Islam in Deutschland Kauder will Moscheen vom Staat überwachen lassen

Unionsfraktionschef Kauder fordert eine staatliche Überwachung von Moscheen. In einigen der islamischen Gotteshäuser gebe es Predigten, "die mit dem deutschen Staatsverständnis nicht in Einklang" stünden.

Sehitlik-Moschee in Berlin
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Sehitlik-Moschee in Berlin


Volker Kauder, Chef der Unions-Bundestagsfraktion, drängt auf eine staatliche Kontrolle von Moscheen in Deutschland.

Deutschland sei ein säkulares Land, in dem die Religion nicht über dem Staat stehe, sondern der Staat über der Religion. "Daran haben sich alle zu halten, und dies müssen die Vertreter und die Angehörigen aller Religionen akzeptieren", sagte der CDU-Politiker der "Berliner Zeitung".

In einigen Moscheen würden Predigten gehalten, die mit dem deutschen Staatsverständnis nicht in Einklang stünden . "Der Staat ist hier gefordert. Er muss das kontrollieren."

Forderungen unter anderem aus der CSU, Imame müssten ihre Predigten auf Deutsch halten, bezeichnete Kauder aber als "Scheindebatten". "Für Italiener wird die Heilige Messe auch auf Italienisch angeboten. In den Synagogen wird auf Hebräisch gebetet." Dies sei "alles zu akzeptieren".

Kürzlich hatte der CSU-Abgeordnete Alexander Radwan eine "Moschee-Steuer" für Muslime ins Gespräch gebracht, um die Unterstützung deutscher Moscheen durch ausländische Geldgeber zu unterbinden. Es dürfe "nicht sein, dass aus dem Ausland finanzierte Imame in Deutschland gegen unsere Grundwerte predigen", sagte Radwan. Leider geschehe dies aber in manchen Moscheen.

AfD-Chefin Petry gegen Minarette in Deutschland

Vor dem Parteitag der AfD am Wochenende wandte sich Parteichefin Frauke Petry auch gegen Minarette in Deutschland. "Wer privat Muslim sein will, braucht dafür kein Minarett", sagte sie der "Rheinischen Post". In Minaretten komme ein grundgesetzwidriger Herrschaftsanspruch des Islams zum Ausdruck.

Petry machte die Verbände der Muslime für Integrationsprobleme verantwortlich. Mit Blick auf den Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime sagte sie : "Herr (Aiman) Mazyek täte gut daran, mal in den eigenen Reihen nach den Ursachen von Antisemitismus zu forschen und die Frage nach dem Existenzrecht Israels zu klären."

Viele Muslime stünden dem Existenzrecht Israels negativ gegenüber. "Auch das erschwert den Diskurs der Religionen in Deutschland. Gerade die Verbände der Muslime stehen der Integration im Weg." Sie reagierte damit auf Mazyeks Vorwurf, dass die AfD eine ganze Religionsgemeinschaft in Deutschland - den Islam - bedrohe.

Der Zentralrat der Muslime seinerseits lud Petry zur nächsten Vorstandssitzung ein. "Wir wollen wissen: Warum hassen Sie uns Muslime?", sagte Mazyek der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Petry nahm die Einladung am Freitag an. "Miteinander reden ist wichtiger als übereinander reden", sagte sie dem Deutschlandfunk.

als/dpa/AFP



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