Festnahme von "Abu Walaa" Polizei stellt den "Prediger ohne Gesicht"

"Abu Walaa" gibt Ehetipps auf Facebook, hetzt gegen verfeindete Prediger und soll in Deutschland Kämpfer für den IS angeworben haben. Nun hat ihn die Polizei festgenommen. Ein Schlag gegen die Salafistenszene.

islamistische Propagandawebsite

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24 Stunden vor seiner Festnahme gab "Abu Walaa" noch Ehetipps: "Die meisten Eheprobleme könnten gelöst werden, wenn die Ehepartner sich nicht über unnötige Themen streiten würden", schrieb der Islamist am Montagmorgen auf seiner Facebook-Seite. "Oft ist es eine Kleinigkeit, die in einem großen Streit eskaliert."

Am Dienstagmorgen nahmen Polizeibeamte "Abu Walaa" und vier mutmaßliche Komplizen fest. Das liegt daran, dass er nicht nur seinen 25.000 Facebook-Fans derlei wertvolle Lebenstipps mit auf den Weg gab, sondern als Prediger in Hildesheim offenbar auch Kämpfer für die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) anwarb.

"Ahmad Abdulaziz Abdullah A., der sich auch 'Abu Walaa' nennt, bekennt sich offen zum sogenannten 'Islamischen Staat (IS)' und ist in der Vergangenheit bei zahlreichen salafistischen Veranstaltungen als Redner aufgetreten", teilte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mit. "Ziel des von ihm angeführten Netzwerks war es, Personen an den IS nach Syrien zu vermitteln."

Verfassungsschutz beobachtet Abu Walaa seit Jahren

Ahmad Abdulaziz Abdullah A., alias "Abu Walaa", predigt seit Jahren in der Moschee des "Deutschsprachigen Islamkreises Hildesheim" (DIK). Ende Juli führte die niedersächsische Polizei eine Razzia gegen die Moscheegemeinde durch. Damals durchsuchten rund 400 Beamte die Moschee sowie acht Privatwohnungen. Dabei wurde Beweismaterial sichergestellt. Festnahmen gab es nicht. Die Durchsuchung musste damals übereilt angegangen werden, nachdem Medien über die geplante Aktion berichtet hatten.

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius leitete anschließend ein Verbotsverfahren gegen den DIK ein. Das Verfahren läuft, "die im Sommer sichergestellten Beweise werden nach wie vor ausgewertet", teilt das Ministerium in Hannover mit. "Abu Walaa" konnte deshalb weiter predigen.

Die Moschee in der Hildesheimer Nordstadt wurde 2012 gegründet. Sie gilt als ein wichtiges Zentrum der salafistischen Szene in Deutschland und wird seit drei Jahren vom Verfassungsschutz beobachtet. Rund 20 Männer aus Niedersachsen, die sich dem IS im Irak und in Syrien anschlossen, sollen sich im DIK radikalisiert haben. (Lesen Sie hier eine Reportage über die Islamistenszene in Hildesheim)

Seit Herbst 2015 ermittelt die Bundesanwaltschaft gegen "Abu Walaa" und sein Umfeld. Die Karlsruher Behörde wirft dem Prediger und vier weiteren Festgenommenen vor, ein Netzwerk aufgebaut zu haben, um kampfwillige Islamisten zum IS zu schleusen. "Dem Beschuldigten Ahmad Abdulaziz Abdullah A. war es vorbehalten, Ausreisen zu billigen und zu organisieren", teilt die Anklagebehörde mit. Für die konkrete Umsetzung seien Komplizen verantwortlich gewesen.

Religiöser Kleinkrieg mit Pierre Vogel

Bundesweite Bekanntheit in der salafistischen Szene errang "Abu Walaa" über das Internet. Verschiedene islamistische Seiten auf Facebook gaben dem 32-jährigen Iraker ein Podium. Er inszeniert sich als "Prediger ohne Gesicht", auf seinen Videos ist er meist nur von hinten zu sehen, oft trägt er einen schwarzen Umhang mit Kapuze. Ähnlich wird der Prophet Mohammed oft in der islamischen Ikonografie dargestellt.

In seinen Videobotschaften an seine Anhänger lieferte sich "Abu Walaa" in den vergangenen Monaten einen regelrechten religiösen Kleinkrieg mit anderen salafistischen Predigern wie Abdul Adhim Kamouss und Pierre Vogel. Beide propagieren zwar ein fundamentalistisches Weltbild, lehnen den IS aber entschieden ab und warnen ihre Anhänger davor, sich der Terrormiliz anzuschließen.

Seine Genugtuung über die Verhaftung seines Rivalen aus Hildesheim konnte Vogel deshalb nicht verhehlen. Auf seiner Facebookseite schrieb er am Dienstagmittag: "Möge Allah uns vor dem Übel des 'Abu Walaa' und seinen Lügen bewahren."

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