Nach US-Reise Spott für Spahn

Mit einem Termin im Weißen Haus machte Gesundheitsminister Spahn vergangene Woche Schlagzeilen. Unter Berliner Diplomaten hingegen sorgt der Coup nach SPIEGEL-Informationen eher für Kopfschütteln.

Jens Spahn
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Die US-Reise von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sorgt im Auswärtigen Amt für amüsiertes Kopfschütteln. Unter Berliner Diplomaten hieß es nach SPIEGEL-Informationen nach der Kurzvisite, der Trip habe eher der Profilierung des CDU-Manns denn relevanten Sachgesprächen gedient.

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Spahn hatte während seiner Zweitagesreise in die US-Hauptstadt auch einen Termin bei John Bolton, dem Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump. Der Gesundheitsminister teilte später mit, er habe sich mit Bolton ausführlich über die Gefahr durch Bio-Terrorismus ausgetauscht. Bolton gilt als enger Vertrauter von Trump.

Das Treffen im Weißen Haus hatte der mit Spahn befreundete US-Botschafter in Berlin, Richard Grenell, angebahnt. Entgegen den Gepflogenheiten wurde die deutsche Botschaft in Washington dabei zunächst nicht einbezogen. Der US-Botschafter avisierte Spahn als aufstrebenden Konservativen, treuen Amerika-Freund und möglichen künftigen Kanzler.

Allerdings reichte Grenells Einfluss offenbar nicht so weit wie erhofft: Als der Termin vom Weißen Haus bis zuletzt nicht bestätigt wurde, schaltete Spahn die deutsche Botschaft ein. Kurzfristig wurde das Treffen mit Bolton dann möglich.

Die Diplomaten begründen ihren Spott auch damit, dass Spahn Fachgespräche zu seinen Themen offenbar nicht so wichtig waren wie der Termin bei Bolton. Seinen Amtskollegen, US-Gesundheitsminister Alex Michael Azar, traf Spahn in Washington nicht. Azar war gar nicht in der Stadt.

Unter den Diplomaten in Berlin wunderte man sich zudem, dass das Thema Bio-Terrorismus bei den regelmäßigen Gesprächen zur Sicherheitskooperation zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland bisher nie auf der Tagesordnung stand.

Viele Medien hatten den Termin im Weißen Haus als Zeichen gewertet, wie gut Spahn in den USA vernetzt ist und wie sehr man ihn dort als zukünftige politische Kraft in Deutschland sieht.

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insgesamt 120 Beiträge
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ned divine 06.10.2018
1. Whow, auf diesen
SUPERMINISTER haben wir so h wirklich alle gewartet. Erst der Quatsch mit der Organspendezwangs Verpflichtung, der jeder der es nicht will, erst mal widersprechen muss und jetzt die ganz wichtige Dienstreise ins Weisse Haus, man muss ja auf alles vorbereitet sein..... Der Mann ist wirklich peinlich. Wir haben hier den schlimmsten Pflegenotstand aller Zeiten aber Herr Spahn sucht erst mal das Wohl in den USA - Das nenne ich Prioritäten !
wala2903 06.10.2018
2. Herrn Spahn als zukünftigen Bundeskanzler.....
wünsche ich mir nicht. Sollte sich erst einmal um die Probleme seines Ressorts in Deutschland kümmern, bevor er sich über Dinge ausläßt, die nicht in seine Zuständigkeit fallen.
kai.friedrich 06.10.2018
3. Teure Spaß-Tour
Hat Hr. Spahn dafür einen normalen Flug genommen, oder musste die Flugbereitschaft dafür herhalten? Hier war unser allseits geschätzter Gesundheitsminister wohl auf Tour in eigener Sache unterwegs...wie lächerlich, kann man so etwas nicht über ne sichere Leitung besprechen?
nurEinGast 06.10.2018
4.
Nun ja... früher hat sich Merkel eingeschleimt, jetzt Spahn. Scheint wohl eine CDU-Marotte zu sein. Wir werden sehen wohin das führt- bei Merkel hats ja u.a. zum Afghanistan Krieg geführt. Und als Dank für das verheizen deutscher Soldaten sogar zu einer Verdienstmedaille.
Flugzeugfreak1 06.10.2018
5. Herr Spahn hat ja noch ein paar Schritte vor sich.
Er muss Merkel absägen und dann dem Volk vermitteln warum sie ihn wählen sollten. Bislang hat er ja eher keine Wahlempfehlung geliefert. Und dann muss er natürlich mit der CDU die Wahl gewinnen und dann eine Koalition aufbauen. Vielleicht sollte er daran arbeiten als Steuergeld für seine Proliferierungsversuche zu verbrennen.
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