Reaktionen auf Gauck-Abschied "Er hat den Bürgern Orientierung und Optimismus gegeben"

Gauck hört auf und alle finden lobende Worte: In ihren ersten Reaktionen auf den Abschied mahnen Unionsvertreter zur Ruhe bei der Kandidatensuche. Grüne und Linke haben schon Ideen.

Thomas Oppermann, Gerda Hasselfeld, Volker Kauder
DPA

Thomas Oppermann, Gerda Hasselfeld, Volker Kauder


Wegen seines hohen Alters verzichtet Bundespräsident Joachim Gauck darauf, 2017 erneut als Bundespräsidentschaftskandidat anzutreten. In ersten Reaktionen loben Spitzenpolitiker den 76 Jahre alten Amtsinhaber. Eine Auswahl:

Volker Kauder, Vorsitzender der Unionsfraktion im Bundestag sagte, Gaucks Entscheidung zeuge von "größtem Verantwortungsgefühl" und "Menschlichkeit". Gauck sei "ein Staatsmann, der das Land immer wieder zusammenführt, der aber auch unserer Nation eine Richtung weist".

Kauder mahnte zu "Ruhe und Bedacht" bei der Suche nach dem nächsten Bundespräsidenten. Das gebiete "der Respekt vor dem höchsten deutschen Staatsamt, das Joachim Gauck gegenwärtig in so hervorragender Art und Weise ausfüllt".

Mehrere Politiker von SPD und Grünen nutzten ihre Danksagung an Gauck zu einem Seitenhieb auf den Amtsvorgänger Christian Wulff, der wegen einer Korruptionsaffäre das Amt 2012 zurücktrat.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) sagte, Gauck habe "mit hoher moralischer Integrität dem Amt des Bundespräsidenten seine Würde zurückgegeben". Ähnlich äußerte sich die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Katrin Göring-Eckardt - und ergänzte, mehr sei "heute nicht zu sagen. Gewählt wird nächstes Jahr".

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Auf Zurückhaltung hofft die Chefin der Grünen im Bundestag allerdings vergeblich - ihr Parteichef Cem Özdemir dankte Gauck, zollte Respekt und warnte bei der nun unweigerlich folgenden Kandidatensuche: "Nun bitte keine Parteitaktik."

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Für die Linke erklärte die Parteivorsitzende Katja Kipping, nun müsse ein "parteiübergreifende Kandidatur im von sozialer Gerechtigkeit und Weltoffenheit einsetzen".

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) und derzeit Präsident des Bundesrats, sagte: "Als den Menschen zugewandtes, redegewandtes und für die Nation und ihre Lage sensibles Staatsoberhaupt, hat er dem Amt Würde und den Bürgern Orientierung und Optimismus gegeben." Es sei schade, dass er dies ab dem kommenden Jahr nicht mehr als Bundespräsident tun werde. Nun müsse "aus Respekt vor dem Amt" und für Gauck, dessen Amtszeit erst 2017 endet, "in Ruhe und sachlich über die Nachfolge beraten" werden. Gauck hatte am 27. November 2015 als erster Bundespräsident im Bundesrat gesprochen.

Auch CSU-Chef Horst Seehofer versuchte in einer ersten Erklärung, Nachfolgerdebatten einzudämmen. "Zu einem hektischen Übereifer besteht kein Anlass", erklärte der bayerische Ministerpräsident. Seine Partei werde "mit Vernunft und Disziplin die Nachfolgefrage behandeln". Gauck habe "herausragende Arbeit für unser Land geleistet, den Menschen Orientierung gegeben und sie zusammengeführt", so Seehofer.

"Gauck hat Deutschland gut getan", sagte der Bundesvorsitzende der FDP, Christian Lindner. Mit Blick auf einen Nachfolger fügte er hinzu: "Für uns zählt die Persönlichkeit, nicht die Parteizugehörigkeit. Wir wünschen uns weiter ein Staatsoberhaupt, das Mut ausstrahlt, Ängste nimmt und für die Liberalität unseres Landes eintritt."

Gaucks DDR-Zeit

cht/brk/dpa

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