Zeitungsbericht Spahn plant Prämie für Behandlung durch Hausarzt

Erst Hausarzt, dann Facharzt: Wer strikt diese Reihenfolge einhält, soll eine Prämie kassieren. So will Gesundheitsminister Spahn laut einem Medienbericht die Stellung von Hausärzten im Gesundheitssystem stärken.

Gesundheitsminister Jens Spahn
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Gesundheitsminister Jens Spahn


Gesetzlich Versicherte sollen künftig Prämien erhalten, wenn sie sich immer zunächst von ihrem Hausarzt behandeln lassen. Das sehe ein Änderungsantrag zum Termin- und Servicestellengesetz von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vor, berichtete das Redaktionsnetzwerk Deutschland unter Berufung auf Koalitionskreise.

Im Zuge sogenannter Hausarztverträge können sich Patienten gegenüber ihrer Kasse verpflichten, für ein Jahr lang stets zum selben Hausarzt zu gehen, und nur auf dessen Überweisung hin zum Facharzt.

Union und SPD wollen den Kassen laut dem Bericht nun vorschreiben, in solchen Fällen die Hälfte der dadurch erzielten "Effizienzgewinne" in Form von Prämien an die Mitglieder auszuschütten. So will die Koalition die Stellung von Hausärzten im Gesundheitssystem stärken.

Spahn will mehr Einfluss auf Leistungskatalog der Kassen

Das Bundeskabinett hatte das Terminservice- und Versorgungsgesetz im September verabschiedet - es ist aber noch nicht in Kraft getreten. Es sieht unter anderem vor, dass Ärzte in Zukunft statt 20 mindestens 25 Wochenstunden als Sprechstundenzeiten anbieten müssen. Bestimmte Arztgruppen wie Augen- und Frauenärzte sowie Hals-Nasen-Ohren-Ärzte werden zudem verpflichtet, mindestens fünf Stunden pro Woche als offene Sprechstunde ohne Termin anzubieten.

Diese Leistung sollen die Ärzte zusätzlich zu ihrem bisherigen Budget bezahlt bekommen. Vergütet werden soll es nach Spahns Plänen auch, wenn ein Hausarzt seinem Patienten einen Facharzttermin vermittelt. "Gesetzlich Versicherte warten zu oft zu lange auf Arzttermine", sagte Spahn. Das solle zusammen mit den Ärzten geändert werden.

Zuletzt hatte sich Spahn Kritik im Zusammenhang mit der Frage eingehandelt, welche Leistungen die Krankenkassen bezahlen sollten und für welche Patienten selbst aufkommen müssen. Solche Entscheidungen will er künftig beeinflussen. Eigentlich entscheidet der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) von Ärzten, Kassen und Kliniken weitgehend über den Leistungskatalog der Krankenkassen.

jus/dpa

insgesamt 122 Beiträge
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Seite 1
HuFu 23.02.2019
1. ... und die nächste Worthülse....
eines Ministers, der offenbar nicht weiss, wie es in der freien Welt ausschaut. Ich komme zum Facharzt, wenn ich eine Überweisung durch meinen Hausarzt erhalten habe - im Normalfall nicht vorher und nicht andersherum. Die Folgetermine meines Facharztes stimme ich selbstverständlich IMMER mit dem Facharzt ab, niemals mit dem Hausarzt wieder als Erstes (wenn nicht ein anderer Grund dafür sprechen würde). Heisst, die Reihenfolge ist eigentlich usus oder was meint der Herr Spahn hier nun wieder? Ich verstehe nicht, was sein Problem ist, denn ein Facharzt verweist mich im Normalfall eh direkt wieder an den Hausarzt zurück wenn ich keine Überweisung habe. SO war es doch gewollt und SO wird es im Normalfall doch auch praktiziert!?
WoRiDD 23.02.2019
2. Schön und gut
Ist ja nicht neu. Aber nicht generell sinnvoll, um die Kosten niedrig zu halten. Es gibt Fachärzte, die regelmäßig pro Quartal wegen der erforderlichen Kontrolle besucht werden müssen (z.B.) Diabetologen). Dann gibt es Fachärzte in Kliniken, die brauchen von einem anderen Facharzt und dieser wieder vom Hausarzt eine Überweisung. Ebenfalls zur regelmäßigen Kontrolle. Das sind unnütze Kosten für die Krankenkassen.
gryps 23.02.2019
3. Wenig einleuchtend,
dass es effizient sein soll, beispielsweise vor jedem Besuch beim Augenarzt oder Gynäkologen erst zusätzlich den Hausarzt aufzusuchen. Für den Patienten heißt das zusätzliche Arzttermine organisieren, für die man sich ggf. frei nehmen muss.
1848 23.02.2019
4. Next one !
Und nächste Woche : Jeder Senior der freiwillig ins Sterbezimmer zieht, bekommt vorher noch einen Präsentkorb von Jens !!!!
blinder_seher 23.02.2019
5. Und welchen Vorteil soll es wem bringen, wenn ich mit einer ...
... Blasenentzündung zuerst einen Termin beim Hausarzt hole, dann trotz Termin 2,5h im Wartezimmer neben rotzenden und hustenden Patienten sitzen muss, um dann sofort eine Überweisung zum Urologe zu bekommen? Bei unklaren Symptomen finde ich dieses Konzept ja gut, aber bei klaren Symptomen, wo der Hausarzt nur eine Überweisung schreiben kann, finde ich das eher gefährlich und Energie-, sowie Zeitverschwendung. Gut, das mit der Prämie ist dann wiederrum nicht schlecht, weil es jedem frei gestellt wird, so vorzugehen. Ist dann eben Abwägungssache: Prämie kassieren und Zeit und Nerven investieren. Oder keine Prämie, dafür Zeit und Energie sparen.
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