Grafik zu Gaucks Reden Freiheit ist das Einzige, was zählt

In seinen Reden verwendet Joachim Gauck gern bestimmte Begriffe - Freiheit oder Europa etwa. Wann spricht der Bundespräsident von was? Die Infografik der Woche.


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Rund 500 öffentliche Reden hat Bundespräsident Gauck seit seinem Amtsantritt im März 2012 gehalten. Schon in seiner Antrittsrede stellte er dabei einige Begriffe heraus, die zu zentralen Botschaften seiner Amtszeit geworden sind. So fielen am 23. März nach der Vereidigung achtmal der Begriff "Demokratie" und sogar jeweils zehnmal die Ausdrücke "Europa" und "Freiheit".

Bis zum Juni 2016 sollten diese Worte noch sehr häufig in Gaucks Reden vorkommen. "Europa" verwendet der Präsident in seinen Reden mehr als 1100 Mal, "Freiheit" über 800 Mal, "Demokratie" über 700 Mal. Hinzu kommen jeweils Synonyme und Umschreibungen. Interessant: Der Ausdruck "Sicherheit" fällt deutlich seltener, nur rund 150 Mal.

Die Infografik der Woche von Statista und SPIEGEL ONLINE zeigt die Häufigkeit ausgewählter Begriffe im zeitlichen Verlauf. Dabei fallen besondere Schwerpunkt in bestimmten Quartalen seiner Dienstzeit auf. Den Begriff "Freiheit" etwa verwendete Gauck Ende des vergangenen Jahres besonders häufig, als unter dem Eindruck der Anschläge von Paris in der öffentlichen Debatte viel über Sicherheit diskutiert wurde.

Auch beim Festakt zum 25. Jahrestag der Deutschen Einheit bezog sich Joachim Gauck besonders häufig auf den Begriff der Freiheit und benutzte ihn mitunter auch in rhetorischer Häufung: "Von Freiheit nicht nur zu träumen, sondern Freiheit in der Freiheit tatsächlich zu gestalten."

Joachim Gauck am 22.02.2013 im Schloss Bellevue
DPA

Joachim Gauck am 22.02.2013 im Schloss Bellevue

Ähnliche Figuren finden sich auch zum Begriff "Europa", der in Gaucks Reden ständig präsent ist. "So haben wir uns mit Europa verbunden, wir haben uns Europa geradezu versprochen", sagte Gauck in seiner Rede zu Perspektiven der europäischen Idee am 22. Februar 2013. Rund hundert Mal taucht darin der Begriff "Europa" auf.

Neben diesen ausgewählten Schlagwörtern kommen auch weitere Begriffe mehrere hundert Male in Gaucks Reden vor, etwa "Deutschland" und "Welt", "Gesellschaft" und "Bürger". Ein wenig häufiger spricht er von "Geschichte" (576 Mal) als von "Zukunft" (553).

Trendwörter aus dem Digitalen nutzte Gauck hingegen erstaunlich selten. Der Begriff "Internet" kommt immerhin 53 Mal in seinen Reden vor, "Online" nur 19 Mal. Weiter ins Detail geht Gauck selten, nur ein Mal spricht er direkt von "Facebook", nie von "Twitter" oder gar "Snapchat".

Merkel versus AfD

Mehr Infografiken der Woche finden Sie auf der Themenseite.

agr/che/mds

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insgesamt 53 Beiträge
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Seite 1
RalfHenrichs 08.06.2016
1. Bezeichnend
Nichts - oder wenig - zu Umwelt, Ökologie, Klima, Gerechtigkeit, Gleichheit. Das zeigt eindrücklich, wie weit entfernt Gauck von der Realität, der Aktualität und dem Volk war und ist. Das Beste an Gauck ist, dass er sich entschlossen hat, nach fünf Jahren aufzuhören. Ein sehr schlechter Bundespräsident.
yfs 08.06.2016
2. Nullaussage
Man wird alt wie eine Kuh und lernt immer noch dazu. Ich hab heut gelernt: Bei einer Rede zur europäischen Idee das Wort Europa inflationär zu gebrauchen ist eine persönliche Eigenart von Gauck - etwas ganz Besonderes. Es lässt Rückschlüsse auf ihn zu. Deshalb musste man das natürlich so auswerten wie hier geschehen. Andererseits lässt diese Auswertung auch Rückschlüsse auf die Analysten zu.
El pato clavado 08.06.2016
3. So ist es ,oder besser ,so war's
Zitat von RalfHenrichsNichts - oder wenig - zu Umwelt, Ökologie, Klima, Gerechtigkeit, Gleichheit. Das zeigt eindrücklich, wie weit entfernt Gauck von der Realität, der Aktualität und dem Volk war und ist. Das Beste an Gauck ist, dass er sich entschlossen hat, nach fünf Jahren aufzuhören. Ein sehr schlechter Bundespräsident.
Das Beste an Gauck ist, dass er sich entschlossen hat, nach fünf Jahren aufzuhören. Ein sehr schlechter Bundespräsident. RalfHenrichs, Sie haben es erkannt.ich möchte hinzufügen: unerträgliches pastorales Geseire.Der Mann hat bewiesen, dass das Amt des Bundespräsidenten überllüssig ist
epiktet2000 08.06.2016
4. Die Freiheit ist immer die Freiheit
"Die Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden" - einen solchen Satz - immerhin zweimal Freiheit - bekommt Herr Gauck wahrscheinlich nicht über die Lippen. Aber das kann er verwurbeln: "Von Freiheit nicht nur zu träumen, sondern Freiheit in der Freiheit tatsächlich zu gestalten." Er kann aber auch Klartext, in seiner Freiburger Uni-Rede: Freiheit ohne Freiheit der Wirtschaft ist für ihn keine Freiheit. Da war aber Rosa Luxemburg wirklich viel weiter als unser Pastor. Für ihn spielt die Frage "Wessen Freiheit ist es?" keine Rolle. Auch nicht: Wie begrenzt sich die Freiheit des Einzelnen? Freiheit - das deklarierte auch ein Marquis de Sade für seine Ideen.
Sprühregen 08.06.2016
5. das werde ich diesem evangelischen Herrn nie verzeihen:
„Und dass es wieder deutsche Gefallene gibt, ist für unsere glücksüchtige Gesellschaft schwer zu ertragen.“ http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundespraesident-gauck-wirbt-fuer-auslandseinsaetze-der-bundeswehr-a-838386.html
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