Bundespräsident Spitzenpolitiker für zweite Amtszeit von Gauck

Joachim Gauck ist als Bundespräsident beliebt. Aber bislang hat er offengelassen, ob er auch für eine zweite Amtszeit antreten würde. Im SPIEGEL plädieren führende Politiker von SPD, Union und Grünen dafür.

Gauck beim Verlassen von Schloss Bellevue in Berlin: Macht er weiter?
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Gauck beim Verlassen von Schloss Bellevue in Berlin: Macht er weiter?


Angesichts der großen Herausforderungen in der Flüchtlingskrise versuchen führende Politiker, Bundespräsident Joachim Gauck, 76, dazu zu bewegen, sich noch einmal für weitere fünf Jahre wählen zu lassen. "Ich würde mir wünschen, dass Joachim Gauck für eine zweite Amtszeit zur Verfügung steht", sagte CSU-Chef Horst Seehofer dem SPIEGEL.

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Heft 7/2016
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"Er hat mit seinen ausbalancierten, klugen Aussagen bewiesen, dass er der richtige Mann im Schloss Bellevue ist", so Seehofer. SPD-Chef Sigmar Gabriel hat Gauck bereits zum Weitermachen ermuntert. Und wie aus dem Bundeskanzleramt zu hören ist, befürwortet auch Angela Merkel (CDU) eine zweite Amtszeit Gaucks. "Das würde uns viele Probleme ersparen", heißt es.

Im derzeit angespannten Klima möchte die Koalition keinen Streit über einen neuen Kandidaten riskieren. Die Wahl des nächsten Bundespräsidenten durch die Bundesversammlung erfolgt am 12. Februar 2017 in Berlin, wie jüngst Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) in einer amtlichen Mitteilung festlegte. Die Amtszeit Gaucks endet offiziell erst am 17. März kommenden Jahres, die Wahl eines neuen Staatsoberhaupts muss aber spätestens 30 Tage vor Ablauf der Amtsperiode erfolgen.

"Er übt das Amt des Bundespräsidenten auf ganz hervorragende Weise aus", lobt der hessische Ministerpräsident und Vize-CDU-Chef Volker Bouffier. Mit Cem Özdemir wünscht sich auch einer der beiden Grünen-Chefs Gaucks Verbleib im Schloss Bellevue, denn dieser fülle das höchste deutsche Staatsamt mit Würde, Weitsicht und Gelassenheit aus. "Wir Grüne haben ihn beim ersten Mal unterstützt. Wir werden es wieder tun", sagte Özdemir dem SPIEGEL.

Bislang gingen die Spitzen der Koalition davon aus, dass der parteilose Gauck aus Altersgründen nicht noch einmal antritt. Nun hoffen sie, dass er seine Meinung ändert, wenn der öffentliche Druck groß genug wird. Gauck hat sich bisher nicht zu einer erneuten Kandidatur geäußert.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 112 Beiträge
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Seite 1
TheBear 12.02.2016
1. Beliebt? Bei wem?
Aus dem SPON Artikel kann ich nicht herauslesen, dass Gauck beliebt ist. Eher schon, dass die "Spitzen"politiker keinen (zusätzlichen) Aerger haben wollen, und ihn vorschlagen, weil ihnen nichts besseres einfällt. Also, bitte lieber SPON, veröffentliche doch in diesem Zusammenhang ernstzunehmende Umfrageergebnisse, die die Behauptung "Gauck ist beliebt" etwas genauer erfassen.
schropc3 12.02.2016
2. Kann ich nur unterstützen
Ein sehr guter Präsident, der beste seit Weizsäcker
garfield 12.02.2016
3.
---Zitat von sysop--- Joachim Gauck ist als Bundespräsident beliebt. ---Zitatende--- Bei wem? Aber nun ja, "Beliebtheit" ist inzwischen ja offensichtlich ein Qualitätsmerkmal von Politikern, wie Merkels langandauernde Führungsrolle in diesem Ranking "beweist". ---Zitat von sysop--- Im SPIEGEL plädieren führende Politiker von SPD, Union und Grünen dafür. ---Zitatende--- Wie überraschend! ---Zitat von sysop--- "Er übt das Amt des Bundespräsidenten auf ganz hervorragende Weise aus", lobt der hessische Ministerpräsident und Vize-CDU-Chef Volker Bouffier. ---Zitatende--- Sag mir, wer Dich lobt, .... ---Zitat von sysop--- Gauck hat sich bisher nicht zu einer erneuten Kandidatur geäußert ---Zitatende--- "Halb zog es ihn, halb sank er hin ..." (Goethe) Aber die LETZTE Zeile in dem Gedicht (https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Fischer_(Goethe)) ist toll!
schwaebischehausfrau 12.02.2016
4. Ein Land in Erstarrung...
Braucht man noch bessere Belege dafür, in welchen Zustand der Erstarrung sich dieses Land nach fast 10 Jahren Merkel befindet: Regierung und Opposition, alle sind sich wieder mal einig - eigentlich könnte man den Bundestag doch auch auflösen angesichts soviel Einigkeit. "Die großen Herausforderungen der Flüchtlingskrise" soll also ein am Ende seiner nächsten Amtszeit 81-jähriger meistern helfen, vor dessen öffentlichen Auftritten einen jetzt schon schaudert.
maxmaxweber 12.02.2016
5. Beliebt? Bei wem?
Gauck hat sich mit seinen Satz, "Er sei froh, dass keine solche Partei im Bundestag sitzt ... aber wir sind jetzt an der Schwelle ... die Alternative für Deutschland" sicher bei den Politikern der Parteien beliebt gemacht, die schon im Bundestag sitzen. Aber es ist verfassungsrechtlich höchst problematisch, wenn ein Bundespräsident offen Stellung gegen eine neue Partei bezieht, die gute Chancen hat in den Bundestag einzuziehen. Es ist nicht die Aufgabe des Bundespräsidenten die Parlamentssitze der alten Parteien gegen neue Konkurenz zu verdeitigen.
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