Details zur Flucht Terrorverdächtiger Albakr wohl zweimal der Polizei entwischt

Brisante Details im Fall des mutmaßlichen Terroristen Albakr: Bei seiner Flucht konnte er offenbar zweimal der Polizei entwischen. Ein Hotel in Berlin hatte die Ermittler auf seine Spur geführt.

Jaber Albakr
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Die Flucht des mutmaßlichen Terroristen Jaber Albakr, 22, war offenbar dramatischer als bislang bekannt. Als der Syrer am 8. Oktober um kurz nach sieben Uhr morgens aus einer Haustür einer Plattenbausiedlung in Chemnitzer trat, stieß er zweimal auf Polizeikräfte. Dies erfuhr der SPIEGEL aus Sicherheitskreisen.

Auf der Straße traf er demnach auf zwei Polizeibeamte, die sich nicht einig darüber waren, wen sie vor sich hatten. Einer von ihnen glaubte, Albakr zu erkennen, von dem die Beamten Fotos gesehen hatten. Der Kollege glaubte das nicht. Albakr konnte ungehindert weitergehen.

Ganz in der Nähe traf Albakr dann erneut auf Polizeikräfte. Diesmal gab es offenbar keinen Zweifel. Die Beamten, die vorgewarnt waren, dass der Gesuchte eine Sprengstoffweste tragen könnte, handelten vorsichtig. Sie riefen dem mutmaßlichen Attentäter auf Deutsch und Englisch zu, er solle sich auf den Boden legen. "No, no, no", habe Albakr daraufhin gerufen und sich trotz eines Warnschusses hinter einem Auto versteckt. Von dort sei er schließlich entkommen.

Bei der Identifizierung des Syrers hatte ein Berliner Hotel offenbar eine entscheidende Rolle gespielt. Ausländische Nachrichtendienste wiesen die deutschen Behörden im September wiederholt auf mögliche Terroranschläge auf Verkehrsknotenpunkte hin.

Auch ein Vorname tauchte irgendwann in den Meldungen auf: "Jaber." Um wen es sich dabei handelt, war zunächst allerdings nicht bekannt. Eine Telefonnummer führte das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) schließlich zu Khalid A., dem inzwischen inhaftierten Mieter der Wohnung in Chemnitz, in der die Polizei etwa 1,5 Kilo des Sprengstoffs TATP sicherstellen sollte. Die Behörden hörten Khalid A. daraufhin ab.

Gescheiterter Zugriff in Chemnitz

Der entscheidende Hinweis auf Albakr erreicht das Bundesamt für Verfassungsschutz erst kurz vor dem gescheiterten Zugriff in Chemnitz. Der mutmaßliche Attentäter habe ein Hotelzimmer in Berlin gebucht, hieß es nun. Bei der Überprüfung stellten die Beamten fest, dass Albakr tatsächlich seinen eigenen Namen bei der Reservierung angegeben hatte.

Damit war der Gesuchte enttarnt: Ein Auszug im Ausländerzentralregister enthielt ein Foto des Syrers, und die Umstände unter denen er 2015 als Flüchtling nach Deutschland kam. Die Funkzellenauswertung führte die Beamten schließlich in die Plattenbausiedlung in Chemnitz.

Die Anschlagsplanung von Albakr war womöglich bereits weit fortgeschritten. Eine Videokamera zeichnete den Syrer am Flughafen Berlin Tegel auf. Die Ermittler gehen davon aus, dass er dort war, um ihn auszuspähen. Auf zwei Berliner Flughäfen als mögliche Anschlagsziele hatte auch ein US-Nachrichtendienst hingewiesen. Nach einem Bericht des Magazins "Stern" gibt es möglicherweise sogar weitere Verdächtige.

Jaber Albakr wurde festgenommen, nachdem drei Landsleute ihn in ihrer Wohnung überwältigt hatten. In der vergangenen Woche hat er sich in seiner Gefängniszelle erhängt.

Im Video: Leiter der JVA Leipzig zu Albakrs Suizid

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