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Kampf gegen "Islamischen Staat": Rockerbanden posieren als Helfer der Kurden

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Kurdische YPG-Einheiten im Irak (Archivbild): Rocker behaupten, sie vor Ort zu unterstützen Zur Großansicht
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Kurdische YPG-Einheiten im Irak (Archivbild): Rocker behaupten, sie vor Ort zu unterstützen

Im Konflikt mit der Terrormiliz "Islamischer Staat" bekommen die Kurden in Syrien fragwürdige Unterstützung: Rocker aus Köln und aus den Niederlanden brüsten sich im Internet damit, das "IS-Ungeziefer" vor Ort zu bekämpfen.

Düsseldorf/Hamburg - "Während andere labern und labern", schrieb der Rocker aus Köln auf Facebook, "sind unsere Jungs an der Front und kämpfen gegen Isis." Dazu veröffentlichte der Anführer des Motorradklubs Median Empire, Kawan A., ein Bild, das seinen Bruder Amir im Kreis kurdischer Peschmerga zeigen soll. Tage später folgten Aufnahmen zweier Hünen in Kutten und mit Kalaschnikows im Gebirge. Anführer A. postete dazu: "Unsere Jungs haben mir berichtet, dass sie beschossen wurden. Ihnen ist nichts passiert, sie sind gesund."

Der Konflikt zwischen Kurden und Kämpfern des "Islamischen Staats" erreicht nun auch das kriminelle Milieu der Bundesrepublik. So überwarf sich in Bielefeld der kurdischstämmige Hells Angel Rezan C. mit seinen türkischen Klubkameraden, angeblich weil die sein mediales Engagement für die Rebellen nicht guthießen.

Per Video revanchierte sich der gebürtige Bremer für den Ausschluss aus der Gang: "Ich verteidige mein Land, und wenn es sein muss, gehe ich auch rüber." Wie aus Sicherheitskreisen verlautete, reisen tatsächlich immer mehr kurdische Aktivisten aus Deutschland aus, um gegen den "Islamischen Staat" (IS) zu kämpfen.

Anführer des Motorradklubs Median Empire, Kawan A.: "Unsere Jungs haben mir berichtet, dass sie beschossen wurden." Zur Großansicht
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Anführer des Motorradklubs Median Empire, Kawan A.: "Unsere Jungs haben mir berichtet, dass sie beschossen wurden."

Dass der Bürgerkrieg in Syrien auch andere Subkulturen in Deutschland beschäftigt, zeigt das Engagement des Kölner Gangsterrappers Bero Bass. Der Musiker nutzt seine Popularität, um sich mit Videobotschaften, Bildern und Posts für die "Unterdrückten" einzusetzen, wie er bei Facebook schreibt. Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen geht der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz davon aus, dass ein Video des Deutsch-Kurden Übergriffe auf Salafisten in Deutschland verursachen könnte. Der HipHopper, der vor Jahren einen Rivalen niedergestochen hatte, sagte hingegen, er sei falsch interpretiert worden und distanziere sich von jeglicher Gewalt.

Die Kölner Motorradgang Median Empire, der mehrheitlich Kurden angehören, hatte vor einiger Zeit für Unruhe in der Stadt gesorgt. Im November 2012 schoss jemand auf die Shisha-Bar des Anführers Kawan A., womöglich weil die Lokalität im Revier der Hells Angels lag. Diese gelten auch nach dem Verbot ihres Kölner Ablegers als die dominierende Bikerbande am Rhein.

"Wir müssen uns mit der Frage befassen, wie wir mit den 'Rückkehrern' aus diesem Bereich umgehen? Es handelt sich bei ihnen immerhin um potenziell gewaltbereite Straftäter, die dann, ausgestattet mit paramilitärischer Kampferfahrung, wieder nach Deutschland einreisen", so der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter im Bundeskriminalamt, Andy Neumann. Gerade vor dem Hintergrund des sich zuspitzenden Konflikts zwischen Islamisten und Kurden entstehe dadurch eine weitere, "nicht zu unterschätzende Gefahr für die ohnehin angespannte Sicherheitslage", so Neumann zu SPIEGEL ONLINE.

Das "IS-Ungeziefer" bekämpfen

Auch aus den Niederlanden erhalten die Kurden fragwürdige Unterstützung: Drei Mitglieder des Motorradklubs No Surrender (zu deutsch: keine Kapitulation) sind nach eigenen Angaben in das Krisengebiet gereist, um gegen den IS zu kämpfen. Der Chef des Clubs, Klaas Otto, bestätigte das dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk NOS. Die Männer kommen demnach aus Rotterdam, Amsterdam und Breda.

Tätowiert, mit Sonnenbrille und mit einer Kalaschnikow bewaffnet zeigt sich einer der Rocker in einem Video, das im Internet kursiert. "Die Kurden wurden sehr lange unterdrückt", sagt das No-Surrender-Mitglied darin. Auf Twitter verbreiten die "Kurden in den Niederlanden" ein Foto, das den Mann Seite an Seite mit einem Kurden vor Ort zeigen soll. "Ron aus den Niederlanden hat sich den Kurden angeschlossen, um das IS-Ungeziefer zu bekämpfen", heißt es in der Kurznachricht.

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Verboten sei das nicht, so der Sprecher der niederländischen Staatsanwaltschaft Wim de Bruin. "Man darf lediglich nicht gegen die Niederlande kämpfen." Und eben nicht auf der Seite des IS. "Der große Unterschied ist, dass der IS als Terroristengruppe geführt wird", so de Bruin. Damit sei sogar die Vorbereitung der Unterstützung für die Dschihadisten strafbar.

Sollten niederländische Bürger jedoch in dem Bürgerkrieg foltern oder vergewaltigen, werde das natürlich verfolgt. Aber auch dabei schwächte de Bruin ab: "Das passiert natürlich sehr weit weg und ist somit sehr schwierig zu beweisen."

Mit Material von AFP

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Kurden
Kurdische Ethnie
Weltweit gibt es etwa 30 Millionen Kurden. Ihr Hauptsiedlungsgebiet, das in der Türkei, im Irak, in Syrien und in Iran liegt, bezeichnen sie als Kurdistan. Einen eigenen Staat haben sie nicht. Kurden bilden eine Ethnie. Die meisten von ihnen sind sunnitische Muslime, es gibt aber auch Schiiten, Aleviten, Jesiden, Christen und Juden unter den Kurden.
Kurden in Deutschland
Allein in Deutschland leben etwa eine Million Kurden. Wegen ihrer Staatenlosigkeit werden sie hier meist als Türken, Iraker, Syrer oder Iraner wahrgenommen. Dabei bilden sie die drittgrößte Migrantengruppe in der Bundesrepublik.
Sprachen
Es gibt mehrere kurdische Sprachen, die wiederum jeweils ein Dutzend Dialekte haben. Am weitesten verbreitet ist die Sprache Kurmandschi. Interessanterweise sind es also weder Sprache noch Religion, die die Kurden als Volk zusammenhält, sondern "ihr Miteinander, verwurzelt in einer gemeinsamen Vergangenheit, die mehr oder weniger mythisch ist", wie die Ethnologen Jean-Loup Amselle und Guy Nicolas schreiben.
Autonome kurdische Region
Bis in das 20. Jahrhundert hinein lebten Kurden in Stammesgesellschaften. Heute leben sie in sehr unterschiedlichen Umfeldern. Die autonome kurdische Region im Irak gilt als die stabilste und sicherste im Land. Durch Zugang zu Erdöl ist sie wohlhabend.
Kurden in der Türkei
Kurden in der Türkei sind in allen Gesellschaftsschichten zu finden. Überproportional viele sind jedoch arm, weil ihnen Bildung erschwert wurde. Unterricht auf Kurdisch war jahrzehntelang verboten. Viele Kurden kamen erstmals mit ihrer Einschulung mit Türkisch in Berührung.
Kurden im Irak
Das kurdische Autonomiegebiet liegt im Nordirak und wird von den Kurden Südkurdistan genannt. Im Irak wurden die Kurden lange Zeit verfolgt. Tragischer Höhepunkt war der Giftgasangriff des sunnitischen Diktators Saddam Hussein am 16. März 1988 auf den kurdischen Ort Halabdscha, bei dem etwa 5000 Männer, Frauen und Kinder getötet wurden.

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