Jena Rechte überfallen DGB-Reisegruppe auf Autobahn-Raststätte

Sie waren von Hessen nach Dresden gereist, um gegen den dortigen Neonazi-Aufmarsch zu demonstrieren. Auf der Rückfahrt wurde eine Reisegruppe des Deutschen Gewerkschaftsbunds von Rechtsextremen überfallen.


Stadtroda/Jena - Blutige Zufallsbegegnung auf einer Autobahnraststätte: Neonazis und eine Reisegruppe des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) Nord-Hessen sind nach Demonstrationen in Dresden zur selben Zeit auf dem Rastplatz Teufelstal an der Autobahn 4 aufeinander gestoßen. Gegen 19.25 Uhr kam es dort zu heftigen Auseinandersetzungen, bei denen fünf Mitglieder der Reisegruppe verletzt wurden, zwei von ihnen mussten im Uniklinikum Jena behandelt werden.

"Die Rechten beschimpften zunächst die DGB-Reisegruppe und griffen sie dann auch mit körperlicher Gewalt an", sagte ein Polizeisprecher. Die Neonazis konnten mit ihrem Bus zunächst entkommen. Die Beamten stoppten die Gruppe jedoch wenig später und nahmen die Personalien von 40 Rechtsextremen auf. Der Staatsschutz übernahm Ermittlungen und Strafverfolgung.

Die ebenfalls 40 Mitglieder des DGB Hessen und der Linkspartei waren auf der Rückfahrt von einer Demonstration gegen einen Neonazi-Aufmarsch in Dresden. Sie machten nach Angaben der Polizei gerade eine Pause, als die Gruppe von Anhängern der rechten Szene, die ebenfalls auf der Rückfahrt von Dresden war, den Rastplatz ansteuerte.

Die hessische Linkspartei verurteilte den Angriff scharf. "Die immer häufiger und brutaler werdenden Gewalttaten von Neonazis erschrecken mich. Alle Verantwortlichen fordere ich auf, endlich wirksam gegen die Neonazi-Szene vorzugehen", erklärte der hessische Linkspartei-Chef Ulrich Wilken in einer Mitteilung. "Wer der zunehmenden rechten Gewalt tatenlos zusieht, macht sich indirekt mitverantwortlich."

In Dresden hatten am Samstag mehr als 10.000 Menschen mit Sternmärschen und Kundgebungen gegen Rechtsextremismus demonstriert. Sie erinnerten damit auch an die Zerstörung der Stadt bei Angriffen britischer und amerikanischer Bomben am 13. und 14. Februar 1945. Der Protest wandte sich gegen einen Aufmarsch von etwa 6000 Neonazis aus dem ganzen Bundesgebiet und dem Ausland. Die Rechtsextremisten instrumentalisieren seit langem den Jahrestag der Bombardierung Dresdens Ende des Zweiten Weltkrieges.

jjc/dpa/AP



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