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Islam-Debatte: Warum der Minister recht hat

Ein Debattenbeitrag von Matthias Matussek

Nicht schon wieder. Wieder einmal sind Grüne und islamistische Lobbyverbände einig darin, beleidigt zu sein, weil eine Wahrheit schlicht und klar ausgesprochen wurde: Der Islam gehört, historisch, nicht zu Deutschland.

Natürlich hat Innenminister Hans-Peter Friedrich recht, wenn er sagt, dass der Islam nicht zu Deutschland gehört. Es deckt sich mit dem, was der türkische Premier Recep Tayyip Erdogan seinen in Deutschland lebenden türkischen Landsleuten vor wenigen Tagen mahnend zugerufen hat, als er sie erneut vor der Assimilation warnte. Erdogan appelliert an die, die nicht dazugehören, nicht dazugehören wollen, und von denen gibt es einige.

Die Reaktionen auf den Innenminister dagegen verlassen sich auf das vertraute Gemisch aus lautstarker Empörung und politischer Erpressung, statt zur Sache zu reden. Und das ist der wahre Skandal. Was hatte der Innenminister noch mal genau gesagt? "Dass der Islam zu Deutschland gehört, ist eine Tatsache, die sich aus der Geschichte nicht belegen lässt."

Er sprach zur Geschichte. Nun warten wir also auf Widerlegungen, und bekommen stattdessen Belehrungen zum interkulturellen Knigge. Renate Künast: Der Minister "zerschlägt Porzellan!" Gut, die Erde ist rund, aber pscht!, es gibt Leute die das als Affront auffassen könnten. Von ihrem Kollegen Cem Özdemir ist nur zu hören, der Minister habe "ein krudes Gesellschaftsverständnis". Aha. Dürfen wir vorerst sagen, Özdemir hat ein krudes Debattenverständnis?

Die Vorsitzende des liberal-islamischen Bundes wird schon orientalisch-bunter. Sie verteidigt die Ehre. Sie nennt die Ministeraussage eine "Ohrfeige ins Gesicht der Muslime" und hält sie für "politisch wie historisch falsch". Und wie wäre es, historisch, richtig? Fehlanzeige.

Der Chef der türkischen Gemeinde tut das, was er am besten kann. Er droht. "Wenn der Innenminister Streit sucht, wird er ihn bekommen." Devise: Wenn du noch einmal behauptest, ich sei intolerant, dann kriegst du aufs Maul.

Kein Einziger hat auf den Minister in der Sache geantwortet. Das interessierte Publikum wartet immer noch auf Belege für das, was an der Minister-Aussage falsch sein soll. Wartet auf jede Menge Beweise für die historische gewachsene islamisch-christlich-deutsche Identität.

Sollten wir den 12.September 1683 als Beginn einer wundervollen Freundschaft annehmen, als die Türken vor Wien auftauchten und die christlichen Staaten des Abendlandes gemeinsam zitterten? Oder ist es die Mokka-Mode im Rokoko, die uns beglückte, oder Mozarts beschwingtes Märchen von der "Entführung aus dem Serail", dieser Exotenschauer aus Harem, Kerkermeister, Augenrollen, gewagten Miedern, gütigem Bassa Selim?

Oder fallen uns nicht doch eher die missgelaunten türkischen Subkulturen mit den verschleierten Frauen in den Großstädten ein, die Brandreden der Scharia-Anhänger in Mönchengladbach, die türkischsprachigen Viertel in Duisburg Marxlohe und die vielen, vielen islamischen Kulturvereine, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden?

Sagen wir es so: Ich habe einige muslimische Freunde. Trotzdem gehört der Islam nicht zu Deutschland, geschichtlich, er gehört nicht in unsere historisch-religiöse DNA, denn die ist, allen Unkenrufen zum Trotz, immer noch christlich.

Wulffs Rede war der Auslöser

Ausgelöst wurde die Debatte ja durch Wulffs präsidiale Versöhnungsorder in der Rede zum Tag der Deutschen Einheit, als er dekretierte: "Der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland", und damit eigentlich nur das letzte Wort in der Sarrazin-Debatte haben wollte. Er öffnete das Fass religiöser Identitäten.

Er machte einen Dreisatz daraus. Schon der Anlauf war holprig. Er sagte zunächst: "Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland". Nun ja, möchte man in Zeiten beschleunigter Kirchenaustritte murmeln, wenn er denn meint, dann soll es wohl so sein, schön dass er uns erinnert.

Er fuhr fort: "Das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland". Hm, das ist schon geschludert, da wird es schon auf geschichtsvergessene Art problematisch. Der Präsident in der Steilwand fasst zusammen: "Das ist unsere christlich-jüdische Geschichte". Haken, Sichern, Vorbereiten für den rhetorischen Gipfelsturm. Und dann kommt er: "Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland."

Da sagten zwei Drittel der Deutschen, nö, eigentlich nicht, und überhaupt, welcher Islam? Der der Hafis-Gedichte, die Goethe so mochte, oder der der Frauenentrechtung, der Denkverbote und der Bomben?

Als Wulff in spiegelverkehrter Logik kurz darauf in Ankara verkündete, das Christentum gehöre selbstverständlich in die Türkei, sprach er vor halbleeren Bänken, denn die Rede war vorab verteilt worden. Die meisten schüttelten den Kopf. Auf welchem Planeten lebt unser Festredner?

Wie ein Lauf auf Eierschalen

Es ist lustig, über den Islam zu diskutieren, denn man wird gebeten, so vorsichtig aufzutreten, als laufe man über Eierschalen - die Gegenseite könnte sich provoziert fühlen und sich genauso benehmen, wie man es beschrieben hat.

Gerade eine Woche ist es her, als an gleicher Stelle Patrick Bahners Buch "Die Panikmacher" besprochen wurde. Bahners beschuldigte nicht die islamistischen Sprengstoffkommandos und Scharia-Propagandisten der Panikmache, sondern diejenigen, die vor ihnen warnen. Etwa Hirsi Ali, die von islamischen Tugendwächtern Verstümmelte, oder Ralph Giordano, den Holocaust-Überlebenden.

Thomas Steinfeld ("SZ") war von Bahners Mut schwer ergriffen."Er prüft er denkt ... Aber welche Freude dass es ihn gibt". Nur ein paar Tage später schießt ein islamistischer Attentäter zwei amerikanische Soldaten vor dem Frankfurter Flughafen nieder. Und der türkische Premier warnt vor allzugroßer Assimilation. Panikmache?

In all unserer Freude über die arabische Revolution der Jungen, die die westlichen Werte wie Demokratie und Aufklärung und Meinungsfreiheit mit ihrem Blut erkämpfen, und die Diktatoren verjagen, darf sich - gegen Bahners und Steinfeld und Wulff - durchaus auch das Bangen darüber mischen, dass der Islamismus gefährlich ist, und dass er die Knospe der Freiheit köpfen könnte.

In Tunis sind bereits die Rotlichtviertel vom islamistischen Mob abgefackelt worden. In Ägypten hält die Mehrheit Steinigung bei Ehebruch, Handabhacken bei Diebstahl und die Todesstrafe beim Abfall vom Islam für wünschenswert, und das war VOR dem Umsturz. In Jordanien, im Jemen, in Marokko, in Bahrain, im Gaza-Streifen gibt es starke und vor allem gut organisierte islamistische Gruppierungen, die Mehrheiten bilden oder zur Mehrheit drängen.

Seit 1979 Ajatollah Chomeini das korrupte Schah-Regime ablöste und die Hoffnung auf Freiheit und Menschenrechte in einen finsteren Gottesstaat erstickte, sind wir gewarnt.

Und nein: Der Islam gehört nicht zu Deutschland.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 1245 Beiträge
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1. Einwanderungswut
LeisureSuitLenny 06.03.2011
Was bringt die übertriebene Einwanderungswut eigentlich den Grünen? Sind es neue Wähler, oder alte? Neu zu definieren was zu uns gehört - das kenne ich nur von Politikern ganz anderer Coleur.
2.
AxelSchudak 06.03.2011
Zitat von sysopNicht schon wieder. Wieder einmal sind Grüne und islamistische Lobbyverbände einig darin, beleidigt zu sein, weil eine Wahrheit schlicht und klar ausgesprochen wurde: Der Islam gehört, historisch, nicht zu Deutschland. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,749307,00.html
Da hat er, historisch gesehen, Recht. Der Islam trat, wenn überhaupt, als Gegner auf, und auch das ist ein paar Jahrhunderte her. Aber seit ca. 50 Jahren haben wir nunmal einen Zustrom islamischer Einwanderer, der dazu führt das HEUTE der Islam zu Deutschland gehört, genauso wie die etwa 5 Millionen islamischer Einwohner. Ausgehend vom Ist-Zustand sollte Politik gestaltet werden. Anders ausgedrückt: Hat Merkel da einen Historiker oder einen Politiker als Innenminister angestellt? PS: Nichts gegen Historiker!
3. Zitat: Der Islam gehört nicht nach Deutschland.
ixelloise 06.03.2011
Zitat von sysopNicht schon wieder. Wieder einmal sind Grüne und islamistische Lobbyverbände einig darin, beleidigt zu sein, weil eine Wahrheit schlicht und klar ausgesprochen wurde: Der Islam gehört, historisch, nicht zu Deutschland. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,749307,00.html
Nanu, was muss ich da lesen, ist das nun das Hängen des Fähnchens in den Wind, war da bislang nicht das Draufdreschen auf genau diese Meinung?? Wohl zu viele Leser verloren??
4. künftig
a. kurtulus 06.03.2011
Zitat von sysopNicht schon wieder. Wieder einmal sind Grüne und islamistische Lobbyverbände einig darin, beleidigt zu sein, weil eine Wahrheit schlicht und klar ausgesprochen wurde: Der Islam gehört, historisch, nicht zu Deutschland. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,749307,00.html
Historisch vielleicht nicht, aber künftig.
5. Es wurde uns abgewöhnt...
bundespiepmatz 06.03.2011
Und das ist auch gut so: Das kollektive Beleidigtsein aus angeblich fanatischem und religiösem Grund. Es gehört hier nicht her.
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Das neue Integrationsprogramm
Fast 200 Seiten stark ist das Integrationsprogramm des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Darin haben Experten die bestehenden Integrationsmaßnahmen zusammengefasst und Empfehlungen für die Weiterentwicklung gegeben. Ein Überblick:
Deutschkenntnisse
Der Bericht betont die Rolle von Deutschkenntnissen für die Integration. Die Angebote zur sprachlichen Bildung in Kindertageseinrichtungen und Schulen müssten eng aufeinander abgestimmt sein - auch zwischen den verschiedenen Bundesländern. Empfohlen werden gemeinsame Angebote zum Deutschlernen für Eltern und ihre Kinder.
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Lehrer mit Migrationshintergrund
Die Experten plädieren dafür, mehr Lehrer mit ausländischen Wurzeln zu gewinnen. Sie seien an deutschen Schulen immer noch die Ausnahme. Sie könnten Kenntnisse in Herkunftssprachen und Einblicke in andere Traditionen und Kulturen in den Unterricht einbringen. Damit die Aufnahme eines Studiums - auch auf Lehramt - nicht am Geld scheitert, werden Stipendienprogramme angesprochen.
Verbände
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Die Regelungen für die Zuwanderung von Fachkräften nach Deutschland sind zuletzt am 1. Januar 2009 reformiert worden. Vor allem für Akademiker wurde der Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtert. 2011 will die EU die Hürden mit der Einführung der "Blue Card" weiter senken. Für Nicht- und Geringqualifizierte gilt weiterhin ein Anwerbestopp.
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Keine Probleme haben Forscher und leitende Angestellte, die so viel verdienen, dass sie die Beitragsbemessungsgrenze der allgemeinen Rentenversicherung erreichen. Sie liegt in diesem Jahr bei 66.000 Euro. Diese Hochqualifizierten erhalten sofort eine sogenannte Niederlassungserlaubnis, die ihnen die gleichen Rechte zugesteht wie deutschen Arbeitnehmern. Auch ihre Familienangehörigen dürfen arbeiten.
Vorrangsprinzip
Fachkräfte mit weniger lukrativen Stellen müssen sich weiterhin dem "Vorrangsprinzip" unterwerfen. Sie bekommen den Job nur, wenn die Bundesarbeitsagentur feststellt, dass es keinen deutschen Bewerber dafür gibt. Ihr Aufenthalt wird befristet. Erst nach drei bis fünf Jahren können sie mit einer Niederlassungserlaubnis rechnen.
Selbständige
Selbständige können ohne Probleme zuwandern, wenn sie mindestens 250.000 Euro investieren und fünf Arbeitsplätze schaffen. Wer dies nicht leisten kann, muss darauf setzen, dass seinem Projekt ein "übergeordnetes wirtschaftliches Interesse" attestiert wird.
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Mit der europäischen "Blue Card" werden ab 2011 die Anforderungen nochmals gesenkt. Fachkräfte aus Drittstaaten müssen einen mindestens ein Jahr geltenden Arbeitsvertrag vorlegen. Darin sollte ein Bruttogehalt vorsehen sein, das 1,5 mal höher liegt als das Durchschnittseinkommen des Mitgliedstaates. In Deutschland wären das nach aktuellem Stand 42.000 Euro.
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