Jesidin aus dem Irak Frühere IS-Sklavin will ihren Peiniger in Deutschland getroffen haben

Sie wurde verschleppt und für 100 Dollar an einen IS-Kämpfer verkauft: In Deutschland ist eine junge Jesidin nach eigenen Worten dem Mann wiederbegegnet, der sie im Irak als Sklavin gehalten hat.

Flagge des "Islamischen Staates"
AFP

Flagge des "Islamischen Staates"


Monatelang wurde Aschwak Hadschi von einem Kämpfer der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) als Sklavin gehalten, dann gelang ihr die Flucht. Mittlerweile lebt die 19-Jährige Jesidin in Deutschland. Hier ist sie nach eigenen Worten ausgerechnet ihrem Peiniger wieder begegnet. Die Bundesanwaltschaft bestätigte der Nachrichtenagentur AFP, sie befasse sich mit dem Fall, eine Untersuchung laufe.

Aschwak Hadschi sagte, sie sei am 3. August 2014 vom IS im Irak verschleppt und für 100 Dollar an den Mann verkauft worden. Dieser habe sich Abu Humam genannt, sie als Sexsklavin gehalten und monatelang missbraucht. Dann sei ihr die Flucht gelungen.

Gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrem jüngerer Bruder, die ebenfalls zeitweise Gefangene des IS waren, floh Aschwak Hadschi 2015 nach Deutschland. Die drei lebten in einem Flüchtlingsheim in Schwäbisch Gmünd, der Vater Hadschi Hamid blieb im Irak.

Anfang des Jahres habe Aschwak Hadschi dann ihren früheren Peiniger getroffen. Der Mann sei ihr gefolgt und habe sie angesprochen. "Er hat mir gesagt 'Lüg mich nicht an, ich weiß genau, dass du Aschwak bist und mit deiner Mutter und deinem Bruder in Deutschland lebst'", berichtete Aschwak. "Er hat mir sogar meine Adresse genannt und andere Einzelheiten aus unserem Leben in Deutschland."

Ein Sprecher der Bundesstaatsanwaltschaft sagte, Hadschis Angaben seien der Behörde bekannt und die Ermittler seien diesen nachgegangen. "Aber es ist uns bislang nicht gelungen, anhand der zur Verfügung stehenden Beweismittel den mutmaßlichen Täter mit der gebotenen Sicherheit zu identifizieren." Die Untersuchung laufe weiter.

Jesiden im Nordirak: "Meine 15-jährige Tochter wurde mit IS-Kämpfer zwangsverheiratet"

Deutsche Welle

asc/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.