Umfrage Zustimmung zu Jamaika-Koalition bricht ein

Die Mehrheit der Deutschen bewertet ein Bündnis von Union, FDP und Grünen als "weniger gut" beziehungsweise "schlecht". Das ergibt der aktuelle ARD-Deutschlandtrend. Im Oktober sah das noch anders aus.

FDP-Kollegen Beer, Lindner, Kubicki mit Grünen-Fraktionsvorsitzenden Göring-Eckardt (2. v. r.),
DPA

FDP-Kollegen Beer, Lindner, Kubicki mit Grünen-Fraktionsvorsitzenden Göring-Eckardt (2. v. r.),


Zwölf Prozent weniger: Einen Monat nach dem Start der Jamaika-Sondierungen ist die Zustimmung innerhalb der Bevölkerung für ein solches Bündnis deutlich zurückgegangen. Dem aktuellen ARD-Deutschlandtrend zufolge bewertet derzeit nur noch eine Minderheit von 45 Prozent der Befragten eine solche Koalition als "gut" oder "sehr gut". 52 Prozent bewerten ein Jamaika-Bündnis inzwischen als "weniger gut" beziehungsweise "schlecht". Zuletzt waren die Zahlen im Oktober erhoben worden.

Besonders stark sank die Zustimmung bei den Grünen-Anhängern von 76 auf jetzt nur noch 55 Prozent. Bei den FDP-Wählern ging sie von 80 auf 71 Prozent zurück, bei den Unions-Anhängern von 72 auf 70 Prozent. Dass eine Jamaika-Koalition kommt, glauben aber immer noch mehr als zwei Drittel (68 Prozent) der Befragten. (Lesen Sie hier, wer welche Rolle bei den Sondierungsgesprächen spielt.)

Auch die Jamaika-Chefunterhändler von Union und FDP verlieren an Zustimmung in der Bevölkerung. So büßt Bundeskanzlerin Angela Merkel im Vergleich zum Vormonat sechs Punkte ein. Die CDU-Chefin kommt jetzt auf 57 Prozent. FDP-Partei- und Fraktionschef Christian Lindner verliert drei Punkte und erreicht 45 Prozent Zustimmung. Der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer erreicht jetzt nur noch 28 Prozent (minus acht Prozent).

Um einen Punkt zulegen kann hingegen Grünen-Chef Cem Özdemir, der jetzt einen Beliebtheitswert von 54 Prozent erreicht und damit knapp hinter Merkel rangiert. Auch Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt legt zu - um drei Punkte auf 32 Prozent. Für den Deutschlandtrend wurden zwischen dem 06. und 07. November 1005 Menschen befragt. Die Fehlertoleranz liegt zwischen 1,4 und 3,1 Prozent.

Beliebtester deutscher Politiker bleibt demnach Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU), mit dessen Arbeit unverändert 69 Prozent der Befragten zufrieden oder sehr zufrieden sind. Eine Mehrheit der Befragten von 62 Prozent plädiert für einen Rückzug Seehofers von seinen politischen Ämtern nach Abschluss der Koalitionsverhandlungen. Bei den Befragten in Bayern sind ebenfalls 62 Prozent dieser Auffassung. 56 Prozent der Bürger gaben an, dass die CSU ihrer Meinung nach unverhältnismäßig viel Macht in der Union hat.



Sie wollen die Sonntagsfrage für den Bund beantworten? Stimmen Sie hier ab:


Was ist das Besondere an der Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen Verfahren. Zuerst werden alle Umfragen in einem Netzwerk aus mehr als 12.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"). Online kann jeder an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, unter anderem nach den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse nach weiteren Faktoren und Wertehaltungen gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 12.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass viele unterschiedliche Nutzer erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Man kann nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. In unserem Fall heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Sie dienen allein dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden.

Wer steckt hinter Civey?

Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Das Start-up arbeitet mit unterschiedlichen Partnern zusammen, darunter sind neben SPIEGEL ONLINE auch der "Tagesspiegel", "Cicero", der "Freitag" und Change.org. Civey wird durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

insgesamt 76 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
w50 09.11.2017
1. Je mehr die Zustimmung zu Jamaika wegbricht, um so größer
Wird die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Jamaika kommt. Die CDU wird die größten Kompromisse mit den Grünen eingehen, da diese Umfrageergebnisse ein großes Warnsignal für „Neuwahlergebnisse“ sind. Eine solche drohende Wahl wäre wohl ein Desaster für die CDU, daher muss Jamaika gelingen.
kuac 09.11.2017
2.
Die Mehrheit der Deutschen scheinen auch nicht zu wissen, was sie wollen. Seit Jahren wird gegen die SPD gehetzt und dann werden die FDP und die AfD hochgejubelt. Und jetzt wollen sie auch keine Jamaika? Was nun?
AlBundee 09.11.2017
3. Kein Wunder!
Die Koalitionsverhandlungen sind doch bereits Testlauf für Regierungsfähigkeit und Entscheidungsfreude der Truppe. Und was sieht man? Fotos von Justizminister Heiko Mass in Amt und Würden, der für höhere Entschädigungsgelder unschuldig Verurteilter eintritt (SPD, im September abgewählt), Star-Verkehrsminister Dobrindt mit dem Wort "Schwachsinn" auf den Lippen, Claudia Roth im Wahlkampf-Modus und eine gewohnt abwesende Merkel im vorgewärmten Kanzlersessel, deren einziges erkennbares politisches Prinzip das Vermeiden von Neuwahlen ist, alle mit einer Ruhe, so als ob diese Verhandlungen bis 2019 weitergehen könnten. Selbst die Muppets arbeiten seriöser.
schnurre64 09.11.2017
4. Keine Chance
Jamaika hat keine Chance, weil die grüne Verhandlungsführung sich an ein finales Votum der Parteibasis gebunden hat. Das engt den Spielraum für Kompromisse spielentscheident ein.
bmvjr 10.11.2017
5. Zuviele Koeche
verderben den Brei. Ist ja schon so, dass sich viele Waehler gedacht haben, bei den Gruenen mag ich dies und das, bei der CDU gefaellt mir jenes und an den Liberalen schaetze ich Folgendes. Wenn die jetzt alle zusammenkommen, muesste da eigentlich etwas Brauchbares entstehen, die Jamaika-Koalition eben. Schade nur, dass jeder potentielle Teilnehmer an solcher Koalition eben gerade die Ecken rundschleifen muss, fuer die seine Partei stand und vielleicht sogar gewaehlt wurde. Herauskommen wird dabei eine Gruppe, die nicht mehr Schwarz-Geb-Gruen leuchtet, sondern grau, etwas vergilbt und schimmelgruen keinen Wiedererkennungswert bietet. Solcher farbloser, kraftloser, unansehnlicher Klumpen soll dann die Regierung stellen. Kein Wunder, dass die Zustimmung nachlaesst.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.