Ivanka Trump in Berlin Eine (fast) perfekte Show

Die Kanzlerin hat Ivanka Trump beim Frauengipfel in Berlin getroffen. Die deutsche Seite hofft wohl auf einen besseren Kanal zum US-Präsidenten. Im Publikum gab es auch Unmut.


Am Morgen mit dem Linienflieger in Berlin-Tegel gelandet, ein schneller Besuch in der amerikanischen Botschaft am Pariser Platz, und kurze Zeit später kommt Ivanka Trump, Lieblingstochter des US-Präsidenten, im Berliner Nobelhotel Intercontinental an. Hier findet an diesem Dienstag eine hochkarätig besetzte W20-Konferenz zur Stärkung von Frauen in der Wirtschaft statt.

Genau um 13 Uhr dann nimmt Ivanka Trump Platz auf dem Podium, sehr aufrecht sitzend, im blau gemusterten Kleid, im Publikum Dutzende erfolgreiche Wirtschaftsfrauen. Rechts neben der 35-Jährigen die kanadische Außenministerin Chrystia Freeland, links IWF-Chefin Christine Lagarde, einen Platz weiter Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Ivanka Trump inmitten der mächtigsten Frauen der Welt.

Vor sechs Wochen lernten sich Ivanka Trump und Merkel in Washington kennen

Dass sie hier ist, liegt auch an Merkel. Zwar wies die Bundesregierung extra darauf hin, dass die Einladung zur Teilnahme an dem Frauengipfel nicht von der Kanzlerin, sondern vom Verband der Unternehmerinnen gekommen sei - allerdings auf einen "Wink" der Bundesregierung hin. Eingefädelt hat den Termin also Merkel: Als sie vor sechs Wochen bei US-Präsident Donald Trump in Washington war und dort die First Daughter, inzwischen offiziell Beraterin des US-Präsidenten im Weißen Haus, kennenlernte.

Ivanka Trump saß bei einem Termin im Weißen Haus neben Merkel, was diese zunächst irritiert zur Kenntnis nahm. Aber dann sah die Kanzlerin wohl, dass der Kontakt enorme Chancen birgt. Merkel messe der Diskussion mit der Präsidententochter große Bedeutung bei, sagte Vizeregierungssprecher Georg Streiter am Montag.

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Women20 Summit: Die First Daughter in Berlin

Noch immer sucht die deutsche Politik nach Kontakten in die Trump-Regierung, auf vielen Ebenen hakelt die Zusammenarbeit. Und die Tochter kann der Schlüssel sein, dem US-Präsidenten näherzukommen - oder die deutsche Sicht über Umwege näherzubringen. Sie gilt als die engste Vertraute des Präsidenten und als eine Art Antithese zu ihrem Vater. Anders als er ist sie immer beherrscht, immer höflich.

Dass Merkel Trump zum Treffen der mächtigen Frauen nach Berlin holte, war auch ein psychologischer Schachzug. Sie wertete damit die internationale Bedeutung des Gipfels auf. Beim US-Präsidenten jedenfalls scheint die Charmeoffensive aus Berlin verfangen zu haben. "Wir hatten eine unglaubliche Chemie", verkündete Donald Trump jüngst zur Begegnung mit der Kanzlerin. Am Montag schließlich telefonierten Merkel und der US-Präsident zum wiederholten Mal miteinander.

Nur Harmonie, nur schöne Bilder aber gibt es für Ivanka Trump in Berlin nicht - sondern sie muss gleich zu Beginn der Podiumsdiskussion kritische Fragen beantworten. In Deutschland sei man ja mit dem Konzept der "First Daughter" nicht so vertraut. Was denn nun ihre Rolle sei, will die Moderatorin Miriam Meckel wissen. Ihren Vater zu repräsentieren, das amerikanische Volk oder das "Business", das Unternehmen Trumps also?

Falls sich Trump über diese Fragen ärgert, lässt sie es sich jedenfalls nicht anmerken. Sie antwortet gleichbleibend freundlich. Sie sei selbst noch auf der Suche, wie genau ihre Rolle aussehen solle, sagt sie und dankt Merkel dafür, dass sie nun hier sein könne. Sie lerne und höre zu. Die Erfahrungen und das Wissen, das sie in Berlin gesammelt habe, wolle sie zurück in die Vereinigten Staaten, "zu meinem Vater, zum US-Präsidenten" bringen.

Wie groß genau der Einfluss der Tochter auf ihren Vater ist, ob sie mäßigend auf ihn einwirkt oder in Wahrheit nur seine sanfter auftretende Komplizin ist, die wirtschaftlichen Schaden von den Familienunternehmen abwenden will, darüber rätseln Beobachter.

In Berlin, beim Frauengipfel, wird klar: Ivanka Trump nutzt ihren Auftritt als Botschafterin ihre Vaters, macht Werbung, auch wenn sie gar nicht nach ihm gefragt wird. Sie sei sehr stolz auf ihn, er sei ein großer Verfechter und Unterstützer von Familien und Frauen, sagt sie zum Beispiel - das Publikum quittiert diese Äußerung mit Geraune, ein leiser Buhruf ist zu hören.

Als Moderatorin Meckel auf frauenfeindliche Bemerkungen des US-Präsidenten hinweist, verkündet Trump: Sie habe "die Kritik in den Medien" gehört. Sie sagt es, als ob es nur die Medien waren und nicht auch Zehntausende Bürger, die gegen den Sexismus des Republikaners protestierten. Auch an dieser Stelle gibt es Unruhe unter den Zuschauern.

Sie habe die "Kritik der Medien" gehört

Ihr Vater sei "fest davon überzeugt, dass Frauen das Potenzial und das Können besitzen, den Job genauso gut wie Männer zu erledigen", behauptet die Präsidententochter. "Die Tausenden von Frauen, die über Jahrzehnte im Privatsektor für meinen Vater gearbeitet haben, legen davon Zeugnis ab."

Überraschend ist diese Rhetorik nicht: Ivanka Trump spielt ihre Rolle wie vorgesehen und wie sie es schon im Wahlkampf getan hat: Sie als moderne Frau, arbeitende Mutter, Cum-laude-Universitätsabsolventin, ist für Trump Senior eine Art Wunderwaffe, die immer dann aktiv werden soll, wenn sich ihr Vater mal wieder abfällig und sexistisch über Frauen geäußert hat. "Unangemessen und beleidigend" nannte Ivanka Trump zwar einmal die Kommentare ihres Vaters, um gleichzeitig für ihn einzuspringen: "Was mich beruhigt, ist, dass ich meinen Vater kenne."

"Ivanka gelingt das Kunststück, ihren Vater als Idol darzustellen, sich gleichzeitig aber als unabhängige Person zu definieren, in Abgrenzung zu ihm, und ihn dennoch zu loben", heißt es in einem SPIEGEL-Porträt über die Präsidententochter und deren Ehemann, den ebenfalls höchst einflussreichen Berater Jared Kushner.

Sie rede immer sehr offen mit ihrem Vater, erklärte Ivanka Trump jüngst einmal. Was sie ihm wohl aus Berlin vom Frauengipfel berichtet?

Sie selbst betont jedenfalls am Ende der Veranstaltung, wie toll und wichtig sie es finde, wenn man sich über unterschiedliche Positionen respektvoll austausche. Das solle man auch weiter tun.

Mal sehen, ob sich das bemerkbar macht. Im Mai wird der US-Präsident zum G7-Gipfel nach Sizilien reisen, im Juli zum G20-Gipfel nach Hamburg.

Mitarbeit: Lea Utz

insgesamt 163 Beiträge
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Seite 1
Teilzeitalleinerzieherin 25.04.2017
1. was genau hat die Dame eigentlich aus eigener Kraft erreicht?
Sie ist von Beruf Tochter und selbst ihr Vater gründete sein Vermögen auf dem seines Vaters. Kein Vorbild - im Gegenteil.
Henk-van-Dijk 25.04.2017
2.
... sich gleichzeitig aber als unabhängige Person zu definieren, in Abgrenzung zu ihm, und ihn dennoch zu loben" Für die einen ist es ein Kunststück, für die anderen einfach nur Opportunismus. :/
blueberryhh 25.04.2017
3.
man mag ja von ihr halten, was man will... aber ich finde es schon ganz schön mutig von ihr hier her zu kommen.
Atheist_Crusader 25.04.2017
4.
"Nur Harmonie, nur schöne Bilder aber gibt es für Ivanka in Berlin nicht - sondern sie muss gleich zu Beginn der Podiumsdiskussion kritische Fragen beantworten. In Deutschland sei man ja mit dem "Konzept der First Daughter" nicht so vertraut." Das ist man in den USA auch nicht. Oder in sonst einem ansatzweise fortschrittlichen Land. Sonderposten für Familienmitglieder sind was für korrupte Diktaturen und Monarchien.
Atheist_Crusader 25.04.2017
5.
Zitat von TeilzeitalleinerzieherinSie ist von Beruf Tochter und selbst ihr Vater gründete sein Vermögen auf dem seines Vaters. Kein Vorbild - im Gegenteil.
In einem ihrer Bücher wagt sie sogar die These, dass sie es nicht besser gehabt hätte, als eine Tochter aus einer ganz normalen Familie. Weil jeder in ihr nur den großen Familiennamen sehen würde. Armes, armes Kind. Millionen amerikanische Mädchen die sich mit zwei, drei Jobs durch Studium kämpfen und am Ende immer noch vierstellige Schulden haben, würden sicher gerne mit ihr tauschen.
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