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Verkehrsinfrastruktur: Jede zweite Brücke der Kommunen ist marode

Infrastruktur: Deutschlands marode Brücken Fotos
DPA

Viele Verkehrswege in Deutschland sind in die Jahre gekommen, besonders schlecht steht es um die Brücken. Laut einem neuen Gutachten ist jedes zweite von 66.714 Bauwerken marode, für deren Erhalt die Kommunen zuständig sind.

Berlin - Straßen, Brücken, Bahnhöfe, Wasserstraßen, Schienen - zusammengerechnet ist Deutschlands Verkehrsinfrastruktur 778 Milliarden Euro wert. Das haben kürzlich Experten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung ausgerechnet. In ihrem Report beklagen die Wissenschaftler Uwe Kunert und Heike Link aber auch eine "substantielle Vernachlässigung der Investitionen in die Erhaltung und Qualitätssicherung der Verkehrsinfrastruktur" - und konstatieren einen jährlichen Investitionsbedarf bei mindestens 6,5 Milliarden Euro nur zum Substanzerhalt.

Eine neue Studie des Deutschen Instituts für Urbanistik, über die die "Welt am Sonntag" berichtet, bestätigt nun diesen Trend. Konkret hatten sich die Forscher die Brücken in kommunaler Hand angesehen. Das sind genau 66.714 Bauwerke. Für eine Stichprobe wurden mehr als 2000 Brücken in 456 Städten, Gemeinden und Landkreisen ausgewählt.

Anhand der Brückenfläche und des Zustands kommen die Experten bis zum Jahr 2030 allein hier auf einen Investitionsbedarf von fast elf Milliarden Euro allein für sogenannte Ersatzneubauten. Sieben Prozent der Brücken erhalten demnach auf der Skala von eins bis vier die schlechteste Zustandsnote 3,5 bis 4,0. Schon wenn Gutachter einen "ausreichenden Zustand" (2,5 bis 2,9) feststellen, könne die Standsicherheit beeinträchtigt sein.

Brücken dieser Kategorie sind dem Bericht zufolge nur noch eingeschränkt befahrbar, müssen teilweise oder für schwere Fahrzeuge ganz gesperrt werden. Schuld ist zum Teil das schiere Alter der Brücken, zum Teil entsprechen die verwendeten Werkstoffe nicht den Erwartungen, in wieder anderen Fällen machte saurer Regen dem Beton zu schaffen.

Das Ergebnis der Stichprobe habe laut Difu ergeben, dass bei rund 15 Prozent "Ersatzneubaubedarf" bestehe: Der Zustand sei so schlecht, dass nur Abriss und Neubau in Frage komme. Betroffen seien häufig kleine Kommunen unter 20.000 Einwohnern, wo aber fast 70 Prozent der Brücken stünden, sowie Städte und Gemeinden im Osten. Dort wurden nach der Wende vor allem große Verkehrswege saniert und neu gebaut, kleinere wurden nicht beachtet.

Auftraggeber der Studie waren der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB), der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und der Baustoffindustrieverband.

Expertenkommission empfiehlt Ausweitung der Lkw-Maut

Die Länder wollen sich noch vor Bildung der künftigen Bundesregierung für neue Geldquellen zur Modernisierung des Verkehrsnetzes starkmachen. Bei einer Sonderkonferenz der Verkehrsminister an diesem Mittwoch in Berlin soll dafür ein milliardenschwerer Sanierungsfonds vorschlagen werden. Ziel sei, der künftigen Bundesregierung "ein geschlossenes Signal mit auf den Weg zu geben", sagte der niedersächsische Minister Olaf Lies (SPD).

Sein baden-württembergischer Kollege Winfried Hermann (Grüne) sagte, einer Kommission sei es gelungen, "ein zukunftsweisendes Konzept einer verlässlichen Finanzierung zu entwickeln". Die Gruppe unter Leitung des früheren Bundesverkehrsministers Kurt Bodewig (SPD) schlägt ein Sondervermögen aus zusätzlichen Bundesmitteln vor, das mit 38,5 Milliarden Euro über 15 Jahre ausgestattet werden soll. Daraus sollten unter anderem größere Sanierungsprojekte wie Brücken oder Schleusen finanziert werden.

Die Kommission empfiehlt nach Informationen der Deutschen Presseagentur auch, ergänzend "Instrumente der Nutzerfinanzierung" ins Auge zu fassen - vor allem eine Ausweitung der Lkw-Maut, die schon auf Autobahnen und größeren Bundesstraßen gilt. Eine Ausdehnung auf alle Bundesstraßen könne 2,3 Milliarden Euro mehr einbringen.

Als weitere Optionen werden zudem eine Einbeziehung von Landesstraßen und von kleineren Transportern unter der jetzigen Grenze von zwölf Tonnen benannt. Eine Ausweitung solle dabei in Schritten über mehrere Jahre angelegt werden.

Mit Blick auf eine "Neuschaffung" von Gebühren oder Abgaben für Pkw gelte, dass diese konform mit dem EU-Recht sein müssten, heißt es in dem Papier. Bei der CSU-Forderung nach einer Pkw-Maut, die nur ausländische Wagen zahlen sollen, waren bereits zuvor erhebliche Zweifel an der Vereinbarkeit mit EU-Recht laut geworden. Der niedersächsische Minister Lies verwies dagegen auf die Möglichkeit, die Lkw-Maut auch auf Landes- und Kommunalstraßen zu erheben. "Wir haben ja die schlechte Substanz an allen Straßen."

chs/dpa

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1. Die Wähler wollen es aber so...
donnerfalke 29.09.2013
Zitat von sysopDPAViele Verkehrswege in Deutschland sind in die Jahre gekommen, besonders schlecht steht es um die Brücken. Laut einem neuen Gutachten ist jedes zweite von 66.714 Bauwerken marode, für deren Erhalt die Kommunen zuständig sind. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/jede-zweite-bruecke-der-kommunen-ist-marode-a-925133.html
Vor allem Merkel-Wähler wollen es aber so. Merkel gibt das Geld lieber den Banken, mit Straßen im desolaten Zustand hat Ramsauer sie kein Problem, er blockiert selbst das Geld was ausgegeben werden musste: Verkehr: CSU-Minister Ramsauer schöpft Infrastrukturprogramme nicht aus - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/verkehr-csu-minister-ramsauer-schoepft-infrastrukturprogramme-nicht-aus-a-908576.html)
2. Anstatt der Strassenmaut
ichbinsjetzt 29.09.2013
für LKW, kann auch gleich die Mwst. erhöht werden. Die LKW fahren nicht zum Spass auf den Straßen. Die Kosten werden auf die Preise abgewälzt.
3. Zusammenhang
Thomas 29.09.2013
Wann begreift eigentlich mal das Wahlvolk, dass der Staat Geld braucht, um zu funktionieren? Empört werden Steuererhöhungen abgelehnt und genauso empört wird mehr Geld für Straßen, Schulen, Polizei gefordert. Empört wird über die Politiker geschimpft, dass sie uns nur belügen, aber wer im Wahlkampf die Wahrheit sagt, der wird eben nicht gewählt.
4. Dabei handelt es sich ...
westerwäller 29.09.2013
Zitat von sysopDPAViele Verkehrswege in Deutschland sind in die Jahre gekommen, besonders schlecht steht es um die Brücken. Laut einem neuen Gutachten ist jedes zweite von 66.714 Bauwerken marode, für deren Erhalt die Kommunen zuständig sind. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/jede-zweite-bruecke-der-kommunen-ist-marode-a-925133.html
... meist um 20 - 50 Jahre alte Brücken ... Die ganz alten stehen wie eine Eins! Eine Schande für die deutschen Architekten und Bauingenieure ... Ein Baumeister von Kaiser Wilhelm wäre lieber verhungert, als solchen Schrott zu bauen ...
5. na und ?
Hilfskraft 29.09.2013
vergessen? Man hat CDU, den Feind der Kommunen gewählt! Porsches werden diese Brücken dann allerdings auch nicht mehr tragen. So findet alles seine Gerechtigkeit.
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