Kabinettsbeschluss Spahn bekommt fünf Millionen Euro für Studie zu Abtreibungen 

Er will für viel Geld die seelischen Folgen von Schwangerschaftsabbrüchen untersuchen lassen: Gesundheitsminister Jens Spahn hat zusätzliche Haushaltsmittel beantragt - und bekommen.

Jens Spahn
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Fünf Millionen Euro zusätzlich hat das Bundeskabinett für Jens Spahn freigegeben. Der Gesundheitsminister hatte das Geld für eine umstrittene Studie zu den seelischen Folgen von Schwangerschaftsabbrüchen angefordert.

Das Bundesgesundheitsministerium erhält für die Durchführung der Studie in den Haushaltsjahren 2020 bis 2023 jeweils 1,25 Millionen Euro zusätzlich. Das habe das Kabinett am vergangenen Mittwoch beschlossen, berichtet die "Bild am Sonntag" unter Berufung auf Regierungskreise.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Florian Post kritisierte die Finanzspritze. Es sei "ein Skandal, für solchen Unsinn Millionen auszugeben", sagte er der "BamS". Die Bundesregierung hatte in der Kabinettssitzung auch die Lockerung des Werbeverbots für Schwangerschaftsabbrüche auf den Weg gebracht.

Die beschlossene Reform des Strafrechtsparagrafen 219a sieht vor, dass Ärzte, Krankenhäuser und Einrichtungen künftig darüber informieren dürfen, dass sie Abtreibungen vornehmen. Außerdem soll es eine von der Bundesärztekammer geführte Liste mit Ärzten geben, die Schwangerschaftsabbrüche anbieten.

Die Union war - anders als die SPD - für die Beibehaltung des Werbeverbots für Abtreibungen. Die Vorsitzenden von CDU und CSU, Annegret Kramp-Karrenbauer und Markus Söder, hatten deshalb angekündigt, den Gesetzentwurf genau zu prüfen. Spahn hielt zudem an der von der SPD abgelehnten Studie zu den seelischen Folgen von Schwangerschaftsabbrüchen fest.

him/AFP

insgesamt 60 Beiträge
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werner123 10.02.2019
1. Miserabler Sprachgebrauch
Nicht Spahn bekommt das Geld, sondern das Bundesgesundheitsministerium.
yksas 10.02.2019
2. Spätrepublikanische Dekadenz
5 Mio € um für religiöse Vorstellungen gegen Frauenrechte zu kämpfen ist widerlich. Das Nazigesetz 219a einfach streichen ist billig und gut. Das Kabinett orientiert sich aber an schlecht und teuer.
gesell7890 10.02.2019
3. Irre
fünf Mille Steuerkohle für ne Geschichte, die so klar ist wie nix. Daran sieht man, in welcher Geistesverfassung sich unsere Politiker befinden und wie sie gewissenlos Kohle raushauen für den hinterletzten Unsinn. Dummheim im Amt sollte ein Straftatbestand werden.
ursula-neumann 10.02.2019
4. Und die andere Gruppe ?
Es ist nicht grundsätzlich unsinnig, die seelischen Folgen eines Schwangerschaftsabbruchs zu untersuchen. Als Psychotherapeutin habe ich nicht selten damit zu tun. Wobei ich oft auch höre: "Es war eine schwere Entscheidung, aber in dieser Situation war sie richtig." Das heißt dann aber keineswegs, dass diese Frauen nicht trotzdem unter der Entscheidung leiden. Was die Sache so unangenehm tendenziös macht (das kennen wir von Spahn nur zu gut!): Offenbar gibt es keine parallele Untersuchung der anderen Gruppe, nämlich der Frauen, die ein Kind trotz großer Zweifel und Angst bekommen haben. Auch hier höre ich: Es war die richtige Entscheidung, und so schwer es ist, ich bin froh, dass das Kind da ist. Aber es gibt auch die anderen Frauen, die diese Entscheidung bereuen. Klar: darüber sprechen diese Frauen kaum. Denn wie stünden sie dann da!. Und was ist mit den seelischen Folgen für jene Kinder, deren Mütter ihnen dauerhaft ambivalent bis ablehnend gegenüberstehen? So selten höre ich dann nicht "meine Mutter hat mir immer gesagt, 'du bist schuld', dass ich dieses Leben führen muss." Hat das keine seelischen Folgen? Das Thema taugt wirklich nicht für Polemik. Von keiner Seite! Aber wenn man die Folgen schon unterschuchen will, dann bitte richtig! Ursula Neumann
Bows3r 10.02.2019
5. Absurdistan...
Einfach mal den gesunden Menschenverstand einschalten, dann klappt es auch mit der Bewertung von Schwangerschaftsabbrüchen.
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