Parteispendenaffäre AfD-Chef Meuthen profitierte von dubiosen Zahlungen

Die AfD-Spendenaffäre um Alice Weidel weitet sich aus. Nach Informationen von SPIEGEL und "Report Mainz" wurde Parteichef Jörg Meuthen offenbar von denselben Einzelspendern wie die Fraktionschefin unterstützt.

Jörg Meuthen
JENS SCHLUETER/EPA-EFE/REX

Jörg Meuthen


Angebliche Gönner von AfD-Chef Jörg Meuthen sind teilweise namensidentisch mit jenen Personen, die von der Partei wiederum als angebliche Spender der Fraktionschefin Alice Weidel präsentiert wurden. Dies geht nach Recherchen des SPIEGEL und des ARD-Politikmagazins "Report Mainz" aus Namenslisten hervor, die die AfD kürzlich der Bundestagsverwaltung übermittelt hat.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 5/2019
Wie sich der deutsche Staat globalen Beraterfirmen ausliefert

Im Fall Weidel geht es um rund 130.000 Euro, die im Jahr 2017 auf einem AfD-Wahlkampfkonto eingingen. Als Absender war eine Pharmafirma aus Zürich angegeben. Wie die AfD nun aber in ihrem obligatorischen, jährlichen Rechenschaftsbericht an den Bundestag schreibt, stammte das Geld in Wahrheit von "mehreren Personen", mit deutschem oder EU-Pass.

Im Fall Meuthen geht es ebenfalls um dubiose Wahlkampffinanzierung: Bei seiner Kandidatur für den Landtag von Baden-Württemberg ließ sich der AfD-Bundesvorsitzende im Jahr 2016 von der Schweizer PR-Agentur Goal AG bei einer Werbekampagne mit Inseraten, Flyern, Plakaten und einer Website unterstützen.

Zumindest bezüglich der Website hatte die Partei bislang von einem "Freundschaftsdienst" des Goal-AG-Chefs gesprochen.

Davon ist aber im neuen AfD-Bericht keine Rede mehr. Diese Kosten seien ebenfalls von "mehreren Personen" übernommen worden.

Einige dieser Finanziers tauchen auch auf der Weidel-Liste auf. Fragen zur Namensgleichheit der angeblichen Gönner wollte die AfD nicht beantworten: Es handle "sich um eine derzeit in Klärung befindliche Anfrage der Bundestagsverwaltung".

Im Falle der Weidel-Spende, die von der AfD erst Monate später zurücküberwiesen worden war, ermittelt die Staatsanwaltschaft Konstanz. Sogenannte Strohmannspenden, bei denen die Spender verschleiert werden, sind illegal.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

Was im neuen SPIEGEL steht, erfahren Sie immer samstags in unserem kostenlosen Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von der Chefredaktion oder den Leitern unseres Hauptstadtbüros in Berlin.

srö



© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.