Verdacht auf Brandstiftung Neonazi-Gegner in Jamel stehen unter Polizeischutz

Nach dem Brand ihrer Scheune hat das Künstlerpaar Lohmeyer in Jamel Polizeischutz bekommen. Die Behörden ermitteln wegen vorsätzlicher Brandstiftung. Das Dorf in Mecklenburg-Vorpommern gilt als Hochburg von Neonazis.


Von der Scheune stehen nur noch die Grundmauern - Bilder zeigen verkohlte Balken und Ziegelsteine, im Hintergrund steigt noch Rauch auf. In der Nacht zu Donnerstag brannte das Gebäude im mecklenburg-vorpommerschen Jamel fast vollständig nieder. Es gehört zum alten Forsthof von Birgit und Horst Lohmeyer.

Das Ehepaar stellt sich seit Jahren mutig den Neonazis entgegen, die das Dorf größtenteils prägen. Die Lohmeyers, die 2004 aus Hamburg nach Jamel zogen, wurden deshalb immer wieder bedroht. Die Polizei geht nun von vorsätzlicher Brandstiftung aus. Sie hat entschieden, das Paar unter Schutz zu stellen. "Wir haben Maßnahmen ergriffen, dass so etwas künftig nicht mehr passieren kann", sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Rostock SPIEGEL ONLINE.

Künstlerehepaar Birgit und Horst Lohmeyer auf ihrem Forsthof in Jamel
DPA

Künstlerehepaar Birgit und Horst Lohmeyer auf ihrem Forsthof in Jamel

Die Lohmeyers wurden bereits mehrfach für ihr Engagement gegen Rechtsextremismus ausgezeichnet. Schon früher habe es in diesem Zusammenhang verstärkt Drohungen gegeben, sagte Birgit Lohmeyer dem NDR am Donnerstag. Ende des Monats soll das Ehepaar den Georg-Leber-Preis für Zivilcourage der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt überreicht bekommen - beim Festival für Toleranz und Demokratie, "Jamel rockt den Förster". Die Lohmeyers hatten die Musikveranstaltung 2007 auf ihrem Forsthof ins Leben gerufen. In diesem Jahr ist es für den 28. und 29. August geplant.

"Trotz alledem: Das Festival findet statt - jetzt erst recht!", heißt es auf der Facebook-Seite nach dem Feuer. Die Lohmeyers bitten dort um Spenden, um die Aufräumarbeiten zu finanzieren.

"Der Tatort spricht für sich", sagte Oberstaatsanwalt Stefan Urbanek SPIEGEL ONLINE. Ein rechtsextremistischer Hintergrund könne nicht ausgeschlossen werden, ermittelt werde dennoch in alle Richtungen. Innenminister Lorenz Caffier (CDU) ging in einer ersten Reaktion von einem Brandanschlag mit rechtsextremem Hintergrund aus. Dafür spräche das Engagement des Ehepaares Lohmeyer, sagte Caffier. Staatsschutz, Kriminaltechniker und ein Brandgutachter untersuchten am Donnerstag den Tatort.

Ein Feriengast habe kurz vor dem Feuer eine unbekannte Person auf dem Forsthof bemerkt, berichtete Birgit Lohmeyer dem NDR. Bei dem Feuer wurde niemand verletzt, die 240 Quadratmeter große Scheune war zur Brandzeit leer. Die Feuerwehr konnte verhindern, dass die Flammen auf das nur wenige Meter entfernte Wohnhaus übergriffen.

In Jamel gibt es rund zehn Häuser, etwa 35 Bewohner, der Großteil gilt als Anhänger des umtriebigen Neonazis Sven K. Er war erst 2014 aus der Haft entlassen worden, hatte wegen gewerbsmäßiger Hehlerei und illegalen Waffenbesitzes gesessen. Zuvor war er auch schon wegen Körperverletzung verurteilt worden. Im benachbarten Grevesmühlen betreibt K. das "Thinghaus" als Treffpunkt der Szene.

heb



© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.