US-Wahlkampfstar bei der SPD Der talentierte Mr. Messina

Der US-Wahlkampfstratege und Obama-Vertraute Jim Messina will die SPD zum Sieg gegen Angela Merkel führen. Am Samstag schaute er sich Berlin und sein Projekt mal aus der Nähe an. Weiß er, worauf er sich einlässt?

Von und , Berlin und Washington

Berater Jim Messina beim Campaign Camp der SPD: "Angst hat Jim vor niemandem"
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Berater Jim Messina beim Campaign Camp der SPD: "Angst hat Jim vor niemandem"


Wenn man sich in Washington nach Jim Messina erkundigt, bekommt man die unterschiedlichsten Reaktionen. Die einen halten ihn für brillant. Die anderen halten ihn für rücksichtslos. In einem scheinen sich aber alle einig zu sein: "Angst hat Jim vor niemandem", heißt es.

Das ist keine ganz schlechte Voraussetzung für Messinas nächsten Job. Der 45-jährige US-Demokrat, der 2012 für Barack Obama die Wiederwahl organisierte und in diesem Jahr dem Briten David Cameron zu einem spektakulären Last-Minute-Sieg verhalf, mischt sich fortan in die deutsche Politik ein. Messina will mit der SPD bei der nächsten Bundestagswahl Angela Merkel schlagen. Es gibt leichtere Aufgaben.

Am Samstag hatte Messina in Berlin seinen ersten Auftritt. Beim so genannten Campaign Camp im Schöneberger Gasometer präsentierten die Sozialdemokraten ihren neuen Helfer das erste Mal. Der Mann aus der US-Hauptstadt sprach über die neuesten Trends der Kampagnenarbeit. Datenanalyse, Wähleransprache, Online-Kommunikation, solche Dinge.

Es ist schon richtig: Wenn die SPD überhaupt eine Chance gegen Merkel haben will, braucht sie dringend Expertise auf diesem Gebiet. Der letzte Wahlkampf unter Peer Steinbrück verlief schlampig, Merkel schrammte nur knapp an der absoluten Mehrheit vorbei. Aber ist Messina der richtige Mann für diese Aufgabe?

Gefürchtet und erfolgreich

Der Obama-Vertraute scheut auch die schmutzigen Tricks nicht. In einer seiner ersten Kampagnen für seinen damaligen Chef, den Senator Max Baucus, entwarf er 2002 einen TV-Spot, in dem Baucus' Gegner zu sehen war, wie er als junger Mann mit offenem Hemdkragen Schönheitstipps gibt. Der unterschwellig homophobe Clip verfehlte seine Wirkung nicht: Der Gegner gab wenig später auf.

Auch als Vize-Stabschef im Weißen Haus in Obamas erster Amtszeit war Messina gefürchtet. Autoritär, brutal, cholerisch - so empfanden ihn manche in der Regierungszentrale. Doch der Erfolg sprach für ihn. Messina half Obama unter anderem, die Gesundheitsreform durch den Kongress zu peitschen.

Seine wahre Leidenschaft aber sind Wahlkämpfe. Die Lebensfreude muss in solchen Zeiten mal Pause machen, so sieht er es. "Ich vermisse, wie schlecht es um Mitternacht in der Wahlkampfzentrale muffelt", sagte er einst zu Weiße-Haus-Zeiten. Essen gibt es während Wahlkämpfen für ihn vor allem von McDonald's. 27-mal aß er in einem seiner Wahlkämpfe bei der Fast-Food-Kette - hintereinander. Die Burger kamen schnell und erfüllten ihren Zweck.

Messina, der in D.C. seine eigene Beratungsfirma gegründet hat, wird im Willy-Brandt-Haus nicht den gesamten Wahlkampf verantworten, so viel steht fest. Er soll für die SPD die Wege optimieren, potenzielle Wähler ausfindig zu machen. Dafür will Messina mit einer deutschen IT-Firma eine Datenbank errichten. "Wir wollen auch wieder diejenigen erreichen, die sich von der klassischen Art des Wahlkampfs abgewandt haben", sagt Generalsekretärin Yasmin Fahimi.

Das Merkel-Problem

In den USA hat Messina den Wahlkampf zu einem wahren Datenkrieg gemacht. Um zu wissen, wen man ansprechen und wo man anklopfen muss, sammelten Messinas Leute bis zu 800 Einzelinformationen pro Wähler. Er ließ sich von Apple-Erfinder Steve Jobs schulen, holte sich Rat bei Ex-Google-Chef Eric Schmidt und fragte Steven Spielberg nach Inszenierungstipps. Obama siegte. Jetzt tourt Messina um die Welt und macht mit seinem Ansatz Geld.

In Washington ist mancher verwundert über seine Engagements, einige halten sie sogar für fragwürdig. Der Grund: Barack Obama, David Cameron, SPD - eine politische Linie ist in seinen Engagement nicht wirklich zu erkennen. Wichtiger aber ist: Messina, der Obama-Vertraute, wird von der SPD gegen Angela Merkel eingesetzt, zu der der US-Präsident inzwischen ein vernünftiges Arbeitsverhältnis aufgebaut hat. Man kann das als Interessenkonflikt sehen. Gegenüber SPIEGEL ONLINE wollte sich Messina nicht äußern.

Für Messina ist der Auftrag in Berlin auch persönlich ein Risiko. Deutschland ist in Sachen Wahlkampf mit den USA nicht zu vergleichen. Das Wahlsystem ist völlig anders. Davon abgesehen gibt es wenig Daten, wenig Geld, wenig Raum für Inszenierung. "Seine Bilanz steht auf dem Spiel: Messina hat noch nie einen Wahlkampf verloren", sagt einer, der ihn gut kennt.

In der SPD sieht man es gelassener. Messinas Ansatz soll für die nächsten fünf bis zehn Jahre in SPD-Wahlkämpfen eingesetzt werden. Messina werde sich in jedem Fall lohnen, glaubt man. Selbst, wenn es 2017 nicht klappen sollte mit dem Sieg gegen Angela Merkel.



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insgesamt 94 Beiträge
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Seite 1
hondje 06.09.2015
1. us wahlkampfstar bei der spd
Dass einzige was hilft ist dreckige Wäsche zu veröffentlichen was im Keller der Union gelagert ist und dass müsste für ein Amerikaner mit so eine gute Geheimdienst kein Problem sein ich hoffe das das gelingt weil mit diese Regierung gäbe es immer mehr reiche und die arbeitende Menschen gehe es immer schlechter weil die nicht alles wissen über Merkel ihre Vergangenheit .
niceemotions 06.09.2015
2. Honorar für lau
Der Herr Messina wird schon gut genug bezahlt werden von der SPD, egal ob Erfolg oder Mißerfolg, denn mit Geld konnte die SPD noch nie umgehen. Wenn er dann im Flieger sitzt zurück in die USA, wird er sich sicher freuen gemäß dem Motto: leicht verdientes Geld, auch wenn es nichts gebracht hat
Luna-lucia 06.09.2015
3. Der US-Wahlkampfstratege
wird nur eins erreichen, den noch schnelleren Untergang der SPD! Wir sind von Madame Merkel sicherlich nicht allzu begeistert. Aber einer aus der SPD??? Neee! Die würden sogar noch an unsere Renten gehen, um "die restliche Welt" zu retten! Alles, nur das nicht - und keine SPD, und keine Linken!
jalee 06.09.2015
4. der Obama-Vertraute, wird von der SPD gegen Angela Merkel eingesetzt
Das ist richtig. Allerdings ist Obamas Regierungszeit nächstes Jahr zu Ende. Einen Interessenskonflikt sehe ich also nicht. Obama hat mit dem nächsten Kanzler bzw Kanzlerin nichts mehr zu tun.
tutnet 06.09.2015
5. Schwachsinnige Idee
SPD agiert als sammelwütige Datenkrake, das wird Ihr der deutsche Wähler verübeln
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