Amtsantritt als Bundespräsident: Gauck zieht in Bellevue ein
Das Schloss hat einen neuen Boss. Joachim Gauck ist zur Amtsübernahme im Dienstsitz Bellevue eingetroffen. Dort begrüßten ihn Übergangspräsident Horst Seehofer und Amtsvorgänger Christian Wulff.
Berlin - Der neue Bundespräsident Joachim Gauck hat am Montag die Amtsgeschäfte übernommen. Gauck traf um 11 Uhr am Schloss Bellevue ein, dem Amtssitz des Staatsoberhaupts.
Empfangen wurde Gauck vor dem Schloss von seinem Vorgänger Christian Wulff sowie Bundesratspräsident Horst Seehofer und dessen Ehefrau. Der bayerische Ministerpräsident Seehofer hatte nach dem Rücktritt von Wulff die Amtsgeschäfte des Staatsoberhaupts geführt.
Gauck fuhr mit seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt vor. Auf der Treppe zum Schloss posierten die beiden auf dem roten Teppich mit Wulff und dem Ehepaar Seehofer für Fotos. Auf Fragen von Reportern ging Gauck nur kurz ein. Er empfinde großen Respekt, sagte er. Auf sein Herz deutend meinte er: "Mir pochert es hier drin." Nach ausführlichen Gesprächen mit Seehofer und Wulff ist am Nachmittag auch ein Treffen mit dem Personal des Bundespräsidialamtes vorgesehen.
Der 72-jährige ehemalige Bürgerrechtler Gauck wurde am Sonntagnachmittag in der Bundesversammlung mit 991 von 1228 gültigen Stimmen gewählt. Mit der Annahme der Wahl ist Gauck als Staatsoberhaupt offiziell im Amt.
Die Vereidigung des elften Präsidenten vor Bundestag und Bundesrat ist für kommenden Freitag vorgesehen. Dann wird Gauck auch eine erste thematische Rede halten. In Interviews am Sonntagabend hielt er sich mit konkreten Inhalten noch zurück, machte aber deutlich, dass er sich auch mit Fragen der sozialen Gerechtigkeit beschäftigen will.
Gauck kündigte an, dass er auch an wichtige Themen seines Vorgängers Wulff anknüpfen werde. Dieser habe ihm zum Beispiel das Integrationsthema hinterlassen, "an dem ich nicht vorbeigehen kann", sagte er dem Sender Phoenix.
Weichenstellungen in den kommenden Tagen
Für die kommenden Tagen wurden die ersten Weichenstellungen des neuen Bundespräsidenten erwartet. Gauck muss im Präsidialamt mehrere Posten neu besetzen. Als neuer Staatssekretär ist der Theologe und Jurist David Gill im Gespräch. Der aus Sachsen stammende langjährige Weggefährte Gaucks war zuletzt Oberkirchenrat bei der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).
Für die kommenden Tage wurde auch die Entscheidung über Gaucks erstes Reiseziel im Ausland erwartet. Gauck hatte den Wunsch geäußert, seine erste Auslandsreise möge nach Polen führen.
Interimsvorgänger Seehofer verspricht sich nach eigener Aussage viel von der Partei-Unabhängigkeit Gaucks. Nach seinen bisherigen Begegnungen mit Gauck gehe er sicher davon aus, dass der Präsident diese Unabhängigkeit auch nutzen werde, sagte Seehofer der "Leipziger Volkszeitung". Der Ex-Bürgerrechtler werde "manchen Diskurs auslösen und keine politische Seite wird ihn vereinnahmen können", sagte der CSU-Vorsitzende.
Seehofer warnte davor, von einem idealen Präsidenten als Typ zu sprechen. "Wenn etwas ideal wirkt, dann sind das meist Kunstfiguren, die gern von den Medien und der Öffentlichkeit entsprechend konstruiert werden - aber der Praxis nicht standhalten", sagte er.
fab/dpa/dapd/AFP
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