ThemaIslamRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
 

Islamistische Gewalt "Man sollte die Gefahr nicht übertreiben"

2. Teil: "Die Tatsache, dass es in diesem Land Muslime gibt, ist fast 50 Jahre lang ignoriert worden"

SPIEGEL ONLINE: Das ist auch hierzulande eine wachsende Angst: Dass der Fundamentalismus auf dem Vormarsch sein könnte. Die hiesigen muslimischen Bevölkerungsteile stehen zunehmend unter Generalverdacht, das Grundmisstrauen wächst. Droht da nicht erneute Entfremdung?

Heine: Entfremdung? Die Tatsache, dass es in diesem Land Muslime gibt, dass Deutschland Einwanderungsland ist, ist von Seiten der Politik ignoriert und fast 50 Jahre lang nicht zur Kenntnis genommen worden. Am Anfang wurde die Einwanderung von Muslimen noch nicht einmal bemerkt, weil wir sie nicht als Muslime, sondern damals als Jugoslawen - Bosnier nämlich - gesehen haben. Es gibt in Bezug auf den Islam also eine enorme Unkenntnis in weiten Kreisen der Mehrheitsgesellschaft - und umgekehrt eben auch. Die Kenntnis über die Rechte und Pflichten von jemandem, der hier lebt, sind auch in der muslimischen Bevölkerung sehr gering, weil sich einfach niemand darum gekümmert hat. Es wird eine Aufgabe über mehrere Generationen sein, das zu ändern.

SPIEGEL ONLINE: "Wo bleibt der Aufschrei der Muslime?" haben wir einen Artikel überschrieben, der eine weit verbreitete Ansicht in den aktuellen Diskussionen in unseren Foren beschreibt: Warum wehren sich die hier lebenden, nicht radikalen Muslime nicht überzeugend gegen den Eindruck, mit dem Fundamentalismus zu sympathisieren? Warum distanzieren sie sich nicht, warum demonstrieren sie nicht gegen Islamismus und Terror?

Heine: Zunächst einmal: Das passiert ja. Nur ist es für die Medien immer spannender, die negativen Dinge zu vermelden.

SPIEGEL ONLINE: "Bombe geht hoch" ist eine Schlagzeile, "Muslime beten für Frieden" nicht?

Heine: Das ist natürlich nicht alles. Es darf in diesem Zusammenhang nicht vergessen werden, dass die meisten Muslime, die nach Deutschland gekommen sind, einer bildungsfernen Schicht angehörten. Im großen und ganzen wissen sie bis heute nicht wirklich, wie man so etwas organisiert. Wie man Zugang zu Medien bekommt, um entsprechende Positionen bekannt zu machen. Dazu kommt, dass es zu viele unterschiedliche Organisationen gibt. Es gibt kein Gegenstück zu den administrativen und kommunikativen Strukturen, die wir hier in allen Lebensbereichen haben. Das alles wird sich in absehbarer Zeit entwickeln, das Bildungsinteresse unter Muslimen ist außerordentlich groß. Immerhin wird beispielsweise durch die Islamkonferenz auf die verschiedenen muslimischen Organisationen ein gewisser Druck aufgebaut, sich zu einem Grundkonsens auch im Verhältnis zur deutschen Gesellschaft zusammen zu finden. Aber das alles braucht Zeit.

SPIEGEL ONLINE: Nicht nur von der deutschen Politik wird das Bedrohungsszenario eines islamischen Fundamentalismus genutzt, immer mehr Sicherheitsgesetze durchzusetzen. Wie groß ist die Bedrohung wirklich?

Heine: Hier in Deutschland ist die Bedrohung meiner Meinung nach relativ gering. Hinter den Fällen, die wir hier bisher gehabt haben, standen eigentlich Einzeltäter. Einzeltäter wird man auch durch eine noch so gute Überwachung nur sehr schwer unter Kontrolle bringen können. Man darf die Gefahr nicht ignorieren, aber man sollte sie auch nicht übertreiben.

SPIEGEL ONLINE: Was allerdings gestiegen zu sein scheint, ist das Misstrauen, eine Grundablehnung auf den Straßen, insbesondere zwischen jungen Türken und Deutschen.

Heine: Diese Beobachtung gibt es im Grunde seit den Attentaten auf Türken in Mölln und Solingen. Da hat sich insbesondere in der jüngeren Generation, die gerade zur Assimilation tendierte, eine andere Grundhaltung entwickelt, die sagte: Gut, die Deutschen wollen uns nicht, dann wollen wir sie auch nicht. Wenn eine Minderheit angefeindet wird, wird sie darauf reagieren. Das ist so.

Die Fragen stellte Frank Patalong

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live
insgesamt 2395 Beiträge
berther 03.01.2010
Lesen sie die Treads und Posts in diesem Forum zu dem besagten Thema und Sie können sehen , woher der Hass kommt. Er ist unter den Menschen unseres Kulturkreises latent vorhanden und bricht sich hier aus relativ unwichtigen [...]
Lesen sie die Treads und Posts in diesem Forum zu dem besagten Thema und Sie können sehen , woher der Hass kommt. Er ist unter den Menschen unseres Kulturkreises latent vorhanden und bricht sich hier aus relativ unwichtigen Gründen Bahn. Man erkennt etwas was anders ist und verurteilt es , beschimpft es , und hasst es schließlich.Daß man die Reaktion der anderen Kultur selbst verursacht hat , interessiert ncht - man HAT das Recht dazu! Das europäsche Kolonialdenken ist noch immer vorhanden. Unsere Zivilisaton , unsere angeblich menschenfreundliche Religion sind nur ein dünner Farbanstrich über der Barbarei - und diese kommt hier wieder zum Vorschein. Mit EINEM Menschen kann man über so kontroverse Themen noch vernünftig diskutieren - sobald MEHRERE Menschen merken daß andere aus der Anonymität heraus das Selbe Ansicht vertreten wie sie kommt es zum Zusammenschluß einer Herde von blutrünstigen Raubtieren , die zu überspitzten Panikattacken neigt. Und hinterher will wieder keiner schuld gewesen sein - außer den Anderen. Ich wette , das was ich hier schrieb , will keiner glauben und keiner akzeptieren , aber so sind Menschen nun mal. Um es mit Shakespeare zu sagen : " Verstand , du flohst zum blöden Vieh , der Mensch ward unvernünftig !" ( Julius Caesar )
forumgehts? 03.01.2010
Ich bin mir nicht einmal so sicher, ob es sich in solchen Fällen wirklich um Hass handelt. Vermutlich sind es Leute, die "todsicher" ins TV kommen wollen. Früher hätte man in Europa gewusst, was in solchen Fällen zu [...]
Zitat von sysopVier Jahre nach Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen wurde einer der Zeichner beinahe Opfer eines Anschlags, und wieder wird der Ruf nach härteren Reaktionen lauter. Ist Härte die Antwort auf Hass - oder die Niederlage der Werte, die verteidigt werden sollen?
Ich bin mir nicht einmal so sicher, ob es sich in solchen Fällen wirklich um Hass handelt. Vermutlich sind es Leute, die "todsicher" ins TV kommen wollen. Früher hätte man in Europa gewusst, was in solchen Fällen zu tun ist, aber Europa hat sich aufgegeben.
jasyd 03.01.2010
Ich glaube es nicht, nun sind diejenigen, die sich gegen eine "Kultur" des Massenmordes wehren, die blutrünstigen Raubtiere. Mehr Kommentar ist nicht nötig.
Zitat von bertherLesen sie die Treads und Posts in diesem Forum zu dem besagten Thema und Sie können sehen , woher der Hass kommt. ... Und hinterher will wieder keiner schuld gewesen sein - außer den Anderen. Ich wette , das was ich hier schrieb , will keiner glauben und keiner akzeptieren , aber so sind Menschen nun mal. Um es mit Shakespeare zu sagen : " Verstand , du flohst zum blöden Vieh , der Mensch ward unvernünftig !" ( Julius Caesar )
Ich glaube es nicht, nun sind diejenigen, die sich gegen eine "Kultur" des Massenmordes wehren, die blutrünstigen Raubtiere. Mehr Kommentar ist nicht nötig.
unente 03.01.2010
Wenn sich die "Härte" ausschließlich auf die Möglichkeit der Ausschöpfung, der im Rechtssystem vorgesehenen Strafmaße bezieht: die einzig mögliche Antwort. Diese Antwort darf sich aber auch nur gegen Täter und mögliche [...]
Zitat von sysop...Ist Härte die Antwort auf Hass - oder die Niederlage der Werte, die verteidigt werden sollen?
Wenn sich die "Härte" ausschließlich auf die Möglichkeit der Ausschöpfung, der im Rechtssystem vorgesehenen Strafmaße bezieht: die einzig mögliche Antwort. Diese Antwort darf sich aber auch nur gegen Täter und mögliche Drahtzieher richten und nicht allgemein gegen alle Mitglieder einer Glaubensrichtung - auch wenn die ebenfalls kritisch gegenüber bestimmten "Meinungsfreiheiten" eingestellt sind. Nur Gewalt darf nicht toleriert werden.
Toerpe Schweiz 03.01.2010
Und nun klären Sie uns über den Zusammenhang zwischen dem unter "den Menschen undeses Kulturkreises latent vorhandenen" Hasses und dem Angriff eines radikalen mulsimischen Somaliers auf den dänischen Karikaturisten [...]
Zitat von bertherLesen sie die Treads und Posts in diesem Forum zu dem besagten Thema und Sie können sehen , woher der Hass kommt. Er ist unter den Menschen unseres Kulturkreises latent vorhanden und bricht sich hier aus relativ unwichtigen Gründen Bahn.
Und nun klären Sie uns über den Zusammenhang zwischen dem unter "den Menschen undeses Kulturkreises latent vorhandenen" Hasses und dem Angriff eines radikalen mulsimischen Somaliers auf den dänischen Karikaturisten auf?
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Deutschland
alles zum Thema Islam

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Zur Person
Humboldt Universität Berlin
Peter Heine ist einer der renommiertesten Islamwissenschaftler des Landes. Der langjährige Professor für Islamwissenschaft des nicht-arabischen Raumes an der Humboldt-Universität zu Berlin hat sich in zahlreichen Schriften und Veröffentlichungen mit religiösen, kulturellen und politischen Aspekten des Islam beschäftigt. Der gebürtige Westfale lebt und arbeitet in der Nähe von Berlin.

Chronologie des Karikaturenstreits
Die dänische Zeitung "Jyllands-Posten" veröffentlicht zwölf Karikaturen zum Islam. Einige von ihnen bringen die Religion und ihren Propheten mit dem modernen Terrorismus und mit Selbstmordanschlägen in Verbindung. So zeigt eine von Kurt Westergaard angefertigte Zeichnung Mohammed mit einer Bombe in Form eines Turbans auf dem Kopf. Die muslimische Welt reagiert empört sowohl auf die Verbindung ihrer Religion mit dem Terrorismus als auch auf die Verbildlichung Mohammeds, die für viele Muslime eine Beleidigung des Propheten darstellt.





TOP



TOP