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Berlin: Salafist attackiert SPIEGEL-TV-Team

Ein Kamera-Team von SPIEGEL TV ist bei Recherchen in der deutschen Islamisten-Szene angegriffen worden. Die Journalisten wollten den Salafisten Reda Seyam in Berlin befragen, dem Kontakte zur Qaida nachgesagt werden. Doch statt zu antworten, schlug der Mann zu. 

SPIEGEL TV

Berlin/Hamburg - Die Situation eskalierte in Sekundenbruchteilen an diesem Freitag in einem Charlottenburger Hinterhof. Ein Kamerateam von SPIEGEL TV Magazin wollte Reda Seyam, einen der bekanntesten Islamisten Deutschlands, zu seiner Rolle bei den gewalttätigen Protesten gegen Pro-NRW in Bonn befragen. Doch der bärtige Mann ging auf das Team los, zerstörte Teile der Kameraausrüstung und versuchte, damit auf die Journalisten einzuschlagen. Am Ende kam die Berliner Polizei mit zwei Streifenwagen und Einsatzkräften in Schutzwesten, um die Situation zu beruhigen. Der Vorfall endete mit einer Anzeige wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung.

Dem Salafisten Seyam werden al-Qaida-Kontakte nachgesagt. Die CIA verdächtigt ihn, einer der mutmaßlichen Drahtzieher des Bombenattentats auf Bali im Jahr 2002 mit 202 Toten gewesen zu sein. Neuerdings taucht der Deutsch-Ägypter im Umfeld der Koranverteilungen in deutschen Städten auf.

Auch bei den Ausschreitungen von Islamisten in Bonn war er anwesend. Szenekenner machten Seyam nach Informationen von SPIEGEL TV am Rande der Proteste gegen die Mohammed-Karikaturen aus, bei denen ein Islamist Polizisten mit Messerstichen schwer verletzt hatte. Seyam war demnach an diesem Tag selbst mit einer Kamera unterwegs, möglicherweise für die Internetseite Al-Risalah, die er betreibt. Das hält zumindest Ex-BKA-Mann Michael von Wedel für wahrscheinlich, der jahrelang gegen Seyam ermittelte. "Mit den Szenen, die ich im Fernsehen gesehen habe, wird er seine CDs herstellen", sagte er SPIEGEL TV. Je mehr Blut fließe, umso besser sei es für Seyam. "Nur damit kann er in die Länder fahren oder zu seinen Kontakten und sagen: 'Hier sind junge Leute, die müssen wir unterstützen.' Er wird damit definitiv irgendwo Geld sammeln."

Es ist nicht der einzige Berührungspunkt Seyams mit der aktuellen salafistischen Bewegung. Auf seiner Homepage wirbt der Deutsch-Ägypter, der einem seiner Söhne den Namen Dschihad gab, auch für die Aktion "Lies! Im Namen deines Herren" - der Verteilung von Koran-Ausgaben in Deutschland. Damit könnte laut SPIEGEL TV der islamistischen Szene in Deutschland der Brückenschlag gelungen sein: zwischen den vielfach noch jungen Salafisten und islamistischen Veteranen wie dem 52-jährigen Seyam mit seinen mutmaßlichen Qaida-Kontakten.

Mehr zum Thema an diesem Sonntag bei SPIEGEL-TV-Magazin, 22.15 Uhr, auf RTL

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