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Rücktritt von CSU-Politiker Kreidl: Die teure Sause des Provinzfürsten

Von , München

Seine Geburtstagsfeier kostete rund 120.000 Euro, die Zeche zahlten vor allem die örtliche Sparkasse und der Landkreis Miesbach. Nun legt CSU-Landrat Jakob Kreidl sein Amt als Präsident des Bayerischen Landkreistags nieder. Chronik einer Provinzaffäre.

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CSU-Politiker Kreidl: "Wertvolle Gespräche und Eindrücke"

Es muss ein besonderes Fest gewesen sein. Jakob Kreidl hat die Feier zu seinem 60. Geburtstag im Sommer 2012 jedenfalls noch heute "in guter Erinnerung". Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) war da, Kardinal Reinhard Marx gehörte zu den Gratulanten. Eine "Veranstaltung mit vielen wertvollen Gesprächen und Eindrücken", so schreibt es der Miesbacher Landrat und CSU-Politiker in einem Brief, den er an diesem Freitag an alle bayerischen Landräte schickte.

Es ist aber weniger Nostalgie, die den 61-Jährigen zu dem Schreiben veranlasste, es geht vielmehr um persönliche Konsequenzen: Kreidl kündigte in dem Brief seinen Rücktritt als Präsident des Bayerischen Landkreistags mit sofortiger Wirkung an. Er wolle damit "Schaden vom Bayerischen Landkreistag abwenden". Denn so schön die Geburtstagssause im Schlierseer Bauernhofmuseum für ihn auch gewesen sein mag, zuletzt wurden ein paar weniger hübsche Details bekannt - je mehr davon öffentlich wurde, desto stärker geriet Kreidl unter Druck.

Ein Fall der "Kundenbindung" für die Sparkasse

Rund 120.000 Euro hatte die Feier gekostet. Wie praktisch für Kreidl, dass er dafür nicht allzu tief in die Tasche greifen musste. Den größten Teil übernahmen nämlich die Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee und der Landkreis Miesbach. Auf Anfrage der "Süddeutschen Zeitung" hatte die Bank zuletzt erklärt, 77.000 Euro bezahlt zu haben.

Die öffentliche Erklärung des Vorstandschefs des Kreditinstituts: Unter den 350 Gästen der Feier seien auch Kunden der Sparkasse gewesen, bei dem Fest habe es sich damit um eine Art "Kundenbindung" gehandelt. "Wann kommt man als Kunde schon einmal mit dem Ministerpräsidenten und dem Kardinal zusammen?" Der Landkreis übernahm der Zeitung zufolge weitere 33.200 Euro. Kreidls Anteil fiel überschaubar aus: Er hatte zuletzt von Kosten in Höhe von 7600 Euro gesprochen.

Diese merkwürdigen finanziellen Aufteilung für seine Geburtstagsfeier hielt Kreidl damals für unproblematisch. Heute jedoch erkenne er, dass diese Kostenübernahme durch die Bank und den Landkreis falsch gewesen sei. Zwar sei er "nicht Ausrichter der Feier" gewesen, hätte sich aber dennoch "aktiv in die Organisation einmischen müssen". Dies bedauere er, so Kreidl.

"Logische Konsequenz"

Zuletzt waren auch Parteifreunde auf Distanz zu Kreidl gegangen. So hatte etwa Seehofer einen geplanten Wahlkampfauftritt in Miesbach mit dem Landrat abgesagt.

Wie groß das Unbehagen im Bayerischen Landkreistag über das Verhalten des eigenen Präsidenten gewesen sein muss, machte eine Erklärung des kommunalen Verbands nach dem Rücktritt Kreidls deutlich: Die Entscheidung Kreidls sei "die logische Konsequenz aus verschiedenen Fehleinschätzungen", erklärte Roland Schwing, Vizepräsident des Bayerischen Landkreistags am Freitag. Man nehme den Schritt "mit großem Respekt zur Kenntnis".

Von seinem Posten als Landrat will Kreidl allerdings nicht weichen, auch wenn seine Wiederwahl im März bei der Kommunalwahl angesichts der gesponserten Geburtstagsfeier und weiterer Patzer als praktisch ausgeschlossen gilt. Er sei nach "reiflicher Überlegung" zu dem Schluss gekommen, dass er künftig seine "ganze Kraft" dem Landkreis Miesbach widmen wolle, schreibt Kreidl in seinem Brief. Für seine Heimat habe er "einige - so hoffe ich - positive Impulse setzen" können.

Einige seiner ganz persönlichen Impulse haben ihn sogar über Miesbach hinaus bekanntgemacht: So war Kreidl in die sogenannte Verwandtenaffäre verstrickt, er hatte seine Frau jahrelang als Bürokraft auf Kosten des Steuerzahlers beschäftigt. Im April vergangenen Jahres hatte er "eine Vielzahl an Fehlern" in seiner Doktorarbeit eingeräumt und auf das Führen des Doktorgrads verzichtet - im vergangenen Dezember entzog ihm die Universität der Bundeswehr München den Doktorgrad.

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insgesamt 104 Beiträge
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1. Spd, cdu, csu
macaw 14.02.2014
Nur Betrüger, Schnorrer und Kriminelle
2. ohne Worte
meisterpopper 14.02.2014
oder s. Statement zu Friedrich. Man bekommt den Eindruck, dass eine alte Redewendung in Bezug auf die heutigen Politiker sehr treffend ist : Alle in einen Sack stecken und kräftig draufschlagen - man trifft IMMER den Richtigen.
3.
joachim_m. 14.02.2014
Ja, ja, die CSU: Sich über angebliche Sozialschmartzer aus Bulgarien und Rumänien aufregen ...
4. Maßlosigkeit...
seikor 14.02.2014
und daraus folgende Politikverdrossenheit in der Bevölkerung. Politik als Selbstbedienungsladen, vgl. Diätenerhöhung... Und bei der nächsten Wahl wieder über die niedrige Beteiligung jammern?
5.
Steuerzahler0815 14.02.2014
Es ist doch eine der Aufgabe der Stadtsparkassen das Stadtleben zu fördern
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