Präsidiumswahlen Minister Gröhe bewahrt CDU vor Quoten-Panne

Jens Spahn hat es geschafft. Der junge Politiker rückt in den engsten Führungskreis der CDU vor. Gesundheitsminister Gröhe wird auf dem Parteitag zunächst auch gewählt - opfert sich dann aber dem Frauenquorum.

Gesundheitsminister Gröhe: Bewerbung zurückgezogen
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Gesundheitsminister Gröhe: Bewerbung zurückgezogen

Von , Köln


Gesundheitsminister Hermann Gröhe hat seine CDU vor einer peinlichen Panne auf dem Bundesparteitag in Köln bewahrt. Gröhe zog seine Bewerbung auf einen Posten im CDU-Präsidium vor dem zweiten Wahlgang zurück und verhinderte so, dass mit der Berliner Sozialstaatssekretärin Emine Demirbüken-Wegner womöglich eine Frau aus dem engsten Führungszirkel herausgefallen wäre.

Demirbüken-Wegner wurde im zweiten Wahlgang gewählt. Im ersten Wahlgang hatte sie noch das schlechteste Ergebnis der acht Bewerber erreicht und damit einen der sieben Plätze im Präsidium verfehlt. Da die CDU-Statuten für diesen ersten Wahlgang jedoch ein Frauenquorum von einem Drittel vorsehen, wurde dieser ungültig gewertet.

Im zweiten Wahlgang gilt kein Quorum mehr - hätten die rund tausend Delegierten ihre Stimmen wie im ersten Wahlgang verteilt, hätte das das Aus für Demirbüken-Wegner bedeutet. Das Aus für eine Frau mit türkischen Wurzeln. Es wäre kein schönes Signal für eine Partei gewesen, die in diesen Tagen immer wieder betont, dass sie bunter und weiblicher werden will.

Gröhe kandidiert für Bundesvorstand

Gröhe, der im ersten Wahlgang unmittelbar vor Demirbüken-Wegner gelandet war, opferte sich, um der CDU peinliche Kommentare zu ersparen. Das Quorum sei auch im zweiten Wahlgang wichtig, erklärte Gröhe und warb um Unterstützung für seine Konkurrentin.

Dass es überhaupt mehr Bewerber für das Präsidium als Posten gab, hatte es bei der CDU schon lange nicht mehr gegeben. Der Grund: Jens Spahn, der 34-jährige Gesundheitsexperte der Unionsbundestagsfraktion, hatte sich um einen Platz in der Führungsriege beworben. Er wollte damit den Jüngeren in der CDU auch im Präsidium eine Stimme geben. Unterstützt wurde er vom Wirtschaftsflügel und von der Jungen Union, deren früherer Vorsitzender Philipp Mißfelder nicht mehr kandidierte. Spahns Erfolgschancen waren im Vorfeld schwer einzuschätzen, am Ende schaffte er es: 66,18 Prozent der Delegierten stimmten im zweiten Wahlgang für ihn.

Gröhe entging mit seinem Verzicht auch der Gefahr, selbst beschädigt zu werden - wenn ihn seine Parteifreunde im zweiten Wahlgang doch nach unten durchgereicht hätten. Und er verhinderte, dass sich andere Landesverbände über ein nordrhein-westfälisches Übergewicht empören konnten. Neben Gröhe und Spahn kommt schließlich auch der gewählte Karl-Josef Laumann, Chef des CDU-Sozialflügels aus NRW. Statt für das Präsidium kandidierte Gröhe am Abend für den weiteren Führungskreis, den Bundesvorstand.


Die Wahlergebnisse für das CDU-Präsidium im Einzelnen:

  • Finanzminister Wolfgang Schäuble (84,6)
  • Saarlands Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (85,2 Prozent)
  • der Europaabgeordnete David McAllister (83,7)
  • Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (81,9)
  • CDA-Chef Karl-Josef Laumann (76,8)
  • Gesundheitsexperte Spahn (66,2)
  • Berlins Staatssekretärin beim Sozialsenator, Emine Demirbüken-Wegner (57,5)

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insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
FocusTurnier 09.12.2014
1. Damit zeigt sich....
.....wie undemokratisch eine geschlechterabhängige Quote ist. Das nach der SPD, den Grünen, den Linken und den Piraten jetzt auch die CDU knietief im Quotensumpf steht, macht sie für ehemalige Wähler nicht wählbarer. Wie klein will sich denn die CDU noch machen?
ichsagemal 09.12.2014
2.
...Chapeau Herr Gröhe!
olddreamer 09.12.2014
3. Sorry!
aber was soll eine völlig unbekannte Frau im Präsidium der CDU? Da sieht man, was diese Quotenregelung für völlig abstruse Ergebnisse bringt. Ein Quatsch ohne Ende! Soll sie den Anderen künftig bei den Sitzungen türkischen Kaffee kochen? wenn schon, denn schon: man hätte eher eine katholische Flüchtlingsfrau aus dem Senegal nehmen müssen! Vivat Germania!
El pato clavado 09.12.2014
4. Gröhe weg
Wer vermisst den ? Hoffentlich fliegt er auch aus dem Kabinett, Unerträglicher Bremser . eine vernünftige Sterbehillfe zu gewährleisten
gumbofroehn 09.12.2014
5. Respekt ...
... der Mann weiß, wie man mit Zurückstecken gewinnen kann. Das wird sich noch auszahlen.
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