Jagd auf Osama Bin Laden USA steuerten Drohnen in Afghanistan von Ramstein aus

Bei der Jagd auf Al-Qaida-Chef Osama Bin Laden soll die US-Armee Drohnen eingesetzt haben, die von Ramstein aus gesteuert wurden. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Die Bundesregierung habe davon anscheinend nichts gewusst.

Drohne vom Typ Predator: Gesteuert von Ramstein aus (Archivbild)
DPA

Drohne vom Typ Predator: Gesteuert von Ramstein aus (Archivbild)


Washington - Die US-Armee soll von Deutschland aus Drohneneinsätze gegen den Terror-Anführer Osama Bin Laden geflogen haben - anscheinend ohne das Wissen der Bundesregierung. Das meldet die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf US-Offiziere, die nach eigenen Angaben an den Einsätzen beteiligt waren. Die US-Soldaten sollen die damals noch unbewaffneten Drohnen vom rheinland-pfälzischen US-Stützpunkt Ramstein aus gesteuert haben.

Die Einsätze begannen anscheinend im Jahr 2000. Bin Laden war seit den Anschlägen auf die US-Botschaften in Tansania und Kenia untergetaucht, der amerikanische Geheimdienst vermutete ihn in Afghanistan. Die Fluggeräte vom Typ Predator seien im nördlichen Nachbarland Usbekistan gestartet worden, heißt es in dem Zeitungsbericht. Schon wenige Tage nach den ersten Einsätzen hätten die Drohnenpiloten den Terroristen entdeckt.

Schon damals habe man darüber nachgedacht, die Drohnen mit Raketen zu bestücken, doch Juristen des US-Verteidigungsministeriums hätten Bedenken geäußert: Sollte ein Drohnenpilot von Ramstein aus ohne die Zustimmung der deutschen Regierung eine Rakete abschießen, würden die Vereinigten Staaten gegen das Truppenstationierungsabkommen verstoßen.

Ramstein als Satelliten-Relais-Station

Von den USA aus habe man die Drohnen nicht steuern könne, so die "Süddeutsche Zeitung", weil dafür eine direkte Satellitenverbindung nötig gewesen wäre. Das Problem sei schließlich gelöst worden, indem das Signal der Drohnen erst per Satellit nach Deutschland und dann über ein Glasfaserkabel in die USA gesendet wurde - eine Methode, die wohl noch immer genutzt wird.

Ein Sprecher der Bundesregierung sagte der "Süddeutschen Zeitung", Washington habe gegenüber Berlin bestätigt, dass von amerikanischen Stützpunkten in Deutschland bewaffnete Drohnen derzeit "weder geflogen noch befehligt werden". Ob die Regierung wusste, dass in der Vergangenheit Drohnenpiloten in Ramstein eingesetzt waren, ließ er offen.

Die "Süddeutsche Zeitung" und das ARD-Magazin "Panorama" hatten erstmals im Mai 2013 über Drohnenpiloten in Ramstein berichtet.

vet/dpa

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