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Streit über Bombergate: IT-Abteilung der Piratenpartei tritt in Warnstreik

Flagge der Piratenpartei für den Europawahlkampf: IT-Abteilung im #Orgastreik Zur Großansicht
DPA

Flagge der Piratenpartei für den Europawahlkampf: IT-Abteilung im #Orgastreik

Die digitale Infrastruktur der Piratenpartei ist weitgehend lahmgelegt. Die IT-Abteilung der Partei ist in den Warnstreik getreten. Sie protestiert damit gegen die Diskussionskultur bei den Freibeutern. Auslöser ist offenbar der Streit ums #Bombergate.

Hamburg - Die Piratenpartei ist stolz auf ihre digitale Infrastruktur. Da gibt es Mailinglisten, Mumble-Systeme für Audio-Chats, das Wiki und die Etherpads. Doch seit Freitagmorgen sind große Teile davon lahmgelegt. Teile der Verwaltung und Technik der Piratenpartei sind in einen Warnstreik getreten.

Die IT-Abteilung protestiert damit gegen die internen Streitigkeiten innerhalb der Partei. "Wir hatten einen Deal: Wir halten euch den Rücken frei von Verwaltungskram, und ihr macht gute Politik. Dieser Deal wurde einseitig gekündigt", schreiben die Streikenden in einer Erklärung auf der Webseite der Partei.

Auslöser des aktuellen Konflikts ist offenbar das sogenannte #Bombergate. Am 13. Februar hatten zwei Frauen barbusig in Dresden posiert. Sie dankten mit ihrer Aktion Bomber Harris, dem General der Britischen Luftwaffe, der das Flächenbombardement auf Dresden im Februar 1945 befehligte, bei dem mehr als 20.000 Menschen starben. Eine der Frauen soll die Piratenpolitikerin Anne Helm aus Berlin sein, die für das Europaparlament kandidiert. Seither streitet die Partei öffentlich über die Aktion.

Debatte um #Orgastreik

Indirekt nehmen auch die Streikenden darauf Bezug: "Wir erwarten vom Bundesvorstand eine deutliche Distanzierung von Aktionen, die gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung verstoßen", schreiben sie. "Es mag euch überraschen, aber es gibt in dieser Partei keine Flügel namens 'geschichtsvergessene Liberal-Nazis' oder 'totalitäre Linksfaschisten'."

Unter dem Hashtag #Orgastreik diskutiert die Piratenbasis über die Aktion der IT-Abteilung. Manche äußern Verständnis für den Frust der Techniker, andere sind empört. Die aktuellen Reaktionen finden sie hier:

Tweets zum #Orgastreik

syd

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insgesamt 25 Beiträge
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1. Offene Debatten sind wichtig
NauMax 21.02.2014
Aber manche Aktionen sind einfach so daneben, dass man eigentlich nicht debattieren muss. #Bombergate ist ein klassischer Fall, wo dies zutrifft! Wir prangern den Faschismus schon dadurch an, dass wir den Menschen gedenken, die ihm zum Opfer gefallen sind, seien es nun Polen, Russen, Juden (aller Nationalitäten), Franzosen, Briten, Italiener, Amerikaner oder auch Deutsche. Da muss man nicht auch noch den General verehren, der die Bombardierung von Städten ohne jeglichen militärischen oder industriellen Wert als adäquates Mittel der Kriegsführung betrachtete. Eigentlich müssten die Piraten die Kandidatin abberufen, um eine weitere Imageschädigung abzuwenden.
2. Halt die dumpen Piraten
redbayer 21.02.2014
deren Hauptanliegen es ist, sich selbst zu zerstören. Niemals in der Geschichte hatte eine Partei mit einem Thema (hier Internet, Informationsgesellschaft etc.) eine solche Steilvorlage bekommen wie die Snowden Enthüllungen mit der Totalüberwachung und Manipulation der Kommunikation durch NSA und deren Vasallen. Und das einzige was den Piraten dazu einfällt, ist die Beschäftigung mit der Vergangenheit, ob es gut war Deutschland flächendeckend zu bombadieren oder nicht. Dabei hat das die Geschichte schon längst positiv beantwortet. Hier auf einer Anne Helm rumzuhacken, ist schon fast reaktionär. Geht doch mal ins europäische Ausland z. B. England und fragt jeden Bürger, ob er es richtig oder falsch findet oder fand, dass Deutschland und Dresden flächendeckend bombadiert wurde. Ihr werdet niemanden finden, der das nicht begrüßt hat. Warum darf sich Anne dem nicht anschließen?
3. Das ist kein Streik, sondern Druckausübung
teutoniar 21.02.2014
Das ist kein Streik, sondern Druckausübung der Mächtigen, die Macht über die IT in der Piratenpartei haben und diese auch ausnutzen, weil sie es können. Diese Leuten drohen hoffentlich kräftige Ordnungsmaßnahmen bis vielleicht hin zum Parteiausschluss. Solche Druckausüber braucht niemand in keiner Partei.
4. optional
mightyschneider 21.02.2014
Die Verherrlichung von Massenmorden ist nicht jedermanns Sache. Ich bin positiv überrascht über diesen Funken an Vernunft bei den Piraten. Warum eine Dame, die offen den Massenmord an deutschen Menschen verherrlicht, unbedingt in Deutschland leben muss und hier sogar noch Politik macht, bleibt mir hingegen unbegreiflich.
5. Wem gehoert das Netz
baerks 21.02.2014
Die "Streikenden" tun jetzt gerade das, was - theoretisch - ueber jedem Nutzer zentralisierter Dienste als Damoklesschwert haengt: Nicht nur Private, wie Facebook oder Twitter, koennen, das sie die Herrschaft ueber die Server besitzen, jederzeit den Stecker ziehen, auch die IT-Abteilung der Piratenpartei verfuegt ueber diese Macht und nutzt sie derzeit. Es ist also hoechste Zeit, dass wieder dezentrale Dienste, die niemandem gehoeren und die niemand abschalten kann, ins Blickfeld ruecken. Und das, als das das "Internet" mal gedacht war: als Ort freien Austauschs von Wissen und Ideen. Hint: free.de.piratenpartei existiert - und tausende andere "Newsgroups" auf hunderten Newsservern. Faellt einer aus, niemmt man den naechsten.
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