Neuseelands Premier in Berlin Krass, die Frau macht ihren Job! Schwanger!

Klimaschutz, Wohnungsbau, Handel mit Europa: Für diese Politik steht Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern. Warum wird diese Frau also immer nur auf ein Thema reduziert?

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Jacinda Ardern, Premierministerin von Neuseeland, erklärt gern auf Facebook, was sich in ihrem politischen Leben so tut: "Voller Tag in Paris. Habe mich zuerst mit französischen Firmen getroffen, die in Neuseeland investieren wollen, dann ein Treffen mit Präsident Macron gehabt, um das Potenzial eines EU-Neuseeland-Freihandelsabkommens (sieht gut aus!), den Klimawandel, den Pazifik und die Sicherheit zu besprechen."

Sie zeigt: Man kann als Politiker in Regierungsverantwortung auch unaufgeregt auf Social Media kommunizieren. Ob das in anderen Hauptstädten, zum Beispiel Washington D.C., registriert wird, darf bezweifelt werden. Am Dienstag besucht Ardern Kanzlerin Angela Merkel in Berlin.

Ardern ist nicht nur die jüngste Regierungschefin weltweit, die 37-Jährige erwartet auch ein Kind, sie ist im siebten Monat schwanger. Nur eine Politikerin vor ihr hat als Regierungschefin ein Kind zur Welt gebracht: die damalige pakistanische Premierministerin Benazir Bhutto, die 1990 eine Tochter bekam.

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Regierungschefin Ardern: Dienstreisen mit Babybauch

Auch ohne Schwangerschaft und Jugend geht es bei Frauen in der Politik irritierend oft um Äußerlichkeiten. In Deutschland etwa um Angela Merkels Blazer, oder Sahra Wagenknechts Frisur. In einem Gespräch mit der "Times" sagte Ardern, sie überlege oft, warum bei Frauen in Führungspositionen über solch trivialen Dinge berichtet wird. "Ich weiß, dass viele Menschen sich nur an mich erinnern werden, weil ich eine Frau bin und ein Kind im Amt bekommen habe. Ich verstehe das auch", sagte sie. Sie wolle nur nicht, dass das die einzigen Dinge bleiben, für die man sie kenne.

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Ardern ist seit Oktober vergangenen Jahres im Amt. Noch vor einem Jahr schien das höchst unwahrscheinlich. Damals war sie noch die Vizechefin der Labour-Party in Neuseeland.

Im August des vergangenen Jahres trat der damalige Vorsitzende und Oppositionsführer der Labour-Party, Andrew Little, zurück. Er war in Umfragen abgeschlagen, die Aussichten waren nicht gut. Doch der Wechsel an der Parteispitze löste einen Stimmungswandel aus. Arderns Wahlspruch: "Let's do this". Übersetzen könnte man ihn mit: "Los, das packen wir jetzt an".

Ardern will neu gestalten. Vor wenigen Tagen hat sie eine Reform in der Klimapolitik angekündigt. Neuseeland werde keine neuen Genehmigungen zur Erkundung von Öl- und Gasgebieten erteilen. Allerdings sind bereits erteilte Genehmigungen, die zum Teil bis 2030 gelten, nicht von der Maßnahme betroffen. Ihr Ziel sei es, so Ardern, dass Neuseeland seinen Strom bis 2035 ausschließlich aus erneuerbaren Quellen erzeugt. Die Ölindustrie in Neuseeland reagierte mit Kritik auf den Vorstoß der Regierung.

Sie weiß, was sie von der EU will

Neben dem Klimaschutz hat Ardern die Frauenrechte zu einem ihrer Kernthemen erklärt, und beispielsweise die bezahlte Elternzeit in Neuseeland von 18 auf 22 Wochen erhöht. Sie selbst hat übrigens dennoch vor, nur sechs Wochen in Elternzeit zu gehen. Danach wird sich ihr Partner hauptsächlich um das Kind kümmern.

Der neuseeländischen Plattform "Politik" erklärte Ardern, sie wolle mutige Politik machen. "Einen Regionalfonds mit einer Milliarde Dollar auszustatten, ist mutig. Zu sagen, dass wir 100.000 Häuser bauen werden, ist mutig", sagte sie.

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Regierungschefin Ardern: Dienstreisen mit Babybauch

In Berlin wird es auch um das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Neuseeland gehen. Ardern weiß, was sie will: Bewegung beim Handel. Für Neuseeland ist die EU nach Australien der wichtigste Handelspartner. Auch in Paris hatte Ardern dafür geworben. Das Abkommen könne ein Beispiel für fortschrittlichen und inklusiven Handel sein, sagte sie. Beste Chancen also, nicht nur für eine Schwangerschaft im Amt bekannt zu bleiben.

Mit Material der Agenturen

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