Anstieg bei Wohnungseinbrüchen Bayerns Innenminister will Polizei in Deutschland massiv stärken

"Es geht um das Vertrauen in den Rechtsstaat": Angesicht der massiv gestiegenen Zahl an Wohnungseinbrüchen fordert Bayerns Innenminister Herrmann eine "sicherheitspolitische Offensive" für Deutschland.

Joachim Herrmann (4.v.l.) im Polizeipräsidium Nürnberg
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Joachim Herrmann (4.v.l.) im Polizeipräsidium Nürnberg


Bayerns Innenminister Joachim Herrmann will die Polizeipräsenz in Deutschland deutlich steigern. Angesichts der erneut deutlich gestiegenen Anzahl an Wohnungseinbrüchen forderte er eine "sicherheitspolitische Offensive" für Deutschland. "Es geht um den Schutz des Eigentums der Bürger und das Vertrauen in den Rechtsstaat", sagte der CSU-Politiker der Zeitung "Welt". Alle 16 Bundesländer müssten deutlich mehr Polizeistellen schaffen, um den Verfolgungsdruck zu erhöhen.

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Heft 21/2016
Alle drei Minuten wird in Deutschland eingebrochen, der Staat lässt seine Bürger allein

Kritik äußerte Herrmann an seinem Amtskollegen Ralf Jäger (SPD): "In Nordrhein-Westfalen wird bezogen auf 100.000 Einwohner sechs Mal so häufig eingebrochen wie in Bayern. Solche großen Unterschiede zwischen den Ländern darf es nicht mehr geben."

Die Polizei in Bayern setze bei Durchgangsstraßen verstärkt auf die sogenannte Schleierfahndung, sie kontrolliert also Personen verdachtsunabhängig. "Es kann nicht sein, dass Länder wie Nordrhein-Westfalen sich 2015 geweigert haben, dieses Mittel anzuwenden", sagte Herrmann. Das Thema Einbrüche muss seinen Aussagen zufolge oberste Priorität bei der Konferenz der Innenminister von Bund und Ländern Mitte Juni im Saarland haben.

Am Montagmittag hatte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) in Berlin die neue Kriminalstatistik vorgestellt: Demnach registrierten die Beamten mehr als 167.000 versuchte und vollendete Wohnungseinbrüche in Deutschland, das sind 50 Prozent mehr als noch 2008. Ermittler führen den Anstieg vor allem auf professionelle, hochmobil agierende Banden aus dem Ausland zurück.

Bayern will mehr Migranten im Polizeidienst

Bayern wirbt derzeit verstärkt um Polizisten mit ausländischen Wurzeln. Die Erfahrungen hätten gezeigt, dass diese einen "direkteren Draht" zu Menschen mit Migrationshintergrund hätten, da sie deren Sprache sprächen und die Mentalität besser kennen würden, sagte Herrmann am Montag in Nürnberg. Er erhoffe sich dadurch auch eine bessere polizeiliche Aufklärungsarbeit und Konfliktlösung.

Wie viele der bayerischen Polizisten mit deutschem Pass ausländische Wurzeln haben, wird nicht erfasst. In den vergangenen 23 Jahren wurden in Bayern 159 Polizisten ohne deutsche Staatsangehörigkeit eingestellt, wie es in einer Mitteilung heißt. Sie kamen aus 19 verschiedenen Nationen. Die größte Gruppe stellen Beamte mit türkischen Pass (57), gefolgt von Italienern (17) und Kroaten (16).

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aar/dpa



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