Zweiklassenmedizin Spahn will Unterschiede bei Krankenversicherungen abbauen

Der designierte Gesundheitsminister Jens Spahn fordert, dass privat und gesetzlich Versicherte künftig gleich schnell Termine bekommen sollen. Außerdem will er den Pflegeberuf lukrativer machen.

Jens Spahn
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Kassenpatienten klagen über lange Wartezeiten, manch privat Versicherter fürchtet, im Alter die Beiträge nicht mehr zahlen zu können. Der designierte Gesundheitsminister Jens Spahn möchte beide Probleme beheben.

"Privat und gesetzlich Versicherte müssen in Zukunft gleich schnell einen Arzttermin bekommen können", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Aus seiner Sicht hätten viele Menschen beim Arzt das Gefühl, es gebe zwei Klassen bei der Terminvergabe, sagte der CDU-Politiker dem RND.

In einem ersten Schritt sollten deshalb die Terminservicestellen ausgebaut werden, fordert Spahn. Sie vermitteln Kassenpatienten mit Überweisung innerhalb von vier Wochen einen Termin beim Facharzt oder Psychotherapeuten.

"Massiver Reformbedarf"

Spahn will auch - wie im möglichen Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD vereinbart - über die Vergütung von Ärzten für Versicherte von gesetzlichen Krankenversicherungen sprechen. Bislang ist die Behandlung von Privatpatienten für Ärzte deutlich lukrativer.

Bei der privaten Krankenversicherung sehe Spahn insgesamt einen massiven Reformbedarf. Er bezeichnete die Entscheidung für die private Krankenversicherung als Lebensentscheidung. Wenn man sich einmal festgelegt habe, "ist ein Wechsel in späteren Jahren schwerer als eine Scheidung", sagte der 37-Jährige.

Innerhalb der privaten Krankenversicherung müssten immer mehr Menschen im Verhältnis zu ihren Einkommen sehr hohe Beiträge zahlen. Außerdem gebe es wegen der niedrigen Zinsen Probleme mit den Kapitalrücklagen, sagte Spahn. "Wir müssen verhindern, dass für einen einfachen Polizisten stark steigende Beiträge im Alter zu einer sozialen Frage werden."

Spahn kündigte auch Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel in der Pflege an. "Wir werden die Ausbildungskapazitäten erhöhen, die Bezahlung und die Tarifbindung in der Pflege verbessern", sagte er. Pflege sei das große Thema, das jeden in Deutschland bewege.

Spahn gilt als einer der größten Kritiker der Kanzlerin und als Hoffnungsträger des konservativen Flügels der Partei. Angela Merkel wolle mit seiner Berufung in ein mögliches Kabinett Merkel IV die Kritiker in den eigenen Reihen beruhigen, glauben viele Beobachter. Spahn gilt neben der neuen Generalsekretärin der CDU, Annegret Kramp-Karrenbauer, als einer der möglichen Nachfolger von Angela Merkel. (Einen Kommentar zu der Personaldebatte in der CDU finden Sie hier).

höh/dpa/AFP



insgesamt 147 Beiträge
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Seite 1
Entsetzen 27.02.2018
1. Die Sozialdemokratisierung der CDU
geht weiter. Der größte Merkel-Kritiker läuft bereits voll auf ihrem Kurs. Was so ein Posten doch ausmacht.
Mister Stone 27.02.2018
2.
Spahn will auch - wie im möglichen Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD vereinbart - über die Vergütung von Ärzten für Versicherte von gesetzlichen Krankenversicherungen sprechen. Aha, er will also wirklich (irgendwann innerhalb der nächsten 4 jahre, oder später?) "darüber sprechen". Und wenn er "darüber gesprochen" hat, kann er voller Stolz behaupten, er habe den Koalitionsvertrag erfüllt?
peterpan2200 27.02.2018
3. Was er will
und was er tut sind wahrscheinlich die berühmten zwei Seiten einer Münze.
Solid 27.02.2018
4.
Derzeit werden kleine Beamte in die extrem teure PKV gezwungen, weil sich der Staat als Arbeitgeber weigert, die Hälfte der Beiträge zur GKV zu bezahlen so wie bei seinen Angestellten. Stünde Beamten die GKV frei, würden die sofort dorthin wechseln.
salomohn 27.02.2018
5. Sturm im Wasserglas
Mit diesem Getöse kann man sicher ein bischen Aufmerksamkeit erregen. Das Konzept, der SPD die Themen weg zu nehmen, hat bisher auch gut funktioniert. Aber die Industrie möchte das System behalten. Sie werden das dem Herrn Spahn demnächst unmissverständlich klar machen - und er wird kuschen.
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