung
wird wohl langsam klar, wessen Geistes Kind die Türkei ist. Dieses Land gehört nicht zu Europa und nicht in die NATO. Es gibt keinerlei Überschneidungen bei den Interessen. Nach wie vor rätselhaft ist mir, wieso es die Aufgabe des christlichen Europas sein soll, für die USA die Hinterlassenschaften weg zu räumen und für diese Region die politischen und religiösen Angelegenheiten zu klären. Die Flüchtlinge sind undankbar, nicht integrationswillig und gehen gegen ihre ebenfalls aus der Region stammenden politischen Gegner in Dtl. auf die Straße. Im Endeffekt darf dann die heimische Bevölkerung also nicht nur dauerhaft zugewanderte Leute subventionieren, sondern auch noch die Schäden auf der Straße begleichen. Leute wie die Claudia Roth, welche versehentlich zur Bundestagsvizepräsidentin ernannt wurden, laden den gesellschaftlichen Unfrieden ein und kassieren ihre fette Pension. Schönen Dank für die Blumen.
Dublin Lad 08.10.2014
5. endlich
Ein Politiker spricht aus, was die 'normalen' Bürger schon lange denken. Hätte nicht für möglich gehalten, dass ich Frau Roth mal zu Ihren Aussagen gratulieren würde. Chapeau.
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