Jungpolitiker Spahn "Die CDU darf nicht satt und träge werden"

Jens Spahn strebt in das Präsidium der CDU, den höchsten Führungszirkel der Partei. Die sähe den 34-Jährigen lieber auf hinteren Plätzen. Jetzt fordert er, nicht nur Herren in "silbergrau" bestimmen zu lassen.

Ein Interview von

CDU-Präsidiumskandidat Spahn: "Mehr als silbergrau"
DPA

CDU-Präsidiumskandidat Spahn: "Mehr als silbergrau"


Zur Person
Jens Spahn, 34, sitzt seit 2002 für die CDU im Bundestag. Er ist gesundheitspolitischer Sprecher der Unionsfraktion und Mitglied der Jungen Gruppe im Bundestag. 2012 führte er auf dem Bundesparteitag in Hannover einen Vorstoß zur steuerlichen Gleichstellung der Homo-Ehe mit an. Die Gruppe setzte sich nicht durch, aber die Initiative erntete bundesweite Aufmerksamkeit. Spahn stammt aus Ahaus in Nordrhein-Westfalen.

SPIEGEL ONLINE: Herr Spahn, Sie sind ja mutig.

Spahn: Wieso?

SPIEGEL ONLINE: Sie sind gerade mal 34 Jahre alt und kandidieren im Dezember für das CDU-Präsidium gegen Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe und diverse Ministerpräsidenten. Wie schätzen Sie selbst Ihre Chancen ein?

Spahn: Moment. Ich trete nicht gegen jemanden an, sondern für die Junge Union. Mit mir sollen die Anliegen der jungen Generation auch in der Parteispitze zur Sprache kommen. Regierung und Partei sind zwei Paar Schuhe, daher sollten im Präsidium nicht nur Regierungsmitglieder sitzen. Unser Erfolgsrezept als Volkspartei war es immer, Erfahrung und Neugier zusammenzubringen. Die CDU ist mehr als silbergrau. Das sollte sich eben auch in der Zusammensetzung des Präsidiums ausdrücken.

SPIEGEL ONLINE: Allerdings will Ihr eigener Landesverband Sie nicht an der Parteispitze sehen...

Spahn: Ich kandidiere nicht nur auf Vorschlag der Jungen Union, die nebenbei gesagt mehr Mitglieder hat als Grüne und Linke zusammen. Auch die Mittelstandsvereinigung der CDU hat meine Kandidatur gestern einstimmig unterstützt. Das ist eine starke Basis. Uns treibt gemeinsam eines um: Bei der Großen Koalition ging es bisher zu viel ums Verteilen - Stichworte Rente mit 63 und Mindestlohn - und zu wenig ums Erwirtschaften. Wir stehen vor der Frage, was wir jetzt tun müssen, damit es uns auch in zehn Jahren noch gut geht. Deutschland droht angesichts des Erfolges der letzten Jahre zu satt und zu träge zu werden, meine Partei ist davor auch nicht gefeit. Die CDU muss sich fragen, ob sie eine Partei der Bewahrer oder der Veränderer sein will.

SPIEGEL ONLINE: Klingt arg abstrakt, welche Themen würden Sie im Präsidium ganz konkret angehen?

Spahn: Konkretes Beispiel: Wie gehen wir mit dem neuen Taxi-Dienst Uber oder der Wohnungsbörse Airbnb um? Mir rufen zu viele schon wieder reflexhaft nach Schutzgesetzen, um den Status Quo und bestehende Monopole zu schützen. Dabei machen diese Dienste das Leben von Millionen Menschen leichter und billiger. Gerade Leute in meinem Alter begreifen solche neuen Möglichkeiten als Chance, nicht als Risiko. Oder ein anderes Thema: Die Innere Sicherheit war mal die Kernkompetenz der Union. Viele Menschen fühlen sich im Alltag wieder mehr bedroht, durch Einbrüche oder Übergriffe. Sie dürfen wir mit ihren Ängsten nicht der AfD überlassen, da braucht es konkrete Antworten.

SPIEGEL ONLINE: Den Satz hört man inzwischen überall in Ihrer Partei...

Spahn: Mir ist bei dem Thema besonders wichtig, dass ein starker Staat auch zum Schutz von Minderheiten vor Gewalt wichtig ist. Mich regt es auf, wenn auf deutschen Straßen wieder gegen Juden gehetzt wird oder Schwule in Berlin-Schöneberg fürchten müssen, von türkischen Jugendlichen verprügelt zu werden. Mit klarer Kante könnten wir hier sogar das eher linke schwule Milieu für uns gewinnen.

SPIEGEL ONLINE: Ist die CDU eine Partei, in der Junge sich erst mal hinten anstellen müssen, bevor sie etwas zu melden haben?

Spahn: Das kann man kaum sagen über eine Partei, deren Generalsekretär gerade erst 40 geworden ist. Aber sicher sind die Unter-40-Jährigen an der Parteispitze bisher nicht überrepräsentiert. Dabei sind viele junge CDU-Mitglieder schon aktiv in Stadt- und Gemeinderäten oder als CDU-Kreisvorsitzende vor Ort. Deshalb ist es ja so wichtig, Ihnen auch eine Stimme im Präsidium zu geben. Am vergangenen Wochenende haben uns alle Gastredner von CDU und CSU beim Deutschlandtag der JU dazu aufgefordert, uns einzumischen, auch wenn es mal nicht allen gefällt. Und genau das will ich mit meiner Kandidatur tun.

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insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
ichsagemal 24.09.2014
1.
... er hat aus meinet Sicht völlig Recht, aber... lasst alte Männer mit kahlen oder silbrigen Köpfen um mich, die mich in Ruhe machen lassen (leicht abgepasst)
kraijjj 24.09.2014
2. Gott bewahre
man hat ja Herrn Spahn schon in diversen politischen Talkshows lauschen können. Seine Einlassungen zu Killerspielen und Cannabis als gefährlicher Einstiegsdroge habe klar gemacht eines klar gemacht. Man kann auch mit 34 schon gestrig, ultrakonservativ sein und mit Scheuklappen durch die Welt rennen. Diesen Menschen brauchen wir keinem Parlament. Dann doch lieber ein paar helle Köpfe mit silbergrauem Haar.
forumgehts? 24.09.2014
3. Merke:
Satt ist eine Partei nie, Geld nimmt die immer. Unter anderem auch dafür, nichts zu tun.
spmc-122226439819235 24.09.2014
4. Spahn hat von der SPD gelernt
In der Union vollzieht sich nicht nur eine Sozialdemokratisierung in Programm und Tun ,sondern per Personal,bestimmte sich nciht dargestellte Gruppen drängen nach vor und dies nicht in Einzahl und wie in SPD,FDP wollen sie Spitzenämter für eine Minderheit,die auch eine solche Politik betreibe ,auch wenn dies die Medien bestreiten,Partybürgermeister und ähnliches beweisen das Gegenteil.Die Aufdringlichkeit ist hierbei anzumerken ,nicht die Personen,aber hier wir etwas verquickt ,was öffentlich ausgeschlossen wird.
ketzer2000 24.09.2014
5. Jungpolitiker
Jens Spahn ist mit 22 Lebens- und Erfahrungsjahren in den Bundestag eingezogen. Er hat etwa 1 Jahr als Bankkaufmann gearbeitet. Während seiner Arbeit als Bundestagsabgeordneter hat er an der Fernuni studiert. Wie will er das vernüftig neben seiner Parlamentsarbeit gemacht haben, wenn der Tag nur 24h hat. Oder war das Parlament nur das schmückende Beiwerk. Damit reiht er sich für mich in die Reihe der Jungpolitiker ein, die schnell zu Macht und Einfluss kommen wollen. Zur Sache: Es wäre sicherlich richtig, wenn die Altersstruktur in den Parteien nicht nach dem Senioritätsprinzip funktionieren würde. Letztendlich sollte ausschließlich Eignung und fachliche Befähigung für die Besetzung entscheidend sein. Mit seiner Bemerkung zum Thema UBER und Airbnb zeigt zumindest nicht, dass er über wirtschaftliche Kompetenz verfügt, denn jede Dienstleistung die vermeintlich günstiger angeboten wird, erzeugt auf einer anderen Seite einen Einnahmeverlust. Lediglich der Makler ist immer derjenige, der profitiert.
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