Geheimes Jamaika-Protokoll "Jetzt könnense ooch ma mitverhandeln"

Zum Glück läuft bei den Jamaika-Sondierungen kein Tonband mit, so bleibt uns einiges erspart. Zum Beispiel das folgende Beispiel bizarrer Verhandlungsführung der künftigen Regierungspartner.

Jamaika-Verhandler auf dem Balkon der Parlamentarischen Gesellschaft in Berlin (Archivbild)
DPA

Jamaika-Verhandler auf dem Balkon der Parlamentarischen Gesellschaft in Berlin (Archivbild)

Eine Satire von


Angela Merkel (CDU): So. Alle da? Dann is ja gut. Peter?

Horst Seehofer (CSU): (atmet schwer)

Peter Altmaier (CDU): Danke. Wir haben uns ja nun auf die vorläufige Klärung von insgesamt 125 offenen Punkten in großer Runde geeinigt, dann rufe ich also direkt den ersten Punkt auf. Finanzen, Haushalt, Steuern, Punkt 1: Abbau umweltschädlicher Subventionen. (Es entfährt ihm ein grollender Laut aus den Tiefen seines Körpers.)

Christian Lindner (FDP): Ja, bevor wir hier jetzt überhaupt weitermachen, muss ich hier einmal Klartext reden. Denn es kann nicht angehen, dass hier ständig Dinge aus den Verhandlungen nach draußen getragen werden. Es ist ein Unding, wenn hier Nachrichtenagenturen schneller informiert werden als die eigenen Verhandlungsgruppen.

Robert Habeck (Grüne): (bis eben noch unter dem Tisch ins Mobiltelefon tippend, nun auffahrend) Ich verwahre mich gegen diese Unterstellung, und wenn überhaupt, dann waren Sie es ja wohl selbst, der…...

Cem Özdemir (Grüne): Lass mal gut sein, Robert.

Habeck: Nein, ich bin noch nicht fertig. Ich habe jedenfalls überhaupt nichts herausgegeben und wenn, dann war es reiner Zufall, dass...…

Özdemir: Ist gut jetzt, Robert.

Habeck: Ich sage, was zu sagen ist!

Seehofer: (atmet schwer)

Lindner: Sehen Sie sich die Grünen an, mit solchen Leuten kann man doch nicht regieren. Wir Freie Demokraten müssen übrigens überhaupt nicht regieren. Wir wollen gar nicht in die Regierung.

Merkel: Herr Lindner, jetzt sitzense aber schon mal hier, jetzt könnense ooch ma mitverhandeln. Also bitte.

Özdemir: Ja. (räuspert sich) Ich kann jedenfalls auch in diesem Punkt volle Kompromissbereitschaft von Bündnis 90/Die Grünen signalisieren.

Andreas Scheuer (CSU): (irritiert) Was? Schon wieder?

Alexander Dobrindt (CSU): Pschscht, lass ihn doch.

Özdemir: Ich erhoffe mir allerdings dann auch Entgegenkommen bei grünen Kernthemen.

Seehofer: Jaja, is scho recht.

Lindner: Die Freien Demokraten stehen für ein wettbewerbsfähiges Deutschland ohne Scheuklappen vor der Digitalisierung, wir warten nicht herum, wir machen - das Zaudern war gestern, heute ist Zukunft.

Katrin Göring-Eckardt (Grüne): Zukunft wird aus Mut gemacht!

Lindner: Aber digital first wohlgemerkt!

Scheuer: Was hat er g'sagt?

Allgemein peinlich berührtes Schweigen.

Altmaier: Ja, äh, danke. Darf ich diesen Punkt dann also als erledigt abhaken?

Scheuer: T'schuldigung, um was geht's jetzt gleich noch mal?

Anton Hofreiter (Grüne): Pschscht!

Altmaier: Gut, dann ist das so beschlossen. Nächster Punkt…

Scheuer: Wie viele hamma denn noch?

Altmaier: Ähm, 124.

Seehofer: (atmet schwer)

insgesamt 37 Beiträge
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petreg5544 10.11.2017
1. Keinster
gemeinsame Nenner... ... Hauptsache wir kriegen unsere Ämter...und 709 Abgeordnete... .. wozu auch immer..
ergo sum 10.11.2017
2. was soll man dazu noch sagen
wenn es nicht so bitterböse wäre, könnte ich es Tante Klara Normalverbraucherin mir genauso vorstellen. Ohne den Satire-Hinweis. Ich glaube, hier nimmt die Realität jeder Satire den Rang ab, leider leider....
luny 10.11.2017
3. Kartoffelsuppe und Streuselkuchen
Hallo Herr Kuzmany, vielen Dank für Ihren Live-Bericht zu den laufenden Sondierungs- gesprächen. Die fachliche Kompetenz der Beteiligten ist überragend, es stehen ausschließlich Sachthemen im Vordergrund. Es wird ALLES getan, um dem Wohle des Deutschen Volkes zu dienen. Können Sie bestätigen, daß während der Sondierungsgespräche ein Cateringdienst in Anspruch genommen wird, der morgens, mittags und abends die Kartoffelsuppe als Hauptspeise und den Streuselkuchen als Dessert nach den Originalrezepten der geschäftsführenden Bundeskanzlerin an die Teilnehmer liefert? Dabei soll es sich um eine Zermürbungstaktik der geschäfts- führenden Bundeskanzlerin handeln. Es kommt nichts anderes auf den Tisch, solange der Koalitions- vertrag nicht von allen unterschrieben wird. Die GRÜNEN halten das wohl am längsten durch, solange die Kartoffelsuppe keine Fleischeinlage enthält. Wie lange es die CSU ohne Schweinshaxen aushält, ist eine spannende Frage. Die F.D.P. hat angeblich Kaviar in Dosen dabei, um sich über Wasser zu halten. Bleiben Sie dran, Herr Kuzmany! LUNY
biancakaltfeuer 10.11.2017
4.
Altmaier: Ich rufe Punkt 124 auf. Obergrenze. Göring-Eckhardt: Wieso Obergrenze? Ich denke, es gibt keine Obergrenze mehr. Altmaier: Hier steht aber noch Obergrenze. Merkel: Ich habe mich mit Herrn Seehofer auf einen atmenden Deckel von 200.000 geeinigt. So sollte das auch gesagt werden. Seehofer: Nickt (schnauft aber wieder). Lindner: Es wäre schön, wenn sich die Schwestern mal einigen könnten. Altmeier: Also gut. Ich rufe auf: Punkt 124 atmender Deckel. Özdemir: Also ich sage, wenn der 200.000 und erste Flüchtling in Bayern ankommt, dann gilt das Grundgesetz immer noch. Seehofer: Ersparen Sie mir diese Person. Verstehen Sie denn nicht? Wir haben demnächst Landtagswahlen. Lindner: Was kostet der 200.000 und erste Flüchtling eigentlich? Özdemir: Egal, was der kostet, der muß reingelassen werden. Das steht so im Grundgesetz. Scheuer: Für grünen Blödsinn wäre mir eine Obergrenze lieber als ein atmender Deckel. Merkel: Herr Scheuer... das mußte doch jetzt nicht sein. Trittin: Wir wollen ja gar nicht unbedingt regieren. Göring-Eckardt: (grabbelt mit gesenktem Kopf in ihren Papieren) Lindner: Denken Sie etwa, wir wollen das? Özdemir: Wie viele Ministerien kriegen die Grünen eigentlich? Altmeier: Bitte meine Herrschaften. Wir sind bei Punkt 124 Obergrenze, äh atmender Deckel. Können wir uns auf diese Formulierung einigen, daß der Deckel atmet? Lindner: Kommt drauf an, was man unter Atmung versteht. Merkel: Ich verstehe nicht, was an einem atmenden Deckel falsch sein sollte. Er atmet, ja, je nach dem. Die Runde schweigt. Man geht auf den Balkon und zeigt sich der wartenden Presse. Lindner winkt aus der zweiten Reihe.
rolantik 10.11.2017
5. Nicht weit von der Wirklichkeit entfernt
Das könnte man fast als reales Protokoll durchgehen lassen und wahrscheinlich ist das auch so, kurz: Kindergartenniveau! Treffend sind die Grünen beschrieben, feiles Wohlverhalten, immer auf einen Ministerposten schielend und unbemerkt die Seele verkaufen. Das ist keine Fiktion!
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