Unions-Zank über Islam "Und jetzt, Herr Seehofer? Bauen wir alle Moscheen ab?"

Der von Horst Seehofer angezettelte Islamstreit hat der Union den GroKo-Start verhagelt. Nun fordern CDU-Politiker nach der Kritik auch Ideen vom neuen Heimat- und Innenminister.

Horst Seehofer (CSU)
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Horst Seehofer (CSU)


Die Unionsparteien CDU und CSU diskutieren weiter über die Rolle des Islam in Deutschland und darüber, wie Religion und Integration einvernehmlich zusammen zu bringen sind.

CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen hat Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) aufgefordert, ein neues Integrationskonzept vorzulegen. Weil es in Deutschland "eine neue Qualität von Zuwanderung" gebe, werde auch "eine neue Qualität von Integrationsarbeit" gebraucht.

"Einfach so weitermachen wie bislang, das wird nicht ausreichen", sagte Röttgen, der im Bundestag dem Auswärtigen Ausschuss vorsteht, der Tagezeitung "Welt". Seehofer könne sich führend darum bemühen, "wie ein konkretes, anspruchsvolles, pragmatisches Konzept der Integration etwa für muslimische Kinder aussehen kann", sagte Röttgen. Integration sei eine Grundfrage des gesellschaftlichen Friedens geworden.

Dazu gehöre auch, sich in den Schulen stärker um Religionsvermittlung und Toleranz zu kümmern, sagte Röttgen mit Blick auf antisemitische Übergriffe an Schulen. Man müsse mit Schülern "über unsere Vorstellung von Religion sprechen, Toleranz zwischen den Religionen einüben und Unterstützung von ihren Eltern einfordern". Dafür seien aber "mehr Pädagogen, Sozialarbeiter, Jugendhelfer" nötig, forderte der CDU-Politiker.

Günther: "Bauen wir jetzt alle Moscheen ab?"

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) nutzt eine allgemeine Kritik am Start der Regierungsarbeit des neuen Kabinetts von Angela Merkel ("abstrakt, ohne zielführende Debatten") ebenfalls für Kritik an Seehofer.

Der neue Innenminister habe sich zu Wort gemeldet, ohne dann konkrete Verbesserungen vorzuschlagen. Nach Seehofers Aussage, der Islam gehöre nicht zu Deutschland, frage sich doch jeder: "Und jetzt, Herr Seehofer? Bauen wir jetzt alle Moscheen ab?"

Der Großen Koalition in Berlin bescheinigte Günther einen mäßigen Start: "Das war noch nicht so, wie ich es mir gewünscht habe". Nach einem halben Jahr im Leerlauf hätten die Partner aber "zumindest schon mal einen Gang gefunden und eingekuppelt".

Unterstützung erhielt Seehofer aus Reihen der CSU vom ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein. Der sagte in einem Interview mit T-Online, Seehofers Aussage könne er sich nur "psychologisch" erklären, denn "in der CSU spricht normalerweise niemand über den Islam".

Seehofers Attacke auf die Linie von Kanzlerin Angela Merkel liege womöglich an der aufgeschlossenen Atmosphäre im Bundesinnenministerium. Dort "finden alle, dass der Islam zu Deutschland gehört. Wenn das Seehofer genervt hat, könnte ich das verstehen", so Beckstein.

cht/dpa/AFP

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