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Staatsbesuch in Deutschland: Israels Präsident warnt vor Verleugnen von Rassismus

Israels Präsident Rivlin: "Gleichgültigkeit, Teilnahmslosigkeit und Verleugnung sind keine Antwort" Zur Großansicht
DPA

Israels Präsident Rivlin: "Gleichgültigkeit, Teilnahmslosigkeit und Verleugnung sind keine Antwort"

Beim Staatsbesuch in Berlin hat der israelische Präsident Rivlin die Deutschen zu mehr Wachsamkeit gegenüber Antisemitismus aufgefordert. Doch nicht in allen Bereichen war er sich mit Bundespräsident Gauck einig.

Der israelische Präsident Reuven Rivlin ist in Berlin mit militärischen Ehren empfangen worden. Seinen Staatsbesuch nutzte er, um vor Antisemitismus und Fundamentalismus zu warnen: "Gleichgültigkeit, Teilnahmslosigkeit und Verleugnung sind keine Antwort", sagte Rivlin anschließend bei einer Gedenkzeremonie am Mahnmal Gleis 17 am Bahnhof Grunewald. Von dort waren während der Nazi-Diktatur Tausende Juden in die Todeslager deportiert worden.

"In einer Welt, in der die Spannungen zwischen Kulturen und Ideologien stärker werden, fordert der Kampf gegen Rassismus, Antisemitismus und Fundamentalismus von uns, wachsam und entschieden zu sein", sagte Rivlin. Demokratie allein mache "nicht immun gegen Nationalismus und Faschismus".

Die Begrüßung im Berliner Schloss Bellevue durch Bundespräsident Joachim Gauck war der Auftakt für einen dreitägigen Staatsbesuch. Deutschland und Israel erinnern gemeinsam an das 50-jährige Jubiläum der Aufnahme ihrer diplomatischen Beziehungen. Am Dienstag will Rivlin auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier treffen.

Doch zu Diplomatie gehört auch, dass Länder nicht immer derselben Meinung sind: Gauck bekräftigte, dass Deutschland weiter für eine Zwei-Staaten-Lösung im Nahen Osten eintritt. "Ich habe darum geworben, dass wir unsere Freundschaft nicht belasten dadurch, dass wir in einem derartigen Punkt unterschiedliche Auffassungen haben."

Denn der israelische Präsident bekräftigte seine Ablehnung einer solchen Lösung, die neben Israel einen eigenen Staat für die Palästinenser zum Ziel hätte. Rivlin äußerte die Hoffnung, dass sein Besuch die Zusammenarbeit "in dem gemeinsamen Handeln für eine bessere Welt" weiter festigen und stärken werde. Gemeinsame Werte wie Demokratie, Meinungsfreiheit und Gleichberechtigung definierten die Beziehung zwischen Deutschland und Israel.

Video: Die engen deutsch-israelischen Beziehungen vertiefen

Auch Merkel warb erneut für einen eigenständigen Palästinenserstaat: "Wir sind in der Bundesrepublik Deutschland der Meinung, dass die Zwei-Staaten-Lösung die Zielvorstellung ist, um den dauerhaften Frieden in der Region zu erreichen." Mit Blick auf die Meinung Rivlins sagte sie: "Da gibt es durchaus mit einigen einen Dissens."

vek/AFP/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 59 Beiträge
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1.
rdexter 11.05.2015
Wie bringe ich jemanden bei Verhandlungen/Regierungsgesprächen dazu, mir möglichst viele Zugeständnisse zu machen? Ich mache ihm ein schlechtes Gewissen, suggeriere, dass er mir was schuldet. So wird es niemals Verhandlungen auf Augenhöhe geben.
2. Sie stellen Rivlins Postion verkürzt dar!
TangoGolf 11.05.2015
Es geht ihm um Ausgleich und um eine Föderation mit offenen Grenzen. Dass ist durchaus etwas anderes, als wie es suggeriert, wenn man dieses Detail von Rivlins Idee einfach unterschlägt! Ein gemeinsames "Israel" für Juden und Palästinenser wäre im Übrigen die wohl allerbeste Lösung. Dass es funktionieren kann, zeigen die Araber, welche in Israel leben und dort die einzige Demokratie im Nahen Osten sehr wohl zu schätzen wissen.
3. Was denn nun, Rassismus oder Antisemitismus?
Das Grauen 11.05.2015
Wenn er vor Rassismus gewarnt hat, hat er sich dann schon Netanyahu zur Brust genommen, der im Wahlkampf in offen rassistischer Weise palästinensische Israelis übel verleumdet hat? Im Grunde auch Antisemitismus, denn "Semiten" umfaßt ja auch die Araber. Also, vielleicht sollte Rivlin im eigenen Land mal klare Worte finden, anstelle sich bei uns aufs hohe Roß zu schwingen.
4. Unfassbar.
ka117 11.05.2015
Und dieser Mensch spricht bei DIESEM Anlass (Rassismus!) von "Spannungen zwischen den Kulturen". Man stellt sich einen europäischen Politiker, der die "Spannungen" zwischen der europäischen und der jüdischen Kultur ansprechen würde. Etwas anderes als Sprung mit dem geschlossenen Fallschirm aus dem Flugzeug bliebe ihm nicht übrig.
5.
schnauzl 11.05.2015
"Gleichgültigkeit, Teilnahmslosigkeit und Verleugnung sind keine Antwort" - das trifft wohl eher auf die Rolle der israelischen Regierung in der Frage nach einer Zwei-Staaten-Lösung zu. Wer sich selbst das Recht auf einen eigenen Staat in Palästina nimmt, kann es den Palästinensern nicht absprechen.
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