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Großeinsatz gegen Islamisten: Foto zeigt Hauptverdächtigen mit Sturmgewehren

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Neue Erkenntnisse nach dem Großeinsatz gegen Islamisten in Berlin und NRW: Der Algerier Farid A. gehörte offenbar einer Miliz an. Ein von der Polizei veröffentlichtes Foto deutet darauf hin.

Der Mann hockt in einem schmucklosen Raum, offenbar im Nahen Osten, und hält eine Pistole in der Hand. Um ihn herum ist ein Waffenarsenal drapiert: zwei Sturmgewehre, diverse Magazine, sechs Handgranaten und zwei Rohrbomben. Das Foto, das Fahnder des Berliner Landeskriminalamts (LKA) sichergestellt haben, zeigt Farid A. Der 34-jährige Algerier, der sich auch Abou Al-J. und Abou Al-A. nannte, ist derzeit Hauptverdächtiger in einem Verfahren der Berliner Generalstaatsanwaltschaft. Die Behörde ermittelt gegen ihn und drei weitere Algerier wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat.

In Berlin, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen war die Polizei am Donnerstagmorgen gegen die mutmaßlichen Dschihadisten vorgegangen. Sie nahmen A., seine Frau und den 49-jährigen Algerier Abdel Salam N. fest. Die algerischen Sicherheitsbehörden, die eine Auslieferung des Ehepaars A. begehren, ordnen Farid A. der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) zu. Demnach verfügt der Islamist über eine militärische Ausbildung und hielt sich zeitweilig im syrischen Kampfgebiet auf.

Inzwischen prüfen die Staatsschützer nach Informationen des SPIEGEL auch mögliche Verbindungen der Verdächtigen zu den Hintermännern der Pariser Anschläge vom November. Im Visier der Sonderkommission "Frost" steht vor allem A. Der gebürtige Algerier war am 28. Dezember nach Deutschland eingereist und hatte sich als syrischer Flüchtling, geboren in Aleppo, ausgegeben. Zuletzt lebte der Mann in einer Flüchtlingsunterkunft im sauerländischen Attendorn.

Den Ermittlern liegt es weiteres Bild vor, das A. neben Leichen zeigen soll. Auf einem anderen Foto, das die Fahnder sichern konnten, soll A. beim Essen mit einer Person aus dem Umfeld der Paris-Attentäter abgebildet sein. Unklar ist bislang, wo die Aufnahmen gemacht wurden. Das Stirnband des Verdächtigen auf dem Bild neben den Waffen zeigt zwar das islamische Glaubensbekenntnis, jedoch deutet die Typografie nicht auf den IS, sondern auf eine andere islamistische Organisation wie etwa die Nusra-Front hin.

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Terrorverdacht: Razzien in drei Bundesländern
Die Bundesanwaltschaft, eigentlich für Verfahren wegen einer Mitgliedschaft im IS oder der Nusra-Front zuständig, hat die Sache bislang nicht übernommen. Den Berliner Staatsschützern lagen Hinweise vor, dass die Männer womöglich ein Attentat in Berlin geplant hatten. Waffen oder Sprengstoff fanden die Ermittler bei ihren Durchsuchungen am Donnerstag jedoch nicht.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE begannen die Ermittlungen zur Abwehr einer möglichen Terrorgefahr vor einigen Wochen. Der Hinweis kam - wie so oft - von einem ausländischen Nachrichtendienst und ging an das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV). Das wiederum schaltete die Berliner Polizei ein. Im Zuge der verdeckten Ermittlungen gelang es jedoch nicht, den Terrorverdacht so weit zu erhärten, dass deswegen Haftbefehle hätten erlassen werden können.

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