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26. September 2014, 17:05 Uhr

"Islamischer Staat"

Auswärtiges Amt warnt vor Terrorrisiko in vielen Ländern

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" droht dem Westen mit Anschlägen. Das Auswärtige Amt warnt nun deutsche Bürger im Ausland vor erhöhten Risiken - in mehreren afrikanischen, arabischen und asiatischen Ländern.

Berlin - Die Liste umfasst jetzt insgesamt 24 Länder: Nach den Drohungen des "Islamischen Staates" gegen westliche Länder hat das Auswärtige Amtseine Reisewarnungen erweitert. In vielen Ländern sieht es erhöhte Anschlags- und Entführungsrisiken für Deutsche. Es handelt sich um afrikanische, arabische und asiatische Länder, für die das Amt am Freitag in Berlin einen "dringenden regionalen Sicherheitshinweis" herausgab. Das sind jene Staaten, in denen islamistische Terrorgruppen aktiv sind.

In der Warnung heißt es unter anderem: Westliche Ausländer könnten auch im Ausland Ziel von terroristischen Gewaltakten, Entführungen und kriminellen Übergriffen durch IS-Sympathisanten werden. Das Auswärtige Amt rate zu erhöhter Wachsamkeit, landesspezifische Sicherheitshinweise sollten beachtet werden.

Die IS-Miliz hatte am Montag dazu aufgerufen, wahllos Bürger jener Staaten zu töten, die sich an der internationalen Koalition gegen die Dschihadisten beteiligen. In dem AA-Appell heißt es nun, erhöhte Anschlags- und Entführungsrisiken bestünden etwa an Orten, "an denen regelmäßig westliche Staatsangehörige verkehren". Deshalb werde zu "erhöhter Wachsamkeit" geraten. Menschenansammlungen sollten gemieden und den Anweisungen örtlicher Sicherheitsbehörden Folge geleistet werden. Reisende sollten die Berichterstattung in den Medien verfolgen.

Vorsicht vor Orten mit Symbolcharakter

Vorrangige Anschlagsziele seien Orte mit Symbolcharakter, heißt es auf der Internetseite des AA. Dazu zählten Regierungs- und Verwaltungsgebäude, Verkehrsinfrastruktur (insbesondere Flugzeuge, Bahnen, Schiffe), Wirtschafts- und Tourismuszentren, Hotels, Märkte, religiöse Versammlungsstätten sowie generell größere Menschenansammlungen. Es könne zu Sprengstoffanschlägen, Angriffen mit Schusswaffen, Entführungen und Geiselnahmen kommen.

Die Bundesregierung will zudem verhindern, dass weitere Terrorkämpfer nach Syrien oder in den Irak ausreisen. Die Personalausweise von Verdächtigen sollen dazu möglicherweise einen Sperrvermerk erhalten oder ganz eingezogen werden. Das Bundesinnenministerium bestätigte, dass beide Optionen von einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe geprüft werden.

Die Sorge vor Anschlägen ist in Deutschland bereits groß. Laut einer aktuellen Umfrage befürchtet die Mehrheit der Bundesbürger in nächster Zeit terroristische Angriffe.

Dem ZDF-"Politbarometer" zufolge rechnen 60 Prozent der Befragten mit Anschlägen, 37 Prozent haben diese Befürchtung nicht. Gleichzeitig meint allerdings eine Mehrheit von 55 Prozent, dass genug getan wird, um das Land vor Terrorangriffen zu schützen. Nur 28 Prozent sind damit unzufrieden. Das teilte der Sender am Freitag mit.

ler/dpa/AFP

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