Mutmaßlicher IS-Terrorist Razzia bei Albakrs Geldboten

Auf der Suche nach Helfern von Jaber Albakr hat die Polizei in Nordrhein-Westfalen Wohnungen von vier Männern durchsucht. Sie sollen den mutmaßlichen IS-Terroristen mit Geld versorgt haben. Noch gelten sie als Zeugen.

Mutmaßlicher IS-Terrorist Albakr
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Mutmaßlicher IS-Terrorist Albakr

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Die Bundesanwaltschaft hat bei ihrer Suche nach Komplizen des mutmaßlichen IS-Terroristen Jaber Albakr die Gangart verschärft. Nach SPIEGEL-Informationen laufen seit dem frühen Morgen Durchsuchungen an den Wohnsitzen von vier Männern in Nordrhein-Westfalen.

Konkret soll es sich bei den Verdächtigen um die Brüder Mohammed und Abdullah S., Muhammed Nour Al-F. und seinen Bruder Mustafa Al-F. handeln. Alle vier sind syrische Staatsangehörige. Sie sollen Albakr als sogenannte Hawala-Banker etwas über 2000 Euro zukommen lassen haben. Die Ermittler versuchen nun herauszufinden, ob Albakr das Geld womöglich von seinen Auftraggebern beim "Islamischen Staat" geschickt wurde.

Allerdings sind die Erkenntnisse offenbar noch dünn - auch was die Frage angeht, ob die vier Männer wussten, wofür sie Albakr das Geld zukommen ließen und in wessen Auftrag. Formal werden sie bislang als Zeugen geführt, nicht als Beschuldigte. Festgenommen wurde keiner von ihnen.

Der Suche nach möglichen Komplizen liegen bislang vor allem Aussagen von Khalil A. zugrunde, einem Syrer, der Albakr seine Wohnung in Chemnitz überlassen hatte. Dort soll Albakr die Zutaten für einen Sprengsatz zusammengemischt haben. Spätere Ermittlungen zeigten, dass Albakr womöglich einen Anschlag auf den Flughafen Berlin Tegel geplant hatte.

Albakr war Anfang Oktober aufgeflogen, war dann aber einem Zugriffsversuch durch die sächsische Polizei entkommen. Syrische Flüchtlinge, bei denen er Schutz gesucht hatte, hatten ihn schließlich überwältigt und der Polizei übergeben. Wenige Tage später erhängte Albakr sich selbst in der Untersuchungshaft.

Khalil A. war ursprünglich verdächtigt worden, Albakr bewusst bei der Vorbereitung eines Anschlags geholfen zu haben. In seinen Vernehmungen legte er aber offenbar glaubhaft dar, von den mutmaßlichen Anschlagsvorbereitungen in seiner Wohnung nichts mitbekommen zu haben. Er sei demnach nie in der Wohnung gewesen, während Albakr dort wohnte, sondern sei in der Zeit bei seinem Bruder untergekommen.

A. machte während seiner Untersuchungshaft auch ausführliche Angaben über mögliche finanzielle Unterstützer Albakrs, die ihn beauftragt hatten, Albakr mit Geld zu versorgen. Diese führte nun zu den Razzien in Nordrhein-Westfalen. Zuerst hatte im Oktober der "Stern" berichtet, dass A. Hinweise auf einen "Abou Nur" gegeben habe.

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