Bautzen in Sachsen Rechte Demonstranten beschimpfen Gauck

Joachim Gauck hat bei einem Besuch in Bautzen eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Flüchtlingspolitik gefordert. Bei einigen Demonstranten stieß er auf taube Ohren. Sie beleidigten den Bundespräsidenten.

Bundespräsident Joachim Gauck in Bautzen
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Bundespräsident Joachim Gauck in Bautzen


Bundeskanzlerin Angela Merkel hat es im vergangenen Sommer in Heidenau erlebt, nun hat Bundespräsident Joachim Gauck in einer anderen sächsischen Stadt eine ähnliche Erfahrung gemacht: Er ist bei seinem Besuch in Bautzen von rechten Demonstranten beschimpft worden.

Bei einem kurzen Gang durch die Altstadt riefen rund 30 Menschen unter anderem "Volksverräter", "Gauck soll raus" und "Gauck verschwinde". Auch Trillerpfeifen waren zu hören. Ein Demonstrant zeigte dem Bundespräsidenten den Mittelfinger. Die Polizei drängte die Störer beiseite.

Aus dem Bundespräsidialamt hieß es, man plane keine rechtlichen Schritte gegen die Demonstranten.

Zuvor hatte Gauck mit Bürgern der Stadt über Demokratie und die Herausforderungen der Flüchtlingskrise diskutiert. "Hier in Sachen wird besonders intensiv gestritten. Deshalb bin ich hier. Ich will hören, was Sie bewegt", sagte Gauck.

Der Bundespräsident mahnte eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema an. "Im Internet eine Hasstirade zu posten ist noch keine demokratische Debatte", sagte Gauck.

Demokratie erfordere Kompromissbereitschaft und Geduld. Hass und Hetze gehörten nicht dazu. "Und wir wollen auch nicht akzeptieren, dass Brandsätze fliegen."

Vor knapp drei Wochen war auf eine noch nicht bezogene Asylbewerberunterkunft in Bautzen ein Brandanschlag verübt worden. Fremdenfeinde hatten anschließend unverhohlen ihre Freude über das Feuer gezeigt. Einzelne behinderten gar die Feuerwehr beim Löschen. Wer den Brand gelegt hat, ist bisher nicht bekannt.

syd/dpa



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