Deutschland und Israel "Für immer verbunden durch Erinnerung an die Shoah"

Deutschland und Israel nahmen vor 50 Jahren diplomatische Beziehungen auf. Bundespräsident Gauck äußerte sich in einer Ansprache zum Jubiläum besorgt über wachsende Ressentiments gegen Juden in der Bundesrepublik.

Gauck (l.) und Rivlin: "Wunderbare Partnerschaft erblüht"
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Gauck (l.) und Rivlin: "Wunderbare Partnerschaft erblüht"


Der zunehmende Antisemitismus in Europa beunruhigt sieben Jahrzehnte nach dem Holocaust die Präsidenten von Deutschland und Israel. In einer Rede beim Festakt zum 50. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen verwies Bundespräsident Joachim Gauck laut Redetext auf eine Studie der Bertelsmann-Stiftung: Fast die Hälfte der Deutschen habe eine schlechte Meinung von Israel. Dies sollte "zugleich Ansporn und Mahnung sein" für "noch mehr Begegnungen, noch mehr Impulse, noch mehr Interesse und Empathie".

Gauck und Israels Präsident Reuven Rivlin forderten in Interviews ein beherztes Eintreten gegen anti-jüdische Vorbehalte und antisemitisch motivierte Kritik an Israel. Rivlin beklagte in einem gemeinsamen Interview mit der "Bild"-Zeitung und der israelischen Zeitung "Jedioth Ahronoth" eine "weltweite Zunahme anti-israelischer und anti-jüdischer Parolen". Angesichts dieser Entwicklung sollten vor allem in Europa "die Alarmglocken ertönen". Die Kritik an Israel werde oftmals "angestachelt durch Extremisten, die Juden hassen", warnte Rivlin.

Video: Rivlin zu Gast bei Gauck

Rivlin hatte am zweiten Tag seines Staatsbesuchs in Deutschland unter anderem Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) getroffen. Dem Gastgeberland zollte er demonstrativ Respekt. "Deutschland ist heute ein Leuchtturm der Demokratie in der Welt", sagte Rivlin in dem Interview. Die enge Freundschaft beider Länder beruhe darauf, dass Deutschland seine Verantwortung für die Verbrechen der Vergangenheit übernommen habe.

"Unverrückbar" an der Seite Israels

Die Erinnerung an den Holocaust sei trotz der mittlerweile guten Beziehungen immer präsent. "Sie werden gewiss keinen Juden in der Welt finden, der beim Thema Deutschland nicht an den Holocaust denkt", sagte Rivlin. Doch aus der Asche der Vergangenheit hätten Deutsche und Israelis in vielen Bereichen wie Medizin und Wirtschaft eine "wunderbare Partnerschaft erblühen lassen".

Gauck äußerte sich ähnlich. "Israel und Deutschland sind für immer verbunden durch die Erinnerung an die Shoah", sagte der Bundespräsident. Deutschland werde nicht zulassen, dass die Erinnerung verblasst.

In Israel würdigte Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) den 50. Jahrestag der Aufnahme von Beziehungen. Deutschland stehe sicherheitspolitisch "unverrückbar" an der Seite Israels, sagte sie vor Beginn eines Gesprächs mit Ministerpräsident Benjamin Netanyahu. "Von diesem gewachsenen und festen Fundament des Vertrauens und der Freundschaft aus können wir auch kritische, schwierige Themen miteinander besprechen."

Netanyahu sagte nach dem Treffen, Deutschland habe "in Worten und Taten seine Verpflichtung gegenüber Israels Sicherheit bewiesen". Erneut warnte er vor einem Abkommen im Atomstreit mit Iran. Deutschland sitzt mit am Verhandlungstisch. Die Verteidigungsministerin versprach: "Wir wissen, wir stehen zueinander. Daran wird sich nichts ändern."

als/dpa

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chirin21 12.05.2015
1. Für immer verbunden durch die Schoah
Ich bin mit jüdischen gefolterten ,getöteten ,mißhandelten Menschen genauso verbunden ,wie mit allen anderen Opfern jeden Staates. Mit Israel als Staat und den Politikern bin ich nicht verbunden. Ich fühle mich da mehr von den Leuten abgestoßen, die von Prof. Finkelstein in "die Holocaust-Industrie" als israelische Bürger und Abkassierer genannt werden ,abgestoßen. Die Leute haben nichts mit einem Reich-Ranitzky ,zutun oder mit den jüdischen Bürgern, die auch in Polen und von Polen gequält und ermordet wurden.
aljoschu 12.05.2015
2. Wann lernen wir Deutsche endlich zu unterscheiden:
Zwischen unserer Verantwortung als Nachgeborene dafür, dass sich unsere Eltern und Großeltern einst so schlimm versündigt haben an den Juden einerseits - und unserer Außenpolitik gegenüber dem rassistischen und verbrecherischen Staat Israel andererseits. Wir verurteilen den Völkermord der Türken gegenüber den Armeniern - aber den Israelis liefern wir die Waffen, die sie in den verbrecherischen Kriegen gegen die Palästinenser einsetzen. Die Welt ist leider komplex. Es ist daher ein ebenso ein Verbrechen, wenn wir uns aus falsch verstandener Loyalität Israel gegenüber zum Komplizen eines weiteren Völkermords machen.
derbadener 12.05.2015
3. immer die selber
Leier. Wenn die wissen wollen wie Antisemitismus entsteht sollte sie gut aufpassen , nämlich genau so. Für mich ist das sogar gewollt, so kann man auch noch den nächsten gleichfalls unbeteiligten Generation alles abverlangen.
wasnulos 12.05.2015
4. Sorry,
ich kann nicht erkennen was daran antisemitisch sein sollte wenn man der Politik Israels skeptisch gegenüber steht? Liebe Grüße Wasnu
fafnir 12.05.2015
5. Für immer verbunden,
als unkritischer und immer unterstützender befreundeter Staat. Egal was Israel macht, Kriegsverbrechen, UN Resulutionen mit Füssen treten, in besetzten Gebieten siedeln, Wasser stehlen, Mauern bauen, die Shoa rechtfertigt jede Unterstützung. Und wer dagegen opponiert ist ein Antisemit. Na Bravo! Gerade das unermessliche Leid das in deutschen Namen hervorgebracht wurde muss uns veranlassen auch (und eigendlich exact) dem jüdischen Staat auf die Finger zu hauen.
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