Vierte Islamkonferenz Seehofer ruft Moscheen auf, sich von ausländischen Geldgebern zu lösen

Der ausländische Einfluss auf Islamverbände soll sinken: Innenminister Seehofer hat auf der Islamkonferenz mehr Eigenständigkeit verlangt. Dutzende Imame müssten schon 2019 in Deutschland ausgebildet werden.

Horst Seehofer spricht auf der Islamkonferenz
HAYOUNG JEON/EPA-EFE/REX

Horst Seehofer spricht auf der Islamkonferenz


Erst im März hatte Horst Seehofer (CSU) der Überzeugung Ausdruck verliehen, der Islam gehöre nicht zu Deutschland - nun stand der Bundesinnenminister der vierten deutschen Islamkonferenz (DIK) vor und äußerte sich zu Beginn des Termins zurückhaltender: "Muslime haben selbstverständlich die gleichen Rechte und die gleichen Pflichten wie jeder hier in Deutschland", sagte er.

Zugleich forderte Seehofer die islamischen Gemeinden in Deutschland dazu auf, sich schrittweise von ausländischen Geldgebern zu lösen. Die Moscheegemeinden sollten nicht nur Organisation und Finanzierung "weitgehend selbst" stemmen, sondern auch die Ausbildung von Predigern.

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Es müsse geklärt werden, wie sich muslimische Religionsgemeinschaften organisieren könnten, um den Anforderungen des Religionsverfassungsrechts zu genügen. Er forderte den Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, dazu auf, sich zu verpflichten, dass 2019 "zwei Dutzend" Imame in Deutschland ausgebildet würden. Mazyek zeigte sich offen dafür, allerdings spricht er nur für einen kleinen Teil der Muslime in Deutschland.

Wie gelingt unabhängige Finanzierung?

Vor allem der Einfluss von Imamen des türkischen Islam-Dachverbands Ditib war zuletzt stark kritisiert worden. Der Verfassungsschutz prüft eine Beobachtung der Zentrale des türkischen Moscheeverbands. Einigen Predigern und Religionsattachés wurde zudem vorgeworfen, sie hätten Gläubige und auch deutsche Lehrer bespitzelt. Die Imame der Ditib werden von der staatlichen türkischen Religionsbehörde nach Deutschland entsandt.

Wie eine unabhängige Finanzierung der Imame konkret sichergestellt werden solle, sagte Seehofer nicht. Er kündigte aber an, bestehende Förderprogramme für Integrationsprojekte der Moscheegemeinden würden ausgebaut. Jens Spahn, Gesundheitsminister und Kandidat für den CDU-Vorsitz, hatte vor dem Treffen der "Rheinischen Post" gesagt: "Die Aufgabe bleibt, dass Bund und Länder den rechtlichen Rahmen für muslimisches Leben in Deutschland setzen." Über den konkreten Weg müsse mit den Muslimen geredet werden.

Die 2006 ins Leben gerufene DIK ist das zentrale Forum der Bundesregierung für den Dialog mit den Muslimen in Deutschland. Sie bringt deutsche Muslime und Vertreter von Bund, Ländern und Kommunen zusammen. In den vergangenen Jahren hatte sie unter anderem Fragen wie Religionsunterricht und islamische Seelsorge erörtert.

Seehofer brach mit der Praxis seines CDU-Amtsvorgängers Thomas de Maizière, der die Islamkonferenz vor allem für den Dialog staatlicher Akteure mit den mehrheitlich konservativen Islam-Verbänden genutzt hatte. Seehofer lud hingegen neben den Verbandsvertretern auch Theologen, Aktivisten und Wissenschaftler ein.

"Die Besetzung ist diesmal bunter, das finde ich gut", sagte die Gründerin der liberalen Berliner Ibn-Rushd-Goethe-Moschee, Seyran Ates. Die DIK solle in den nächsten Jahren vor allem "alltagspraktische Fragen des Zusammenlebens" behandeln.

Im Video: Die Moschee nebenan - Vorurteile und Realität

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apr/dpa/AFP

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