Gauck über Migranten "Es darf keine falsche Rücksichtnahme geben"

In einem Interview fordert der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck von Migranten in Deutschland, die Werte des Landes zu akzeptieren. Er erklärt zudem, was Heimat für ihn bedeutet.

Joachim Gauck (2016)
DPA

Joachim Gauck (2016)


Altbundespräsident Joachim Gauck erwartet eigenen Angaben zufolge von Migranten, die in Deutschland leben, das Land und seine Werte zu akzeptieren. "Es darf da keine falsche Rücksichtnahme geben, weil man fürchtet, als Fremdenfeind zu gelten", sagte er in einem Interview für eine "Bild"-Sonderausgabe zum Thema Heimat. "Ganz gleich, ob Antisemitismus, Frauenfeindlichkeit oder radikaler Islam: Die Bevölkerung muss wissen, unsere gewachsene Ordnung ist diejenige, die gilt." Die Politik müsse dafür sorgen, dass das alle begreifen.

Gauck sagte in dem Interview auch, er finde es "nicht hinnehmbar, wenn Menschen, die seit Jahrzehnten in Deutschland leben, sich nicht auf Deutsch unterhalten können, keine Elternabende ihrer Kinder besuchen oder diese sogar vom Unterricht oder vom Sport fernhalten".

Insbesondere der Zuzug von Flüchtlingen habe die aktuelle Diskussion über den Begriff Heimat ausgelöst, sagte Gauck. "Durch die Welle der Zuwanderung entsteht bei manchen Menschen das Gefühl: Wir sind gar nicht mehr bei uns zu Hause, sondern wir werden überfremdet."

Wie Gauck "Heimat" definiert

Gauck begrüßte die Wiederentdeckung des Heimat-Begriffs in der öffentlichen Diskussion: "Es war und ist überfällig, den Begriff vom früheren politischen Missbrauch zu befreien", sagte er mit Blick auf die Nationalsozialisten und die DDR-Führung. "Deutschland brauchte also durchaus eine Erholung von diesen missbrauchten Begriffen. Die ist inzwischen gut und weit gediehen."

Dabei sollte der Begriff Heimat nicht "verkitscht" werden - "bis er aussieht wie ein Gartenzwerg". Für ihn sei Heimat "das Gefühl einer ganz eigenen Sicherheit und eines Zutrauens zu sich selbst".

Gauck war von 2012 bis März 2017 Bundespräsident und hatte auf eine zweite Amtszeit verzichtet. Acht Monate nach seinem Abschied vom Amt hatte er gesagt, er sei froh, nun nicht mehr jede Äußerung bis ins Detail abwägen zu müssen.

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aar/dpa/AFP

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