S.P.O.N. - Der Schwarze Kanal Aufmarsch der Netzverschwörer

In Dresden können wir erkennen, wie eine Öffentlichkeit aussieht, die ihre Informationen nur noch aus obskuren Ecken im Netz bezieht. An die Stelle der Statistik tritt die Dunkelziffer. Diskutieren mit Pegida? Unmöglich.

Eine Kolumne von

Pegida-Teilnehmer in Dresden: In düsteren Winkeln des Netzes zu Hause
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Pegida-Teilnehmer in Dresden: In düsteren Winkeln des Netzes zu Hause


"Wenn die letzte anständige Zeitung verschwunden ist, bleibt nur noch das Geschwätz", hat der FAZ-Herausgeber Werner D'Inka vor längerem geschrieben. Bislang waren wir auf Vermutungen angewiesen, wie eine Öffentlichkeit aussieht, in der die Bürger ihr Wissen aus Quellen beziehen, für die es keinen Presserat und kein Gegendarstellungsrecht mehr gibt. Wir haben jetzt eine genauere Vorstellung von einem solchen Gemeinwesen. Wir müssen dazu nur nach Dresden, Bonn oder Berlin schauen, wo jeden Montag Menschen ihrem Ärger Luft machen, die bei der Suche nach Informationen statt der von ihnen geschmähten "Mainstreampresse" vorzugsweise Stellen im Netz vertrauen, die keinem etablierten Medium mehr zuzuordnen sind.

Die Demonstrationszüge, die in die zehnte Wochen gehen, werden als Krisensymptom der Demokratie gedeutet. Weil es Politiker unruhig macht, wenn eine größere Anzahl von Menschen mit ihnen unzufrieden ist, hat sich die Debatte der Frage zugewandt, wie man die Leute erreichen könne, die sich vom parlamentarischen System abgewandt haben. Aber das ist eine Fehldeutung dessen, was vor sich geht.

Die Menschen, die in Dresden, Bonn und Berlin auf die Straße gehen, haben der Demokratie nicht aus Enttäuschung über die Politik oder die Medien den Rücken gekehrt. Sie waren nie Teil dieser Öffentlichkeit. Ihr Protest ist kein Protest, um wieder Anschluss an die Mehrheitsgesellschaft zu finden; er mündet nicht in dem Wunsch nach Teilnahme oder bürgerschaftlichem Engagement.

Sascha Lobo hat neulich darauf hingewiesen, dass die neue Protestkultur einen Gutteil ihres Erfolges der Netzpräsenz verdankt, aber er hat eine entscheidende Wendung verpasst. Die Teilnehmer bedienen sich des Netzes nicht nur, um ihren Anliegen Gehör zu verschaffen und sich mit Gleichgesinnten zu verbinden, sie entnehmen dem Netz auch ihre Stichworte und Argumente. Bei Pegida zeigt der rechte Onlinebürger Gesicht, es ist der Aufmarsch der digital Erregten.

Plakate schwenken gegen die Öffentlich-Rechtlichen

Das Volk, das sich in Dresden und Bonn versammelt, hat kein Parteibuch mehr, das es zurückgeben könnte. Bei vielen liegt die Vermutung nahe, dass es kein Zeitungsabonnement mehr gibt, das sie kündigen könnten, weil sie schon vor langer Zeit aufgehört haben, Tageszeitungen zu lesen. Wahrscheinlich sehen sie auch keine "Tagesschau" und keine "Tagesthemen" oder eine andere Informationssendung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, gegen den sie so eifrig ihre Plakate schwenken. Wenn diese Menschen lesen, dann Bücher, in denen steht, wie man den Euro-Crash überlebt oder sich für den Dschihad in deutschen Städten wappnet.

Mit Menschen, die ihr Weltbild vor allem aus Blogs und Webseiten zusammenklauben, die sich als Gegenöffentlichkeit verstehen, wird es schwer, eine Ebene der Verständigung zu finden. Ein Reporter der "Süddeutschen Zeitung" hat vergangene Woche den Versuch gemacht, mit zwei Pegida-Organisatoren über deren Beweggründe zu reden. Auf den Einwand, dass es in Sachsen kaum Flüchtlinge gebe, geschweige denn Muslime, antwortete Kathrin Oertel, die zu den Veranstaltern zählt: "Die Statistiken sind doch alle auf Deutsch gesagt um die Ecke, da fehlen die ganz vielen, die illegal in diesem Land sind. Das können wir natürlich nur mutmaßen, ich will da auch keine Zahlen nennen. Es ist so, wir können das nicht belegen, und wir sagen einfach, dass es eine Dunkelziffer gibt, die erheblich ist."

Gegen diese Argumentation ist kein Kraut gewachsen, jedenfalls nicht unter den Bedingungen der habermasschen Diskurstheorie. Wo die Dunkelziffer regiert, ist alles möglich. Wer offizielle Statistiken für Blendwerk hält, glaubt auch, dass aus Russland die Rettung kommt, die Bilderberger die Welt regieren und es der Mossad war, der die Türme des World Trade Center zum Einsturz brachte.

Es ist ein Missverständnis, dass in einer Demokratie alle gleich viel zu sagen hätten. Aus der Tatsache, dass jeder beim Wahlgang eine Stimme hat, folgt noch nicht, dass auch jeder für sich gleich viel Gehör beanspruchen kann. Schon in der "Topik" des Aristoteles, dem ersten uns überlieferten Lehrbuch der diskursiven Argumentation, finden sich Beispiele für Behauptungen, die kein Gegenargument verdienen, sondern eine Zurechtweisung.

Wer Politiker als "Volksverräter" bezeichnet, von den im Bundestag vertreten Parteien nur als "Systemparteien" spricht und den Kampfbegriff der "Lügenpresse" wiederaufleben lässt, ist nicht gleich ein Nazi, aber er benutzt Nazi-Sprache. Man muss deshalb nicht in Panik geraten. Die Demokratie hält auch wöchentliche Versammlungen aus, in denen die Bundeskanzlerin des Landesverrats bezichtigt wird, aber niemand, der an so etwas teilnimmt, sollte erwarten, dass man ihn noch ernst nimmt.

Für alles Weitere ist der Verfassungsschutz zuständig und, bei Zuwiderhandlung gegen das Demonstrationsrecht, der Wasserwerfer. So war es schon in den Achtzigerjahren, als in Hamburg, Berlin und Frankfurt der linke Pöbel durch die Straßen zog. Auch diese Proteste hat unser Land ausgehalten, ohne größeren Schaden zu nehmen.

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Seite 1
karlaugustwitzleben 23.12.2014
1.
"Wenn die letzte anständige Zeitung verschwunden ist, bleibt nur noch das Geschwätz", hat der FAZ-Herausgeber Werner D'Inka vor längerem geschrieben. Bislang waren wir auf Vermutungen angewiesen, wie eine Öffentlichkeit aussieht, in der die Bürger ihr Wissen aus Quellen beziehen, für die es keinen Presserat und kein Gegendarstellungsrecht mehr gibt. Wir haben jetzt eine genauere Vorstellung von einem solchen Gemeinwesen. Wir müssen dazu nur nach Dresden, Bonn oder Berlin schauen, wo jeden Montag Menschen ihrem Ärger Luft machen, die bei der Suche nach Informationen statt der von ihnen geschmähten "Mainstreampresse" vorzugsweise anderen Quellen im Netz vertrauen, die keinem etablierten Medium zuzuordnen sind." Man dürfte hier aufhören zu lesen, weil Fleischhauer das Problem auf den Punkt bringt. Die "gleichgeschaltete Presse" wird vorrangig von denen als "gleichgeschaltet" wahrgenommen, die verlernt haben, was Presse eigentlich bedeutet. Die Beleibigkeit des Netzes, wo auf Grund der völligen Freiheit, jeder noch so dumme Idiot seinen Mist hinrotzen darf, ist eine der Kehrseiten einer sachten Demokratie, wie wir sie derzeit erleben. Beiträge, die das klar formulieren - auch und gerade im Netz - sind daher zu begrüßen und zu fördern. Den Menschen MUSS die Idiotie dieser Auswüchse immer und überall vor Augen geführt werden, damit diejenigen erreicht werden, die noch ahnen, dass das Netz kein Hort der ultimativen Wahrheit ist.
jcaesar3 23.12.2014
2. Zwang der Medien
Nicht übersehen, daß man seit ein paar Jahren gezwungen ist, seine Informationen aus seltsamen Ecken im Netz zu beziehen. Wenn ich morgens die BILD aufschlage, kann ich lesen, was ich später in der Süddeutschen, im Spiegel..., kurz überall in leicht abgeänderter Form lesen kann. Gäbe es da nicht die seltsamen Ecken, hätten die USA ihren Informationskrieg gewonne und das muß doch wohl nicht sein.
order66 23.12.2014
3. Tja Fleischhauer
nicht jeder Mitläufer war ein Nazi. Das ist wohl wahr. Aber sie haben es u.a. möglich gemacht und daher sind diejenigen die jetzt mit marschieren keine Unschuldigen. Und auch das fehlt. Es gibt keine gut oder schlechte Presse. Es gibt nur die Presse.
charlie1111 23.12.2014
4.
Dem Beitrag kann man nur zustimmen. Nur sollten sich auch mal die unterschiedlichen Internetmedien überlegen, ob sie nicht langsam ihr "Hausrecht" wahrnehmen, zur Zeit kommen einem einige Foren der Internetpresse eher wie Filialen des PI-Forums vor.
hoimar 23.12.2014
5. Autsch,
da liegt Herr Fleischhauer schwer daneben mit : "Gegen diese Argumentation ist kein Kraut gewachsen..." Gerade in Hamburg ist man sich im Klaren darüber (also das LKA) dass die Anzahl der Illegalen stetig wächst. Das Hamburger Abendblatt geht alleine von 22 TD Menschen aus, die sich in der Stadt ständig aufhalten. Und was die Presse anbelangt, die macht hin und wieder gemeinsame Sache mit der Politik und das ist ausnahmsweise einmal keine Verschwörungsromantik, dass sind Fakten. Es werden bei Straftaten Ethnien verschwiegen, Auseinandersetzungen in Flüchtlingsunterkünften beschönigt oder gleich verschwiegen und Zustände wie im Görlitzer Park als "buntes, ethnisches Miteinander" und kulturell passend zum Stadtteil deklariert. Die Presse ist der wahre Kutscher für eine Bewegung wie Pegida, da sie schon vor langer Zeit entweder aus ideologischer Sicht und/oder finanzieller Abhängigkeit die Verantwortung darüber ernsthaft zu berichten, denen überlassen haben, die am rechten Rand zündeln. Also immer schön weiter politisch korrekt berichten und in zehn Jahren ist der Spiegel bestenfalls noch eine Domain die preiswert zu erstehen ist.
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