Israel-Reise Merkel drängt auf Bewegung im Friedensprozess

Die Bundeskanzlerin hat Israel zu Fortschritten im Friedensprozess aufgerufen. Angesichts blutiger Unruhen in Ägypten sei eine Einigung notwendiger denn je. Merkel traf sich in Jerusalem mit Israels Regierungschef Netanjahu - dieser warnte vor einem Erstarken radikaler Islamisten. 

Kanzlerin Merkel, Regierungschef Netanjahu: Drängen auf eine Lösung im Nahost-Konflikt
dpa

Kanzlerin Merkel, Regierungschef Netanjahu: Drängen auf eine Lösung im Nahost-Konflikt


Jerusalem - Angesichts der kritischen Lage im Nahen Osten hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an Israel appelliert, konstruktive Schritte zur Belebung des Friedensprozesses zu unternehmen. Was in den letzten Tagen in der Region passiert ist, mache es für Israel umso dringlicher, bei den Verhandlungen über den Friedensprozess noch konstruktiver zu sein, sagte Merkel am Montag bei einem Treffen mit Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu.

Das Gespräch verlief den Angaben zufolge in "sehr sachlicher", ernster Arbeitsatmosphäre. Netanjahu habe auch dargelegt, wie er die nächsten Schritte im Friedensprozess sehe.

Am vergangenen Montag hatten die sogenannten "Palästina-Papiere" für Aufruhr gesorgt: Die geheimen Protokolle dokumentieren, dass die palästinensische Führung offenbar zu weit größeren Konzessionen bereit war, als sie öffentlich erklärte.

Sowohl Merkel als auch Netanjahu waren sich Regierungskreisen zufolge einig, dass die Situation in Ägypten mit den eskalierenden Protesten sehr schwierig sei. Von israelischer Seite werde sie sogar als "dramatisch" beschrieben.

Ehrendoktorwürde für Merkel

Israel fürchtet eine Stärkung islamistischer Kräfte in dem Nachbarland, sollte der bislang als Vermittler im Friedensprozess fungierende Präsident Husni Mubarak abtreten. Sowohl Merkel als auch Netanjahu betonten, dass es wichtig für Ägypten sei, Reformen einzuleiten.

Merkels Treffen mit Netanjahu ist Teil der deutsch-israelischen Regierungskonsultationen, die in diesem Jahr zum dritten Mal stattfinden. Die Kanzlerin wird von mehreren Ministern ihres Kabinetts begleitet, die mit ihren israelischen Kollegen weitere gemeinsame Projekte in Bereichen wie Jugendaustausch, Klimaschutz und Forschung vereinbaren wollen.

Während die Minister bereits am Abend nach Deutschland zurückreisen werden, wird Merkel noch einen Tag länger in Israel bleiben. Am Dienstag trifft sie neben Staatspräsident Schimon Peres auch die Oppositionsführerin Zipi Livni. Zudem wird Merkel an der Universität von Tel Aviv die Ehrendoktorwürde entgegennehmen.

amz/AFP/dpa



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